Der Frage nach den Grenzen zwischen analogem und digitalem Bild widmet sich dieser Film auf eindringliche, teils herausfordernde Weise. Es spiegeln sich ästhetische Elemente der Technokultur.
Grob-pixelige Linien platzen ins Sichtfeld. Sie scheinen miteinander zu kommunizieren, allerdings in einer seltsamen Sprache. Wenig später explodieren sie in einem grellen Farbsturm. Im Hintergrund schleichen sich altmodische Testbildstreifen herein. Erinnerungen an eine nicht allzu vergangene Ära kommen auf, als es überall noch analog zuging und das Pixel von seiner großen Zukunft nur träumen konnte.
Eine verliebte Frau wagt sich aus ihrem Kokon hinaus in die irdische Welt der „toten Sprache“. Zwei Universen treffen in rohen Zeichnungen, bunt schimmernden Steinen und übermalten Videobildern aufeinander.
Die Wahrheit versteckt sich hinter der Unschärfe, aber mit zunehmender Klarheit schwindet die Verlockung des Geheimen. Eine verliebte Frau wagt sich aus ihrem Kokon hinaus in die irdische Welt der „toten Sprache“. Zum rastlosen Musikmotiv von Marian Mentrup balanciert „Achill“ waghalsig auf der schmalen Grenze zweier Universen – mit rohen, intimen Zeichnungen, schimmernden Steinen und übermalten Videosequenzen.
Among the Palms the Bomb, Or: Looking for Reflections in the Toxic Field of Plenty
Lukas Marxt, Vanja Smiljanić
Der Salton Sea, einstiges Atombomben-Testgelände kurz vor dem ökologischen Kollaps. Die wenigen Menschen, die hier noch leben, setzen sich für den Schutz des verlassenen Areals ein.
Among the Palms the Bomb, Or: Looking for Reflections in the Toxic Field of Plenty
Among the Palms the Bomb, Or: Looking for Reflections in the Toxic Field of Plenty
Lukas Marxt, Vanja Smiljanić
Camera Lucida 2024
Dokumentarfilm
Österreich,
Deutschland
2024
86 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Dort, wo der Sandstrand des Saltonsees, des größten Gewässers Kaliforniens, stärker zu knirschen beginnt, besteht er schon gar nicht mehr aus Sand: Millionen toter Fische, Pflanzen und Insekten stauen sich am Ufer und bilden eine höchst toxische Substanz. So erklärt es Derek, Mitglied eines Cahuilla-Stammes, der sich im 19. Jahrhundert vor einem versuchten Genozid an den Saltonsee retten konnte und sich nun als Schutzmacht des einst florierenden, doch zunehmend verlassenen Areals und seiner Verstoßenen versteht. Derek ist einer der vielen Ortskundigen, an deren Fersen sich Lukas Marxt und Vanja Smiljanić mit großer Ruhe heften, um an ihrer Seite durch die desolaten Landschaften zu gleiten. Dabei lesen sie immer wieder Splitter atomarer Geschichte auf: Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebiet als Testgelände für die Bomben, die in Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Die Experimente setzten sich bis in den Kalten Krieg fort, noch heute trainiert dort das Militär. Seinen Start- und Schlusspunkt findet der Film zwei Bundesstaaten weiter entfernt: In Wendover, Utah, schickte man die atomaren Sprengkörper auf die Reise. Das örtliche Luftfahrtmuseum huldigt ihrer Entwicklung. Dort vollführt die Kamera einmal einen fast schwerelosen Tanz um ein Modell der Hiroshima-Bombe „Little Boy“ zu den Klängen des unverwüstlichen Weltkriegsklassikers „We’ll Meet Again“.
In Greenland sind alle Wesen grün außer Bluekid. Über eine teilanimierte Bastelwelt reflektiert Mwita Mataro mit Kindern und Expert*innen Rassismuserfahrungen in Österreich.
