Filmarchiv

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98 kg

98 kg
Izabela Plucińska
Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm 2021
Animationsfilm
Deutschland,
Polen
2021
5 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Der Kreislauf häuslicher Gewalt: Spannung, Eskalation, Reue und dann wieder von vorn. Der Frau in Izabela Plucińskas Film ergeht es so wie vielen Betroffenen: Sie schafft den Ausbruch nicht. 98 Kilogramm wiegen die metaphorischen Hanteln, die sie dafür stemmen müsste – und auch der Mann, der ihr das antut. Ihr bleibt nur, sich aufzulösen, abzutauchen und stumm in ihre Einzelteile zu atmen. Die Animationen radieren sich immer wieder aus, und trotzdem bleiben schmerzhafte Spuren zurück.

Kim Busch

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Izabela Plucińska
Schnitt
Daniela Kinateder
Produktion
Paulina Ratajczak, Izabela Plucińska
Ton
Andrea Martignoni
Musik
Andrea Martignoni
Animation
Izabela Plucińska
Filmvertrieb
Maciej Reguła
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2024

A Year in the Life of the Country

Tomasz Wolski
Das exklusive Found-Footage-Material aus den frühen Achtzigerjahren zeigt ein Polen, das unter dem Kriegsrecht ächzt. Es zeigt zugleich ein Polen, in dem die Solidarność dabei ist, zu entstehen.
Filmstill A Year in the Life of the Country
Filmstill A Year in the Life of the Country

A Year in the Life of the Country

Rok z życia kraju
Tomasz Wolski
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2024
Dokumentarfilm
Polen
2024
85 Minuten
Polnisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Anfang der 1980er Jahre befindet sich Polen im Ausnahmezustand. Die Demokratiebewegung im Land, repräsentiert durch die freie Gewerkschaft Solidarność, soll unterbunden werden. Dazu verhängt Präsident Wojciech Jaruzelski am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht. In heimlicher Absprache mit der Sowjetunion inszeniert man eine Drohkulisse, um den „stan wojenny“ zu rechtfertigen. Westliche Nationen wie Großbritannien und die USA belegen den Ostblockstaat daraufhin mit Wirtschaftssanktionen. Ein komplexes Spannungsfeld entsteht, in dem sich die polnische Bevölkerung einerseits mit existenziellen Engpässen konfrontiert sieht, anderseits den Kampf im Untergrund fortführt – Ausgangssperren, überwachten Telefongesprächen und einem militärisch kontrollierten Mediensystem zum Trotz.
Tomasz Wolski führt in seinem Found-Footage-Film Brisantes, Alltägliches und Ikonisches zusammen und gewährt damit Einblick in eine ebenso absurde wie gefährliche Situation. Die überaus dynamische (und musikalische) Montage verdeutlicht die rasche und verworrene Abfolge der Ereignisse, mischt sich zugleich kommentierend ein und beweist nicht selten Humor. Einem nicht immer souveränen britischen Nachrichtenkorrespondenten verhilft Wolski etwa zu nachträglichem Ruhm: „Am grundlegendsten ist die … Warten Sie, Entschuldigung, Entschuldigung, könnten Sie … Fotografieren und Filmen werden weitgehend kontrolliert …“
Carolin Weidner

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Regie
Tomasz Wolski
Buch
Tomasz Wolski
Kamera
Tomasz Wolski
Schnitt
Tomasz Wolski
Produktion
Anna Gawlita
Ton
Marcin Lenarczyk
Musik
Jerzy Rogiewicz
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring, MDR-Filmpreis
Tanz in der Dunkelheit 2022

Attention! … Painting

Mieczysław Waśkowski
Eigentlich als Dokumentation über die „Informelle Malerei“ von Tadeusz Kantor angelegt, entwickelt dieser Film ein Eigenleben: Die abstrakte Formfindung selbst wird zum Kinostar.
Filmstill Attention! … Painting
Filmstill Attention! … Painting

