Seit Jahren warten die Opfer des Sechstagekrieges in Kisangani vergeblich auf die zugesicherte Entschädigung. Ein Versehrtenmarsch nach Kinshasa soll ihrer Sache Gehör verschaffen.
Im Sommer 2000 lieferten sich ugandische und ruandische Truppen in Kisangani eine verheerende Schlacht. Der Internationale Gerichtshof verurteilte Uganda zur Zahlung von einer Milliarde US-Dollar an die zivilen Opfer. Nach fast zwanzig Jahren vergeblichen Wartens machen sich einige von ihnen auf den Weg nach Kinshasa, um ihrem Rechtsanspruch Nachdruck zu verleihen. Die physische, aber auch theatralische Kraft ihrer Mission treibt diesen Film an und um – und strahlt aus ihm heraus.
Dieudo Hamadi bereitet den Frauen und Männern, die er den Kongo hinab begleiten wird, eine bild- und selbstbewusste Exposition. Versammelt auf tiefschwarzer Bühne blicken sie uns an und singen: vom vergossenen Blut, vom vergessenen Geld. Dann setzt sich der Marsch der Versehrten in Gang, an Krücken, mit Prothesen, an den Totengruben in der Nachbarschaft vorbei und hinaus ins Land. Jeder überwundene Meter ein Aufbäumen. Als der Zug der Bettler, die sich diese Bezeichnung rechtmäßig verbitten, schließlich die Treppe zum Nationalparlament erklimmt, meint man ikonische Szenen des sowjetischen Revolutionskinos durchscheinen zu sehen. Doch die Masse, die sich hier bewegt, ist eine andere. In ihr stemmt sich der einzelne Körper mit all seinem Gewicht sowohl gegen das lässige Schulterzucken des politischen Tagesgeschäfts als auch die nachlässig gerundeten Verlust- und Gegenwertberechnungen der Kriegsarithmetik.
Sylvia Görke
Credits
Regie
Dieudo Hamadi
Kamera
Dieudo Hamadi
Schnitt
Hélène Ballis, Catherine Catella
Produktion
Quentin Laurent, Frédéric Féraud, Dieudo Hamadi
Co-Produktion
Aurelien Bodinaux
Ton
Sylvain Aketi, Dieudo Hamadi
Musik
Les Zombies de Kisangani
Filmvertrieb
Stephan Riguet
Ausgezeichnet mit:
Goldene Taube (Internationaler Wettbewerb),
Preis der Interreligiösen Jury
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