Mit Anfang zwanzig setzte sich Mwita Mataro drei große Ziele: Rockstar werden, einen Film drehen und danach eine Kunstschule in Tansania gründen. Das mit dem Rockstar hat er schon geschafft – er ist Frontmann einer Band. Und mit diesem Film gibt er nun sein Regiedebüt. Viele Themen wären dafür infrage gekommen, etwas Schönes wie Freundschaft zum Beispiel. Aber eine Sache treibt ihn dringlicher um, als seine weißen Filmkolleg*innen, nämlich die eigene Hautfarbe. Was also bedeutet es, als Salzburger mit tansanischen Wurzeln, als Schwarze Person of Colour im mehrheitlich weißen Österreich aufzuwachsen? Um dies zu ergründen, erschafft er gemeinsam mit jungen BPoC die animierte Fantasiewelt Greenland: ein Ort, an dem alle Kartoffelwesen grün sind, nur Bluekid und seine blaue Familie nicht. Um nicht aufzufallen, malen sie sich grün an. Da das nicht immer so richtig funktioniert, erlebt Bluekid Zurückweisungen und Ausgrenzung. In seinem dokumentarischen Essay reflektiert Mataro eine Lebenswirklichkeit nach Farben: Rassismus, Fremdzuschreibungen, Anderssein, Blues-Erfahrungen in Greenland. Er hört Kindern und Erwachsenen zu, lässt das Publikum an Gesprächen mit Pädagog*innen, Psycholog*innen und Politiker*innen teilhaben und öffnet sich selbst vor der heimischen Kamera. Und mit „Austroschwarz“ kommt Mwita Mataro auch seinem dritten Ziel wieder einen Schritt näher.
Tina Jany
Credits
Regie
Mwita Mataro, Helmut Karner
Buch
Mwita Mataro, Helmut Karner
Kamera
Jasmin Schwendinger
Schnitt
Christin Veith
Produktion
Stephan Herzog, Andrea Elaiza Arnold
Ton
Cristi Iorga
Sound Design
Eli Frauscher
Musik
Nicola Mpunga
Animation
Vladimir Savić
Nominiert für:
Gedanken-Aufschluss-Preis,
Young Eyes Film Award,
Filmpreis Leipziger Ring
Mies van der Rohe, Architekt der Transparenz: Hier rotieren seine Bauelemente, vermehren und überlagern sich, bis die schwindelerregende Verdichtung den umbauten Raum verdrängt.
Mies van der Rohe revolutionierte die Architektur mit seiner radikal reduzierten Formensprache der klaren Linien und Transparenz. Claudia Larcher collagiert seine Bauelemente – Rahmen, Säulen, Geländer –, lässt sie um ihre eigene vertikale Achse rotieren, vermehrt und überlagert sie, bis eine schwindelerregende Verdichtung eintritt, die den umbauten Raum und damit die Transparenz verdrängt.
Eine reale tropische Ferienanlage als Bühne, auf der Personal und Gäste ihre Rollen in lebenden Bildern vorstellen. Sie verbergen ihre Gesichter hinter geschnitzten Emoji-Masken.
Eine reale tropische Ferienanlage wird zur Bühne, auf der Personal und Gäste ihre Rollen in lebenden Bildern vorstellen. Sie verbergen ihre Gesichter hinter geschnitzten Emoji-Masken, die in der digitalen Welt Emotionen ausdrücken und Bewertungen dienen. Es entsteht eine oberflächliche und zugleich subversive Halbwirklichkeit aus sprachlichen, sozialen und kulturellen (Miss-)Verständigungsebenen.
Eine Schule in Berlin, an der es Fächer wie Gartenbau und Tierpflege gib. – Der Film porträtiert eine Gruppe junger Menschen an der Schule zwischen Unterricht, Kindheit und Erwachsensein.
Kann Schule spannend sein und sogar Spaß machen? Die integrative berufsvorbereitende August-Sander-Schule in Berlin Friedrichshain scheint dafür auf jeden Fall bestens geeignet. In der Ferne hört man den Autolärm der Großstadt, auf dem üppig begrünten Gelände zwitschern die Vögel. Hier gibt es unter anderem Unterricht in den Fächern Gartenbau, Landwirtschaft und Tierpflege. Und wenn man den Schüler*innen dabei zuschaut, wie sie Beete jäten und Kaninchen füttern, dann wirkt das auf den ersten Blick sehr beneidenswert. Aber natürlich gibt es auch an diesem paradiesischen Ort Konflikte, nervige Lehrer*innen und die bange Frage: Was kommt nach dem Abschluss? Über ein Schuljahr begleitet der Dokumentarfilm eine Gruppe von Schüler*innen mit unterschiedlichen Lernschwierigkeiten und anderen Beeinträchtigungen in ihrem Unterrichtsalltag. Er stellt Jugendliche in den Mittelpunkt, die auf dem Weg von der Ausbildung zum Beruf, von der Kindheit zum Erwachsensein sind und darum kämpfen, im engen Regelsystem Schule und in der Gesellschaft ihren Platz zu finden.