Attention! … Painting

Uwaga! … malarstwo
Mieczysław Waśkowski
Tanz in der Dunkelheit 2022
Animationsfilm
Polen
1957
9 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Als Dokumentation über die „Informelle Malerei“ des polnischen Künstlers und Theatermachers Tadeusz Kantor angelegt, entwickelt Mieczysław Waśkowskis Film ein hektisch-experimentelles Eigenleben. Der gestische Farbauftrag wird auf wechselnden Raumebenen mittels Glasplatten, Kamerabewegung und Beleuchtung inszeniert. Nicht der Maler, sondern die abstrakte Formfindung selbst avanciert zum Kinostar.
Robert Seidel

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Regie
Mieczysław Waśkowski
Kamera
Antoni Nurzyński
Produktion
The Polish National Film School in Łódź
Ton
Józef Bartczak
Musik
Adam Kaczyński
Retrospektive 2023

Birth of Solidarity

Bohdan Kosiński
Die Behörden entscheiden über die Zukunft der Solidarność, die Massen protestieren in den Straßen. Der Generalstreik liegt in der Luft. Für einen Moment scheint der politische Umbruch möglich.
Filmstill Birth of Solidarity
Filmstill Birth of Solidarity

Birth of Solidarity

Narodziny Solidarności
Bohdan Kosiński
Retrospektive 2023
Dokumentarfilm
Polen
1981
29 Minuten
Polnisch
Untertitel: 
Englisch
Während drinnen die kommunistischen Behörden über die Konditionen der staatlichen Registrierung der Bewegung Solidarność entscheiden, demonstrieren draußen breite Massen vor dem Gericht. Ein Zeitdokument des Augenblicks, in dem eine beständige kulturelle Öffnung durch die Macht des Volkes nicht mehr nur Verheißung, sondern Möglichkeit schien. Zum damaligen Zeitpunkt beim Leipziger Festival „unerwünscht“.
Katharina Franck, Andreas Kötzing

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Regie
Bohdan Kosiński
Buch
Bohdan Kosiński
Kamera
Michał Bukojemski
Schnitt
Lidia Zonn
Produktion
Wytwórnia Filmów Dokumentalnych
Ton
Małgorzata Rok, Jan Kalisz
Wettbewerb Publikumspreis Kurzfilm 2020

Bless You!

Tatiana Chistova
Corona-Lockdown in Sankt Petersburg. Aufgezeichnete Anrufe bei einer Hilfe-Hotline werden zum Spiegelbild eines maroden Systems, in dem alte und schwache Menschen besonders leiden.
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Bless You!

Zdrastvuyte!
Tatiana Chistova
Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm 2020
Dokumentarfilm
Polen
2020
30 Minuten
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Sankt Petersburger Hinterhöfe während des Corona-Lockdowns. Tatyana Chistova verschmilzt Aufnahmen der fast leeren Stadt mit den aufgezeichneten Anrufen bei einer kommunalen Hotline. Sie soll Hilfe und Rat bieten. Das Themenspektrum reicht aber von Banalem bis zu existenziellen Fragen. Vor allem ältere Menschen sind von Armut, Hunger und Vereinsamung betroffen. Chistova zeigt auf, dass in einem System, welches seine Schwächsten vernachlässigt, das Virus nicht die einzige Bedrohung ist.
Kim Busch

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Regie
Tatiana Chistova
Buch
Maciek Hamela
Kamera
Marina Levashova
Schnitt
Tatiana Chistova
Produktion
Maciek Hamela
Musik
Patryk Zakrocki
Filmvertrieb
Georg Gruber
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023

Blue

Weronika Szyma
Ein Ausflug zum Strand weitet sich zur Familienbeobachtung über zwei Generationen. Diese betörend minimalistische Dehnübung kommt mit wenig aus: Schwarz-Weiß und das tiefe Blau des Meeres.
Filmstill Blue
Filmstill Blue

Blue

Jestem błękitem
Weronika Szyma
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Animationsfilm
Polen
2023
7 Minuten
Polnisch
Untertitel: 
Englisch
Von einem dichten, pulsierenden Blau ist das Meer, an dem Weronika Szyma ihren Film angesiedelt hat. Der angrenzende Strand und die Familie, die sich dort aufhält, sind derweil auf feingliedrige Schwarz-Weiß-Strichzeichnungen beschränkt. Ihr Minimalismus lässt das Blau umso betörender hervortreten: Mal präsentiert es sich als horizontaler Streifen, der Freiheit verspricht, aber auch Unsicherheit schürt. Mal schwappt es diagonal über die Leinwand, verschluckt das Bild für einen kurzen Moment komplett und markiert eine Zäsur. Und Zäsuren gibt es so einige, denn die sieben Filmminuten umspannen die Geschichte gleich mehrerer Generationen.

Einmal verschwindet der Vater, und die Mutter und ihre erwachsen werdende Tochter sind ganz auf sich allein gestellt. Sie lernen, den Verlust zu begreifen, geben einander Halt, lassen Gesten der Distanz zu Gesten der Zuneigung werden. Bis das Vertrauen gewachsen ist, wieder von vorn anzufangen. Unveränderlich bleibt hier nur das Blau des Meeres.
Felix Mende

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Regie
Weronika Szyma
Buch
Weronika Szyma
Schnitt
Filip Dziuba
Produktion
Piotr Furmankiewicz, Mateusz Michalak
Co-Produktion
Weronika Szyma
Ton
Tomasz Sierpiński
Animation
Weronika Szyma
Internationaler Wettbewerb 2021

Bucolic

Karol Pałka
Romantisch ist das Landleben, wie es Karol Pałka zeigt, nur bedingt: zwei Frauen, ein marodes Haus, die Erde nass, die Kleidung schmutzig. Ein eigenwilliger Besuch in der Einöde.
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Bucolic

Bukolika
Karol Pałka
Internationaler Wettbewerb 2021
Dokumentarfilm
Polen
2021
70 Minuten
Polnisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, Englisch

Danusia und Basia sind Mutter und Tochter. Und sie bestreiten das Leben, welches Regisseur Karol Pałka als ein ultimativ abgeschiedenes präsentiert, gemeinsam. Fernab jeglichen Komforts vergehen die Jahreszeiten, kommt ein Geistlicher zu Besuch, waten die Frauen im Schlamm und halten an ihren Gewohnheiten fest. Doch Basia bewegt sich, unbeobachtet von Danusia, auf eigenen Nebenstraßen, die in andere Richtungen weisen.

Die nächste Stadt scheint Lichtjahre entfernt. Zurückgezogen leben Danusia und ihre Tochter Basia in einem maroden Haus auf dem Land. Die Wohnräume sind mit Blumenarrangements geschmückt, dazwischen immer wieder Devotionalien. Mutter und Tochter pflegen ihre Verbindung zum Übernatürlichen, sei es in Form eines strengen Katholizismus oder kleiner Rituale in der Natur. In einer Szene etwa tanzt Basia wie eine Hexe um ein Feuer. Sie ist es auch, die wiederholt den Kontakt zur Außenwelt sucht. Dann sehen wir sie mit einem Handy. Die Person am anderen Ende bleibt jedoch ungreifbar, kann oder will den Bann, der um das Mutter-Tochter-Gespann liegt, nicht überschreiten. Es ist eine dichte, gleichsam verlassene Welt, die Karol Pałka in seinem Debüt in düsteren, verschatteten Bildern inszeniert. Erst mit Einsetzen des Frühlings hellen sie auf. Doch selbst dann hallt das dramatische Eröffnungsstück, „Specially for You“ der ukrainischen Band DakhaBrakha, noch nach.
Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Karol Pałka
Buch
Karol Pałka
Kamera
Karol Pałka
Schnitt
Katarzyna Boniecka
Produktion
Karolina Mróz, Wojciech Marczewski
Co-Produktion
National Film Archive – Audiovisual Institute
Ton
Piotr Knop, Anna Rok
Filmvertrieb
Marcella Jelic
Ausgezeichnet mit: Silberne Taube (Internationaler Wettbewerb)
Tanz in der Dunkelheit 2022