Ein Wohnmobil im Vorgarten ist Erwins Refugium. Hier trinkt er seinen Kaffee und schreibt Bewerbungen, hier stillt er sein Verlangen nach Männern. Jan Soldat kommt zu Besuch.
Als „schon alt, aber geil“ stellt sich der 58-jährige Erwin vor. Er hat ein Wohnmobil in seinem Vorgarten zum bevorzugten Refugium erklärt. Hier gibt es für ihn alles, was er braucht: einen Computer, ein Bett, eine Kaffeemaschine. Zwei Webcams vernetzen Erwin mit anderen Männern, die sein fleischliches Verlangen stillen. Auf winziger Fläche kommt Jan Soldat ihm nah, natürlich. Er erfährt von Lieben, so groß wie erloschen, von einem komplizierten Familiengeflecht und Zukunftssorgen.
Der Sohn des Filmemachers ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Vater beendet dessen Arbeit an einem Daumenkino. Die Nähe von Glück und Verlust in knappster Form.
Ein ganz kurzer Film, unendlich traurig, zugleich verschmitzt und verspielt. Die erschütternde Nachricht teilt uns der Vorspann mit: Der Sohn des Filmemachers ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und hinterließ ein angefangenes Daumenkino. Der Vater nimmt die Arbeit daran wieder auf und zeichnet die Superheldengeschichte weiter, um damit einen Trickfilm zwischen tiefer Trauer und unbeschwerter Kinderlogik zu schaffen. In knappster Form wird hier die Nähe von Glück und Verlust eingefangen.
Die Sehnsucht, dass endlich etwas passieren möge, erfüllt sich mit einem Kuss. Nicht mit einem der romantischen Art, sondern mit einem ungeheuerlichen, von dem alle Welt sprechen wird.
Die Sehnsucht, dass endlich etwas passieren möge, erfüllt sich mit einem Kuss. Jedoch nicht mit einem der romantischen Art, sondern mit einem ungeheuerlichen, einem Kuss, von dem alle Welt sprechen wird. So stapft Dodi wachsam durch den Alltag und die Partys, umwölkt von den Stimmen anderer. Ihren selbstbewussten Weg zeichnet „EXOMOON“ nach: kaleidoskopisch, mit gestalterischen Brüchen.
59 Charaktere, quer aus aller Welt und dem Geschlechterspektrum, in verträumten und surrealen Landschaften. Eine inklusive Darstellung in einer virtuellen Welt, wie sie auch sein könnte.
Willkommen im Glitchbodies-Versum, einem virtuellen Raum, in dem man über sein Image selbst bestimmt. Das Spiel bietet den Teilnehmer*innen verschiedene Umgebungen an, in denen sie auf 59 Protagonist*innen aus der ganzen Welt treffen. Mit seinem inklusiven und kollaborativen Charakter steht „Glitchbodies“ in entschiedenem Widerspruch zu den heteronormativen Machtballungen des Internetzeitalters, und das in einem unverwechselbaren Stil.
Auf der Fassade des Pariser Kulturrestaurants EP7 lädt eine animierte Architekturcollage zu einem irritierenden Vexierspiel aus Fluchten, Winkeln und Geometrien im Cityalltag ein.
Die Fassade des Pariser Kulturrestaurants EP7 bildet die Präsentationfläche für eine animierte Architekturcollage. Versetzt rotieren Außenansichten von Gebäuden. Das Vexierspiel aus Fluchten, Winkeln und Geometrien wirkt irritierend. Die Raumtiefen locken den Blick in das vermeintliche Körperinnere hinter der Fassadenhaut, die aber gleichzeitig Spiegel für eine Stadtarchitektur der Rastlosigkeit ist.
Ein Eigenheim, mitten am Tag, nur die elektrischen Geräte surren. Der Kamerablick gleitet durch die Räume, die der Schnitt auseinanderfaltet, und erfasst Unheimliches, Merkwürdiges.
Ein Eigenheim, mitten am Tag, nur die elektrischen Geräte surren. Der Kamerablick gleitet durch die Räume und Etagen, die der Schnitt auseinanderfaltet und schwellenlos aneinanderlegt. Kleine Merkwürdigkeiten wuchern in dem bürgerlichen Habitat: ein unbeantwortetes Türklingeln, eine offene, Licht aussendende Kühltruhe. Die Normalität flüstert, möglicherweise unbeabsichtigt, etwas Unheimliches.
Heises letzter Film befasst sich mit dem Archiv seiner Familie und holt Widersprüche von über 100 Jahren deutscher Geschichte ins Sichtfeld. Eine monumentale Anordnung von Bruchstücken.
Thomas Heises letzter Film setzt sich mit dem Archiv seiner Familie auseinander, initiiert durch den Tod der Mutter und des Bruders. Suggestiv kommentiert, in gegenwärtige Bilder eingesetzt, eignet er sich den Heimat-Begriff an, indem er die Widersprüche von über hundert Jahren deutscher Geschichte ins Sichtfeld holt. In einem Schlager von Marika Rökk wird auch das Gegenprogramm formuliert: „Schau nicht hin, schau nicht her, schau nur geradeaus.“ Heises monumentale Anordnung von Bruchstücken ist offen und insistierend zugleich, verwüstet und lebenshungrig, niemals geradeaus. Geschichtsschreibung und Selbstbeobachtung, nirgendwo ganz dazugehörend: eine Berührung im dunklen Kino, ein Riss durch die Autobahn, Listen, Lebensläufe, Après-Ski. Zusehen, was (damit) geschieht.
Jan Künemund
Credits
Regie
Thomas Heise
Buch
Thomas Heise
Kamera
Stefan Neuberger, Börres Weiffenbach, Peter Badel
Schnitt
Chris Wright
Produktion
Heino Deckert, Johannes Rosenberger, Constantin Wulff, Johannes Holzhausen
Mit kindlicher Stimme und skizzenhaften Bildern spürt hier jemand der eigenen Angst nach. Es gibt sichere Indizien wie eine Schaufel und ein schwarzes Ding, das wie eine Spinne die Seele packt.
„Ich kenne dich“ ist leichter gesagt als „ich kenne mich“. Mit kindlicher Stimme und skizzenhaften Bildern spürt hier jemand der eigenen Angst nach. Es gibt sichere Indizien wie die Schaufel, mit der sich eine junge Frau ein tiefes Loch gräbt. Und es gibt das schwarze Ding, das wie eine Spinne ihre Seele packt. Ein vorsichtiges und neugieriges Sich-Näherkommen in mal konkreten, mal abstrakten Tuschezeichnungen.
Design als politischer Akt? In dieser animierten Collage erkundet eine Werbegrafikerin von heute das kompromisslose Wirken des Fotomontage-Pioniers und Antifaschisten John Heartfield.
Während eines Ausstellungsbesuchs ziehen die Fotocollagen des als „Monteurdada“ berühmt gewordenen Antifaschisten John Heartfield eine Grafikdesignerin in den Bann. Durch einen Strudel aus Papier- und Fotoschnipseln fällt Stefanie in ein altmodisch anmutendes Atelier. Eine Schere – ein analoges Arbeitsgerät, welches sie selbst kaum noch nutzt – erregt ihre Aufmerksamkeit. Sie beginnt, aus Karton eine Figur auszuschneiden, eine Miniaturversion des Künstlers, die alsbald zu ihr spricht und mit ihr gemeinsam sein Leben und Werk erkundet. Das Atelier entpuppt sich als lebendiges Archiv, das fortwährend Dokumente und Informationen zu und über Johnny hervorbringt. Stefanie, von ihrem Job gestresst und enttäuscht, findet durch die Recherche neue Motivation und den Mut, sich als Gestalterin anders auszurichten.
Beide Protagonist*innen üben den gleichen Beruf aus und sehen sich mit den gleichen Fragen nach Bedeutung und Anerkennung ihrer Arbeit konfrontiert. Beide kämpfen auf ihre Weise mit Frustrationen und Ängsten, ausgelöst durch die verschiedenen sozialen und politischen Gegebenheiten ihrer Generation. Die unterschiedlichen Elemente dieses animierten Dokumentarfilms fügen sich zu einer dialogischen Collage, die die Aufgabe der Kunst, ihre aufklärerische und kritische Kraft sowie ihr Potenzial zum Anstoß von Veränderung in unserer Gesellschaft durchdenken.
Franka Sachse
Credits
Regie
Katrin Rothe
Buch
Katrin Rothe
Kamera
Thomas Eirich-Schneider, Richard Marx, Manon Pichón
Schnitt
Hannes Starz
Produktion
Gunter Hanfgarn, Andrea Ufer, Ralph Wieser, Sereina Gabathuler, Werner Schweizer