Cineforms

Andrzej Pawłowski
Weiche Lichtwolken drehen sich, fächern sich auf und wechseln ihr Farbkleid: Pawłowskis kosmische „Luxogramme“ existieren nur in der Projektion mit einem raffinierten Linsensystem.
Filmstill Cineforms
Filmstill Cineforms

Cineforms

Kineformy
Andrzej Pawłowski
Tanz in der Dunkelheit 2022
Performance-Aufzeichnung
Polen
1957
7 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Weiche Lichtwolken drehen sich, fächern sich auf und wechseln ihr Farbkleid: Pawłowski denkt mit seinen kosmischen „Luxogrammen“ den Serpentinentanz der Lumières radikal weiter und entmaterialisiert den Bewegungskörper. Er existiert weder auf einer echten Bühne noch in der Gestalt einer echten Tänzerin, sondern einzig und allein in der Projektion mit einem raffinierten System optischer Linsen.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Andrzej Pawłowski
Produktion
Andrzej Pawłowski
Extended Reality 2022

Control Negative

Monika Masłoń
Eine VR-Erfahrung als psychologisches Experiment: Sie konfrontiert uns mit Gefühlen wie Frust, Hilflosigkeit, Überforderung, Wut und Trauer und entlarvt die Kontrolle als Illusion.
2022
Filmstill Control Negative
Filmstill Control Negative

Control Negative

Control Negative
Monika Masłoń
Extended Reality 2022
XR
Polen
2022
30 Minuten
Polnisch,
Englisch
Die westliche Selbstoptimierungskultur basiert auf der Idee, alle Bereiche des Lebens kontrollieren zu können. Die VR-Erfahrung unterzieht uns einem psychologischen Experiment. Sie konfrontiert mit Gefühlen wie Frust, Hilflosigkeit, Überforderung, Wut und Trauer und zeigt so: Kontrolle ist eine Illusion. Stück für Stück werden wir von der physischen Aktivierung zur kontemplativen Wahrnehmung geführt.
Lars Rummel

Credits DOK Leipzig Logo

Produktion
Krzysztof Franek, Krzysztof Pijarski
Ausführende Produktion
Agnieszka Sural, Tomasz Filiks
Kreative Produktion
Pola Borkiewicz, Jacek Nagłowski
Produktionsfirma
The Polish National Film School in Łódź – vnLab
VR Entwicklung
Marcin Puchalski
3D-Künstler*in
Adam Kosiewicz, Marcin Puchalski
Ton
Kajetan Zakrzewski
Buch
Monika Masłoń, Rafał Kotas
Musik
Karolina Rec
Sprecher*in
Julia Kolberger, Włodzimierz Press, Richard Bialy
Regie
Monika Masłoń
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2021

Crumbs of Life

Katarzyna Miechowicz
Dieser wilde, fantasievolle Thriller in analoger Cutout-Technik bietet – in bester polnischer Animationsfilmtradition der Filmschule in Łódź – viel Raum für Interpretation.
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Crumbs of Life

Okruszki życia
Katarzyna Miechowicz
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2021
Animationsfilm
Polen
2020
7 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Spuckende Ponys, ein verfluchter TV-Reporter und ein haariger Riese, der liebevoll von seiner brünetten Freundin gekämmt wird, während sie unerklärliche Ängste um den eigenen Fuß entwickelt. Diesen wird sie später buchstäblich abschießen – den Fuß, nicht den Freund! Ein gesichtsloser Mann ist auch da – der handelt in Allianz mit den Ponys. Dieser bunte, ominöse Animationsthriller in analoger Cutout-Technik verhandelt Angstzustände, masochistische Kämpfe und Medienkritik. Vielleicht.

Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Katarzyna Miechowicz
Buch
Katarzyna Miechowicz
Kamera
Katarzyna Miechowicz
Schnitt
Piotr Baryła
Produktion
Agata Golanska
Ton
Piotr Baryła
Musik
Anna Obara
Animation
Katarzyna Miechowicz
Filmvertrieb
Maciej Reguła
Filmstill The Hamlet Syndrome

Das Hamlet-Syndrom

Das Hamlet-Syndrom
Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski
Wettbewerb um den Publikumspreis 2022
Dokumentarfilm
Deutschland,
Polen
2022
85 Minuten
Ukrainisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Fünf junge Menschen aus der Ukraine sprechen über ihr Leben nach der Maidan-Revolution 2014. Nicht alle kämpften im Russisch-Ukrainischen Krieg, aber allen zerschmetterte er Lebenspläne. Als „Generation Maidan“ stehen sie vor der Frage, wie sie Gewalterfahrungen verarbeiten, wie sie weitermachen können. Die Theaterregisseurin Roza Sarkisian inszeniert mit ihnen eine Hamlet-Adaption, in der sie sich in Shakespeares Tragödienfigur spiegeln und Traumata auf der Bühne neu begegnen.
Für sie ist Hamlets Frage nach dem „Sein oder Nichtsein“ nicht nur historischer Text, sondern ein aktuelles und existenzielles Dilemma ohne eindeutige Antwort. Der Film verfolgt den Clash der unterschiedlichen Biografien, Selbstentwürfe und politischen Haltungen bei den Proben: Ein Soldat trifft zum ersten Mal auf eine LGBT-Person, die Feministin hadert damit, dass der Krieg hart erkämpfte Emanzipationserfolge hinfällig macht. Reibungen und Differenzen treten zutage, Kompromisse werden mühsam ausgehandelt. Schließlich weitet der Film seinen Fokus und verlässt die Bühne, um die fünf auch als (mit sich ringende) Privatpersonen vorzustellen. Es entsteht ein vielschichtiges, dichtes Porträt einer zerrissenen und gleichzeitig kraftvollen ukrainischen Generation, die sich nur wenige Monate nach der Premiere des Theaterstückes durch den russischen Überfall erneut im Kriegszustand befindet.
Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski
Kamera
Piotr Rosołowski
Schnitt
Agata Ciernak
Produktion
Andreas Banz, Matthias Miegel, Magdalena Kaminska, Agata Szymanska, Robert Thalheim
Ton
Marcin Lenarczyk, Jaroslaw Sadowski, Andrii Nidzelskyi
Sound Design
Jonathan Schorr
Musik
John Gürtler, Jan Miserre
Filmvertrieb
Katarzyna Wilk
Broadcaster
Eva Witte-Toetzke, Beata Ryczkowska, Alicja Gancarz
Redaktion
Eva Witte-Toetzke
Nominiert für: MDR-Filmpreis, Filmpreis Leipziger Ring
Retrospektive 2023

Downhill

Marian Cholerek
Eine beschwingte Umsturzfantasie, die ihr subversives Potenzial im Polen des Jahres 1979 hinter witzigen Figuren und fröhlicher Musik verbirgt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Filmstill Downhill
Filmstill Downhill

Downhill

Z górki
Marian Cholerek
Retrospektive 2023
Animationsfilm
Polen
1979
6 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Es geht bergab. Für wen? Das überlässt Marian Cholerek dem Publikum. Eindeutig konnte er seine Geschichte über einen gemeinschaftlichen Akt vermeintlich oppositioneller Kräfte im Jahr 1979 auch nicht erzählen. Unverhohlen zeigen sich dafür seine langjährige Arbeit an Animationsserien für Kinder und seine Vorliebe für erotisch aufgeladenen Humor. Ein fröhlich-subversiver Kinderfilm für Erwachsene.
Katharina Franck, Andreas Kötzing

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Regie
Marian Cholerek
Kamera
Henryk Pollak
Schnitt
Alojzy Mol
Produktion
Studio Filmów Rysunkowych
Ton
Zbigniew Jurczyk
Musik
Antoni Mleczko
Animation
Marian Cholerek, Tadeusz Wyroba, Krystyna Lasoń
Filmstill Duck Broth

Duck Broth

Rosół z kaczki
Maria Dakszewicz
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Polen
2024
5 Minuten
Polnisch
Untertitel: 
Englisch
Tunnelblick, Augenringe und Atemlosigkeit – gegen die Spuren eines erschöpfenden Streifzugs durch die Nacht hilft ein warmes Bad. Wäre da nicht die kleine Badeente. In deiner halluzinierenden Müdigkeit fängt sie an, dich auszufragen. Deine zerbröselten Erinnerungen kommen Stück für Stück zurück und werden mit Vorwürfen gespickt. Das Gespräch entgleitet, hin zu einer überdrehten, dunkel-poetischen Klage über den Schmutz der durchlebten Nacht.
Maria Dakszewicz erfindet nicht nur äußerst originelle und treffende Sprachbilder, in denen „Schweißperlen wie Dönerfett“ auf dem Badewasser treiben. Auch ihre aquarell-fleckigen Zeichnungen mit groben schwarzen Strichen holen den Geschmack, den Geruch und die Schäbigkeit der auf dem Heimweg besuchten Imbissstuben in das vermeintlich reinigende häusliche Hygiene-Idyll. Ein schwarzhumoriger Hangover, bei dem du dir die Wanne mit dir selbst teilen musst.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Maria Dakszewicz
Buch
Maria Dakszewicz
Produktion
Agata Golańska
Sound Design
Jakub Krzyszpin
Musik
Maria Dakszewicz
Animation
Maria Dakszewicz
Produktionsfirma
Katarzyna Lipińska
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Retrospektive 2023

Exit

Małgorzata Bieńkowska-Buehlmann
Geflüchtete aus der DDR in Warschau, kurz vor dem Fall der Mauer. Emotionale Schicksale, ungefiltert. Die Interviews gerieten in Vergessenheit und wurden erst 20 Jahre später wiederentdeckt.
Filmstill Exit
Filmstill Exit

Exit

Wyjście
Małgorzata Bieńkowska-Buehlmann
Retrospektive 2023
Dokumentarfilm
Polen
1991
29 Minuten
Polnisch,
Deutsch
Kurz vor dem Fall der Mauer fliehen Zehntausende DDR-Bürger*innen in den Westen, die meisten über Ungarn. Viele stranden in den westdeutschen Botschaften von Prag und Warschau. In Polen wurden Geflüchtete aus der DDR interviewt – sie berichten offen und emotional von ihren Schicksalen. Das Filmmaterial geriet in Vergessenheit und wurde erst 20 Jahre später wiederentdeckt.
Katharina Franck, Andreas Kötzing

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Małgorzata Bieńkowska-Buehlmann
Kamera
Andrzej Adamczak
Schnitt
Katarzyna Rudnik
Produktion
Wytwórnia Filmów Dokumentalnych
Ton
Ryszard Krupa
Filmstill Flowers of Ukraine

Flowers of Ukraine

Kwiaty Ukrainy
Adelina Borets
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Polen,
Ukraine
2024
70 Minuten
Ukrainisch
Untertitel: 
Englisch
Umgeben von Hochhäusern, hat Natalia sich ihr gar nicht mal so kleines Paradies geschaffen: Ziegen laufen frei herum, Stauden und Obstbäume blühen, die Hühner legen fleißig Eier. Wiederholte Versuche, ihr die Fläche abzukaufen, werden von Natalia brüsk verlacht. Und auch, als im winterlichen Februar 2022 Stadt und Land von Russland angegriffen werden, bewahrt sie sich eine scheinbar sorglose Widerständigkeit: Während nachts ringsherum alle Lichter ausgehen, leuchtet Natalias Haus warm und behaglich. Lediglich Kitty, mit dem sie zusammenlebt, äußert Bedenken, kümmert sich um seine Flucht aus der Ukraine und zeigt prophylaktisch, wo es im Falle eines Bombenangriffs am sichersten wäre.
Adelina Borets’ Porträt einer Unbestechlichen findet seinen ganz eigenen Tonfall, zeigt einen einfachen Alltag über die Jahreszeiten hinweg, der sich trotz schlimmer werdender Lage selbstbestimmt und lebensfroh präsentiert. Borets nimmt Natalias Art dabei wie selbstverständlich auf, schenkt ihr Raum. Die Dimension des Krieges erschließt sich schrittweise, in Natalias eigenem Tempo, sowie durch geschickte Schnitte und Schwenks. „Flowers of Ukraine“ ist ein Film über eine Katastrophe. Aber er ist genauso ein Liebeslied an das Leben – und eingeweckte Tomaten.
Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Adelina Borets
Buch
Adelina Borets, Marta Molfar, Glib Lukianets
Kamera
Bohdan Rozumnyi, Bohdan Borysenko
Schnitt
Agata Cierniak, Mateusz Wojtynski, Ganna Iaroshevych
Produktion
Natalia Grzegorzek, Glib Lukianets
Co-Produktion
Jedrzej Sablinski, Rafal Golis
Ton
Denys Kashchei
Sound Design
Oleg Kulchytskyi, Volodymyr Dubas
Nominiert für: FIPRESCI Preis, Preis der Interreligiösen Jury, Filmpreis Leipziger Ring, Silberne Taube, MDR-Filmpreis
Filmstill Four Percent

Four Percent

Four Percent
Monika Masłoń
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Deutschland,
Polen,
Argentinien
2025
14 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Deutsch
Ist das nicht die unbegrenzte Freiheit, die radikalste Form der Selbstverwirklichung, als fliegendes Fabelwesen, als traurige Maus oder als Furry-Figur mit verlängerter, nackter Wirbelsäule als Schwanz in jeder erdenklichen Szenerie zu existieren? In ihrem Film bewegt sich Monika Masłoń als Avatar durch unterschiedlichste Räume und erforscht die Themen Berührung und Berührtwerden auf VR-Plattformen. Dort kann alles, wozu unsere Fantasie fähig ist, aus Pixeln erschaffen werden. Die Grenzen der eigenen Existenz lassen sich mit einem Klick ins Unendliche verschieben. Doch wie verhält es sich mit zwischenmenschlicher – oder avatarischer – Nähe? Lässt sich in dieser VR-Welt ein emotionales Signal wie das Händeschütteln trotz völliger Körperlosigkeit simulieren? Wenn ich sehe, wie mein Avatar berührt wird, kann mir dann mein Körpergedächtnis suggerieren, dass ich selbst dieses taktile Ereignis spüre, obwohl der andere physische Körper fehlt?
Mit feinem Humor erkundet Masłoń diese Fragen im Austausch mit anderen Avataren. Doch dann betreten wir einen VR-Raum, der sich intimer anfühlt: Sie nimmt uns mit auf ein persönliches Date. Wie unterscheidet sich die Unmöglichkeit der physischen Berührung in der eigenen Fernbeziehung von jener in der VR? Kann ein VR-Date mehr körperliche Präsenz schaffen und die Sehnsucht nach dem geliebten Menschen besser stillen als andere Kommunikationswege?
Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Monika Masłoń
Kamera
Monika Masłoń, Pablo Quarta
Schnitt
Monika Masłoń
Produktion
Monika Masłoń
Co-Produktion
Pablo Quarta, Peter Zorn
Sound Design
Alejandro Weyler
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis