Filmarchiv

Filmstill Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tibériade
Lina Soualem
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
Frankreich,
Palästina,
Belgien,
Katar
2023
82 Minuten
Französisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Die in Frankreich lebende Schauspielerin Hiam Abbass ist einer der größten Filmstars aus dem Nahen Osten. Sie übernahm Hauptrollen in den prämierten Filmen des israelischen Regisseurs Eran Riklis, spielte in Steven Spielbergs „München“ und kürzlich im US-Serienhit „Succession“. Sie saß in der Jury der großen Festivals in Cannes und Berlin, stellte ihr eigenes Regiedebüt in Venedig vor. Sie ist aber auch: Mutter, Tochter und Schwester in einer großen palästinensischen Familie voller tatkräftiger Frauen. In dieser realen Rolle tritt sie im Werk ihrer Tochter Lina Soualem vor die Kamera und reist zurück in ihren Heimatort Deir Hanna im Norden von Israel – ein arabisches Dorf im jüdischen Staat.

„Öffne nicht das Tor zu vergangenen Sorgen“, zitiert die Regisseurin eine Art Dogma ihrer Verwandten. Es bezieht sich unter anderem auf die traumatische Vertreibung der Familie aus Tiberias, der Stadt am See Genezareth, im Palästinakrieg von 1948. Doch Soualem öffnet mit ihrer Konfrontation der familiären Geschichte auch Tore zu vergangenen Freuden und vermeintlich abgelegten Identitäten. Zwischen Home-Videos, historischen Archivaufnahmen, Fotos und Briefen zeigt Abbass eine berührende und nahbare Leinwandpräsenz in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Der lange Schatten der eigenen Herkunft fällt auch auf eine Frau von Welt.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Lina Soualem
Buch
Lina Soualem, Nadine Naous, Gladys Joujou
Kamera
Frida Marzouk
Schnitt
Gladys Joujou
Produktion
Jean-Marie Nizan
Co-Produktion
Guillaume Malandrin, Ossama Bawardi
Ton
Ludovic Escallier, Lina Soualem
Sound Design
Julie Tribout, Benoit Biral, Rémi Durel
Musik
Amine Bouhafa
Filmvertrieb
Anna Berthollet
Redaktion
Rasha Salti
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Ceuta’s Gate

Bab Septa
Randa Maroufi
Animation Perspectives 2021
Dokumentarfilm
Frankreich,
Marokko
2019
19 Minuten
Spanisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
In Randa Maroufis performativer Rekonstruktion wirkt zunächst alles aufgeräumt. Fein sortiert stehen Autos Schlange, schnüren Händlerinnen ihr Gepäck. Vor dem eintönig-grauen Hintergrund wirken die Szenen schematisch wie ein Anleitungsplan, auf dem sich plötzlich alles grafisch verdichtet. Alltag an der Grenze zwischen der spanischen Exklave Ceuta und Marokko, über die illegal Waren wandern.
André Eckardt

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Regie
Randa Maroufi
Buch
Randa Maroufi
Kamera
Luca Coassin
Schnitt
Randa Maroufi, Ismael Joffroy Chandoutis
Produktion
Saïd Hamich
Ton
Mohamed Bounouar, Léonore Mercier
Hommage: Dominique Cabrera 2024

Chronicle of an Ordinary Suburb

Dominique Cabrera
Eine Erzählung über den Abriss von Wohntürmen in einem Pariser Vorort, über die schönen Erinnerungen der früheren Bewohner*innen und über den unaufhaltsamen Verfall einer Utopie mit Fehlern.
Filmstill Chronicle of an Ordinary Suburb
Filmstill Chronicle of an Ordinary Suburb

Chronicle of an Ordinary Suburb

Chronique d’une banlieue ordinaire
Dominique Cabrera
Hommage: Dominique Cabrera 2024
Dokumentarfilm
Frankreich
1992
56 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Im September 1992 werden vier Wohntürme in der Stadt Mantes-la-Jolie unweit von Paris gesprengt. Sie gehören zu dem Viertel Val Fourré, das in den 1960er Jahren als Vorzeigeprojekt des sozialen Wohnungsbaus gefeiert wurde, wie Archivaufnahmen zu Beginn des Films in Erinnerung rufen. Doch der Filmemacherin Dominique Cabrera, die selbst in einem ähnlichen Wohnprojekt aufgewachsen ist, geht es nicht um stadtplanerische und architektonische Verfehlungen. Sie interessiert sich stattdessen für das Gedächtnis der Bewohner*innen: Erinnerungen an ein Zusammenleben von Armen und Wohlhabenden, an den schleichenden, aber anhaltenden Verfall, zuvorderst an die schönen Dinge, die ein Leben ausmachen, die Vielfalt, die Emotionen, das private Glück.
Christoph Terhechte

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Regie
Dominique Cabrera
Buch
Edmée Doroszlaï
Schnitt
Dominique Greussay, Estelle Altman
Produktion
Viviane Akili
Ton
Xavier Griette, Raoul Frühauf
Musik
Jean-Jacques Birgé
Internationaler Wettbewerb 2022

Ciné-Guerrillas: Scenes from the Labudović Reels

Mila Turajlić
Der jugoslawische Kameramann Stevan Labudović reiste 1959 nach Algerien. Seine Aufnahmen leisteten wertvolle Hilfestellung zur Unabhängigkeit von der französischen Kolonialmacht.
Filmstill Ciné-Guerillas: Scenes from the Labudović Reels
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Ciné-Guerrillas: Scenes from the Labudović Reels

Ciné-Guerrillas: Scenes from the Labudović Reels
Mila Turajlić
Internationaler Wettbewerb 2022
Dokumentarfilm
Serbien,
Frankreich
2022
94 Minuten
Serbisch,
Französisch,
Arabisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Was haben der algerische Befreiungskampf und Jugoslawien gemeinsam? Stevan Labudović. 1959 entsandte Tito höchstpersönlich seinen Lieblingskameramann nach Algerien. Der Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft brauchte die Augen der Welt, und der erfahrene Partisan Labudović half, sie zu öffnen: Seine Bilder straften die Propaganda der Besatzer und ihrer westlichen Alliierten Lügen. Dies ist ein Porträt von Mann, Mission und Zeit – als Film-, Ideologie- und persönliche Geschichte.
Drei Jahre lang, bis zur Ausrufung der Demokratischen Republik Algerien, stellte Labudović sich und seine Kamera in den Dienst des für die Unabhängigkeit streitenden Volkes. Mila Turajlić fand die damals entstandenen Wochenschauaufnahmen im Archiv von Filmske novosti in Belgrad, sie nahm Kontakt zu dem hochbetagten Pensionär auf, und sie folgte seiner Spur. Aus reichhaltigem Archivmaterial, Tagebucheinträgen von und Interviews mit Labudović, mit Zeitzeugen aus Jugoslawien, Algerien und New York, wo der junge Maghrebstaat wie zahlreiche andere frühere Kolonien um Aufnahme in die Vereinten Nationen rang, destilliert sie die verheißungsvollen Ursprünge einer Allianz, die am Anfang der Blockfreien-Bewegung stand, welche sich gegen die Dichotomie der Supermächte stellen sollte. So enthält die Verbeugung vor ihrem Landsmann Labudović zugleich weltpolitische Aktualität.
Christoph Terhechte

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Regie
Mila Turajlić
Kamera
Mila Turajlić
Schnitt
Sylvie Gadmer, Anne Renardet, Mila Turajlić
Produktion
Carine Chichkowsky, Mila Turajlić
Ton
Aleksandar Protić
Musik
Troy Herion
Nominiert für: MDR-Filmpreis, Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis
Publikumswettbewerb 2025

Coexistence, My Ass!

Amber Fares
Noam Shuster-Eliassi wuchs in einem jüdisch-arabischen Friedensprojekt in Israel auf, arbeitete für die UN und macht Stand-Up-Comedy zum Nahostkonflikt auf Englisch, Hebräisch und Arabisch.  
Filmstill Coexistence, My Ass!
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Coexistence, My Ass!

Coexistence, My Ass!
Amber Fares
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA,
Frankreich
2025
93 Minuten
Englisch,
Hebräisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Im Namen ihres Dorfes ist eine Utopie formuliert, die Noam Shuster Eliassi von Kindheit an geprägt hat: Newe Shalom (hebräisch) oder Wahat al-Salām (arabisch) bedeutet in etwa „Oase des Friedens“. Die kleine Community von etwa 300 Menschen aus jüdischen und arabischen Familien wurde 1969 gegründet, liegt in Israel an der Grenze zum Westjordanland und erprobt gelebte Solidarität. So werden die Jüdin Noam und ihre palästinensische Freundin Ranin schon als Kinder zu Botschafterinnen der Verständigung, etwa wenn Hillary Clinton oder Jane Fonda zu Besuch kommen. Eine Karriere bei den Vereinten Nationen scheint vorgezeichnet.
In ihrer Comedyshow „Coexistence, My Ass!“, die Regisseurin Amber Fares als Leitmotiv nutzt, schlägt Shuster Eliassi hingegen schärfere Töne an. Mit ihrem beruflichen Wechsel von der Diplomatie zur politischen Komik – je nach Publikum auf Englisch, Hebräisch oder Arabisch – zeigt der Film sie als Kritikerin der Netanjahu-Regierung, vor und nach dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023. So spiegelt sich an ihrem Beispiel auch die Zerrissenheit in Teilen der israelischen Linken: Auf den tiefen Schmerz, selbst geliebte Menschen verloren zu haben, folgt bei Shuster Eliassi die Wut über den Gaza-Krieg. Was kann, was darf Humor in dieser Lage? Vielleicht dazu beitragen, über das Leid zweier Völker trauern zu können und die Utopie des Friedens, trotz allem, nicht aufzugeben.
Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Amber Fares
Kamera
Amber Fares, Philippe Bellaiche, Amit Chachamov
Schnitt
Rabab Haj Yahya
Produktion
Amber Fares, Rachel Leah Jones, Valérie Montmartin
Ton
Rachel Leah Jones, Ibrahim Zaher, Sharon Luzon
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
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Considering the Ends

Nous la mangerons, c’est la moindre des choses
Elsa Maury
Internationaler Wettbewerb 2020
Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2020
67 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
In den Cevennen, dem südöstlichen Teil des französischen Zentralmassivs, kreisen die Aasgeier. Sie zählen zum ganzheitlichen Zyklus des Werdens und Vergehens, dem sich Schäferin Nathalie mehr und mehr anzunähern sucht. Denn die Geier nagen an den Überresten ihrer geliebten Tiere. Sie sieht sich nicht nur für ihr Leben verantwortlich, sondern auch für ihren Tod. Elsa Maurys Film ist ein unmissverständliches Zeugnis darüber, was es bedeutet, das fatale Messer selbst zu führen.
Die Laute, welche das Schaf bei der Geburt seines Lamms ausstößt, muten beinahe menschlich an. Und als sich das Neugeborene wenig später als des Lebens unwillig erweist, meint man in den Augen der Mutter einen Schmerz auszumachen. Der empathische Blick von Schäferin Nathalie auf ihre Herde hat sich unmittelbar auf die Zusehenden übertragen. Ein jedes Tier besitzt hier seinen eigenen Namen, ein jedes hat eine Biografie, die Nathalie auswendig weiß. Und sie ist es auch, die final entscheidet, wann das Ende eines Schafes naht. In tagebuchartigen Sequenzen erfährt man von ihren Gefühlen, nimmt Anteil an einem schwierigen Entwicklungsprozess, an dessen Schluss ein neues Selbstbewusstsein, vielleicht auch eine neue Weisheit steht. Elsa Maury zeigt eine mehrjährige Schule des Tötens und des Todes. Sie belässt das Geschehen unkommentiert, aber erreicht in Bildern und Montage eine Intensität, die lange begleitet.
Carolin Weidner

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Regie
Elsa Maury
Kamera
Christian Tessier, Martin Flament, Elsa Maury
Schnitt
Geoffroy Cernaix, Pauline Piris-Nury
Produktion
Cyril Bibas
Co-Produktion
Luc Reder, Olivier Burlet, Javier Packer-Comyn
Ton
Marc Siffert, Loïc Villiot, Galaad Germa, Willy Boutet, Elsa Maury
Filmvertrieb
Philippe Cotte
Sprecher*in
Nathalie Savalois
Nominiert für: Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis
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Conversations with Siro

Conversations avec Siro
Dima El-Horr
Internationaler Wettbewerb 2021
Dokumentarfilm
Libanon,
Frankreich
2021
52 Minuten
Arabisch,
Französisch
Untertitel: 
Französisch, Englisch
Vor Jahren hat sich die libanesische Filmemacherin Dima El-Horr in Paris niedergelassen. Zu den in der Heimat gebliebenen Freunden zählt die Künstlerin Sirvat Fazlian, die sie regelmäßig in Beirut besucht, bis die gescheiterte Revolution von 2019, der Corona-Lockdown, die verheerende Explosion im Hafen und schließlich die dramatische ökonomische Krise ihren Treffen ein vorläufiges Ende setzen. So beschließt die Regisseurin, ihren Konversationen mit Siro eine filmische Form zu geben.
Seit dem Tod ihres Ehemanns, des bekannten armenischen Schauspielers Berj Fazlian, lebt Siro allein in ihrer mit Erinnerungsstücken angefüllten Wohnung und widmet sich vorwiegend der Musik und der Malerei. Filmaufnahmen aus den Jahren vor 2019 verbinden sich im Film mit aufgezeichneten Telefonaten zwischen Siro und Dima und aktuellen Szenen aus Paris. Auf diese Weise entsteht ein dicht gewobenes Porträt des Lebens im Exil. Während Schnee fällt in Paris, berichtet Siro von warmen Tagen an der Mittelmeerküste und singt armenische Lieder. Sie schimpft auf die Dauerkrise im Libanon, doch ihrer Natur kann das nichts anhaben. Zum einen personifiziert Siro die legendäre libanesische Resilienz. Zum anderen repräsentiert sie für die Filmemacherin jenen Teil des Herzens, den Menschen im Exil zu Hause lassen. So wird „Conversations with Siro“ fast zwangsläufig auch zum Dialog der Regisseurin mit sich selbst.
Christoph Terhechte

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Regie
Dima El-Horr
Kamera
Dima El-Horr
Schnitt
Catherine Zins
Produktion
Paul Rognoni, Sabine Sidawi
Ton
Jean-Pierre Dussardier
Nominiert für: FIPRESCI Preis, Preis der Interreligiösen Jury
Animation und Musique Concrète 2021

Court-circuit n° 180 – Interview with Michèle Bokanowski

Lorenzo Recio
Seit 1972 prägt Michèle Bokanowski mit ihren Klängen die Filmbilder von Patrick Bokanowski. Zwischen Tonbandschleifen erzählt sie über die Arbeit mit oft musikfernem Material.
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Court-circuit n° 180 – Interview with Michèle Bokanowski

Court-circuit n° 180 – Interview de Michèle Bokanowski
Lorenzo Recio
Animation und Musique Concrète 2021
Dokumentarfilm
Frankreich
2004
10 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Michèle Bokanowski prägt mit ihren Klängen seit 1972 die Filmbilder von Patrick Bokanowski. Der Ursprung ihrer Soundtracks liegt oft in musikfernen Geräuschen. So beschreibt sie mit dem Klacken aufeinanderstoßender Billardkugeln Menschen, die in weiter Ferne auf dem Feld arbeiten. Zwischen Tonbandschleifen und elektronischen Geräten erzählt die Komponistin über ihr Handwerk am tönenden Material.
André Eckardt

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Regie
Lorenzo Recio
Produktion
ARTE France, MK2TV
Filmstill Death Does Not Exist

Death Does Not Exist

La mort n’existe pas
Félix Dufour-Laperrière
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Kanada,
Frankreich
2025
72 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Als Marc seiner Freundin Hélène gesteht, dass er sie liebt, antwortet sie nur: „Später!“ Der Zeitpunkt für sein Geständnis könnte ungünstiger nicht sein, hinter Hélènes Erwiderung steckt eine viel größere Dimension. Die beiden gehören zu einer Gruppe von Aktivist*innen, die im Wald gerade ihre Smartphones verbrannt und sich den letzten wichtigen Fragen gestellt haben. Fragen nach Angst, Macht, Mut, Loyalität und nach Zweifeln. Im Anschluss überfallen sie – stellvertretend für die Schuldigen am Dilemma dieser Welt, wie sie meinen – ein reiches und einflussreiches Rentnerpaar in dessen Nobelanwesen. Die bewaffnete Attacke endet in einem Blutbad. Hélène aber wird mitten im Schusswechsel von einer seltsamen Erstarrung heimgesucht und gerät bald danach in den surrealistischen Strudel einer fatalen zweiten Chance.
Der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Félix Dufour-Laperrière sagt, er schreibe „mit Farben im Kopf, Metamorphosen, traumhaften Sequenzen und mentalen Bildern, die sich auf der Leinwand materialisieren“. Aus handgezeichneten Vorlagen entstand eine vor allem symbolwuchtige 2D-Animation fließender Figuren und Silhouetten, die sich weder offensiv formulierten Botschaften noch der überbordenden Magie des Formats verweigert.
Andreas Körner

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Regie
Félix Dufour-Laperrière
Produktion
Nicolas Dufour-Laperrière
Animation
Félix Dufour-Laperrière
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Deep in Time’s Crevasse

Au fond de la crevasse des temps
Romulus Balazs
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2020
Dokumentarfilm
Frankreich
2020
29 Minuten
Französisch,
Rumänisch
Untertitel: 
Englisch
Wie können wir Vergangenheit vergegenwärtigen, ohne sie dabei zu sehr als historische Gegebenheit wahrzunehmen? Durch eine kluge Kombination von Archivmaterial und Oral History werden Erinnerungen an ein transgeneratives Trauma und den damit verbundenen Schmerz an die Oberfläche gebracht. Das scheinbar Vergangene wird in seinen unzähligen Berührungspunkten mit der Gegenwart sichtbar. Ein schlichter und ergreifender Film, der die unfassbare Tragweite eines historischen Verbrechens erahnen lässt.
Luc-Carolin Ziemann

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Regie
Romulus Balazs
Produktion
Romulus Balazs
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Die Odyssee

Die Odyssee
Florence Miailhe
Wettbewerb um den Publikumspreis 2021
Animationsfilm
Tschechische Republik,
Frankreich,
Deutschland
2020
84 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Ein Land, das irgendwo sein könnte, nicht näher verortet und doch überall. Es ist ein schöner Sommertag, als sich das Leben der Geschwister Kyona und Adriel für immer verändert. Ihr Dorf wird überfallen, verwüstet und in Brand gesteckt. Die ganze Familie muss fliehen und erlebt auf dem Weg über einen ganzen Kontinent viele reale und surreale Situationen, um vielleicht endlich an einem friedlicheren Ort anzukommen.

Zu Beginn des Films blättert Kyona in ihrem Skizzenblock, zieht das Resümee ihres Lebens und erzählt vom Ende ihrer Kindheit. Erst spät begreifen die Geschwister überhaupt, dass sie Flüchtlinge sind, dass sie sich wie viele andere aus den verschiedensten Gründen auf zur Grenze machen: Naturkatastrophen, Folgen des Klimawandels, Krieg, Verfolgung. Die beiden Kinder geraten an gefährliche und hilfsbereite Menschen, werden voneinander getrennt und finden sich wieder. Der abendfüllende Animationsfilm, umgesetzt in Öl auf Glas, lebt vom rasanten Wechselspiel zwischen Fantasie und Realität. Er entführt, einerseits, in eine fiktive, nichtreale Welt. Doch Orte, Namen, Situationen erinnern andererseits an Bekanntes. Sie zeigen die Flucht, das Exil, das Sich-auf-den-Weg-Machen als universelle Erfahrung.
Lina Dinkla

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Regie
Florence Miailhe
Buch
Florence Miailhe, Marie Desplechin
Schnitt
Nassim Gordji Tehrani, Julie Dupré
Produktion
Dora Benoussilio
Co-Produktion
Luc Camilli, Ralf Kukula, Martin Vandas, Alena Vandasoá
Ton
Florian Marquardt
Musik
Andreas Moisa, Philipp Kümpel
Animation
Marta Szymańska, Zuzana Studená, Anna Paděrová, Eva Skurská, Polina Kazak, Lucie Sunková, Urte Zintler, Paola de Sousa, Ewa Łuczków, Anita Brüvere, Aurore Peuffier, David Martin, Marie Juin, Valentine Delqueux, Aline Helmcke
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis
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Downstream to Kinshasa

En route pour le milliard
Dieudo Hamadi
Internationaler Wettbewerb 2020
Dokumentarfilm
Belgien,
DR Kongo,
Frankreich
2020
90 Minuten
Lingála,
Suaheli
Untertitel: 
Englisch

Im Sommer 2000 lieferten sich ugandische und ruandische Truppen in Kisangani eine verheerende Schlacht. Der Internationale Gerichtshof verurteilte Uganda zur Zahlung von einer Milliarde US-Dollar an die zivilen Opfer. Nach fast zwanzig Jahren vergeblichen Wartens machen sich einige von ihnen auf den Weg nach Kinshasa, um ihrem Rechtsanspruch Nachdruck zu verleihen. Die physische, aber auch theatralische Kraft ihrer Mission treibt diesen Film an und um – und strahlt aus ihm heraus.

Dieudo Hamadi bereitet den Frauen und Männern, die er den Kongo hinab begleiten wird, eine bild- und selbstbewusste Exposition. Versammelt auf tiefschwarzer Bühne blicken sie uns an und singen: vom vergossenen Blut, vom vergessenen Geld. Dann setzt sich der Marsch der Versehrten in Gang, an Krücken, mit Prothesen, an den Totengruben in der Nachbarschaft vorbei und hinaus ins Land. Jeder überwundene Meter ein Aufbäumen. Als der Zug der Bettler, die sich diese Bezeichnung rechtmäßig verbitten, schließlich die Treppe zum Nationalparlament erklimmt, meint man ikonische Szenen des sowjetischen Revolutionskinos durchscheinen zu sehen. Doch die Masse, die sich hier bewegt, ist eine andere. In ihr stemmt sich der einzelne Körper mit all seinem Gewicht sowohl gegen das lässige Schulterzucken des politischen Tagesgeschäfts als auch die nachlässig gerundeten Verlust- und Gegenwertberechnungen der Kriegsarithmetik.
Sylvia Görke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Dieudo Hamadi
Kamera
Dieudo Hamadi
Schnitt
Hélène Ballis, Catherine Catella
Produktion
Quentin Laurent, Frédéric Féraud, Dieudo Hamadi
Co-Produktion
Aurelien Bodinaux
Ton
Sylvain Aketi, Dieudo Hamadi
Musik
Les Zombies de Kisangani
Filmvertrieb
Stephan Riguet
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Internationaler Wettbewerb), Preis der Interreligiösen Jury
Publikumswettbewerb 2024

Elementary

Claire Simon
Eine Grundschule am Stadtrand von Paris. Mit Beharrlichkeit und Hingabe werden die Kinder dazu ermutigt, verantwortungsbewusst und empathisch zu sein. Gelungene Pädagogik auf Augenhöhe.
Filmstill Elementary
Filmstill Elementary

Elementary

Apprendre
Claire Simon
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Frankreich
2024
105 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Im Fokus von Claire Simons filmischer Beobachtung steht die Institution Schule. Doch anstatt Zielsetzung und Funktionsweise des Bildungsortes systematisch zu analysieren, liegt das Augenmerk auf den alltäglichen Begegnungen von Kindern und Lehrer*innen. Wie werden Auseinandersetzungen gelöst? Wie vermittelt man Rücksicht, Nachsicht, Empathie? Mit viel Ruhe und einer zurückhaltenden Kamera geht der Film diesen Fragen nach, ausgeführt am Beispiel der Anton-Makarenko-Grundschule in Ivry-sur-Seine, kurz hinter dem südöstlichen Stadtrand von Paris.
Eltern kommen mit ihren Kindern an. Der Lehrer reicht einem Neuankömmling die Hand – eine Geste der Ermutigung. In der Klasse wird die Stimme der Unterrichtenden selten laut, autoritäres Gebrüll ist hier fehl am Platz. Stattdessen setzt das Kollegium auf den Dialog, der wiederum auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung beruht. Claire Simon begibt sich mitten hinein in das Leben dieser Schule und lässt die eingefangenen Momente zwischen Kindern und Erwachsenen für sich sprechen. Ein feinfühliges Mosaik entfaltet sich: Augenblicke tief empfundenen Lern- und Lehrglücks, Bootsausflüge auf der Seine, Turbulenzen auf dem Pausenhof. All diese Einzelheiten ergeben das lebendige Bild einer von kleinen und großen Schultern getragenen pädagogischen Mission.
Em Johrden

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Claire Simon
Kamera
Claire Simon
Schnitt
Luc Forveille
Produktion
Michel Klein
Ton
Nathalie Vidal, Pierre Bompy, Jules Jasko, Elias Boughedir
Filmvertrieb
Rūta Švedkauskaitė
Performer
Sophie Axus
Young Eyes 2025

Fantastique

Marjolijn Prins
Fanta aus Conakry in Guinea verbringt jede freie Minute mit dem Training im Akrobatik-Zirkus. Neben all ihren Pflichten ist ihr größter Traum, mit der Amoukanama Company auf Tournee zu gehen.
Filmstill Fantastique
Filmstill Fantastique

Fantastique

Fantastique
Marjolijn Prins
Young Eyes 2025
Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich,
Niederlande
2025
71 Minuten
Susu,
Französisch
Untertitel: 
Englisch, Deutsch
Fanta ist 14 Jahre alt und lebt in Conakry, der Hauptstadt von Guinea in Westafrika. Neben der Schule und ihren Pflichten im Haushalt verbringt sie jede freie Minute mit dem Training im Akrobatik-Zirkus. Eines Tages kündigt sich die Rückkehr des großen Stars des Landes an. Balla Moussa Bangoura, Begründer der Amoukanama Circus Company, war auf einer internationalen Tournee und plant nun, mit seiner Truppe eine neue Show einzustudieren. Das Training wird härter, denn nur die Besten dürfen am Ende dabei sein.
Fanta will natürlich alles dafür geben, als eines der wenigen Mädchen mit Balla Moussa Bangoura durchs Land reisen zu können. Tag für Tag ist sie nun zerrissen zwischen der Pflege ihrer kranken Mutter, Haushaltsarbeiten, Schulaufgaben und dem, was sie vermeintlich am meisten liebt. Einerseits unterstützt durch ihre Familie, andererseits bestrebt, alle Erwartungen zu erfüllen, beginnt Fanta jedoch zu zweifeln: Was will sie wirklich? Verbunden durch mitreißende Musikauftritte, spektakuläre Akrobatikeinlagen und traumartige Spielsequenzen gelingt Marjolijn Prins das atmosphärisch dichte Porträt eines außergewöhnlichen Mädchens.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Marjolijn Prins
Kamera
Johan Legraie
Schnitt
Ciska Slowack
Produktion
Ellen De Waele, Mirna Everhard
Co-Produktion
Florent Coulon, Felix Salgado, Ineke Kanters, Lisette Kelders, Anton Iffland Stettner, Eva Kuperman
Musik
Johanna Beaussart
Nominiert für: Young Eyes Film Award
Ausgezeichnet mit: Young Eyes Film Award
Kids DOK 2024

Filante

Marion Jamault
Jede Nacht beobachtet Paulette die gleiche Sternschnuppe am Himmel. In dem Wunsch, ihre verschwundene Hausratte zu finden, erfährt sie, dass die Sternschnuppe ihr tatsächlich helfen kann.
Filmstill Filante
Filmstill Filante

Filante

Filante
Marion Jamault
Kids DOK 2024
Animationsfilm
Frankreich
2024
9 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Jede Nacht steht Paulette auf dem Ausguck ihres Leuchtturms und beobachtet die immer gleiche Sternschnuppe. Ihre Hausratte ist auf rätselhafte Weise verschwunden. Also schickt sie ihren Wunsch auf ein Wiedersehen in den Nachthimmel. Der vermeintliche Himmelskörper entpuppt sich als Fledermaus mit einer Vorliebe für Glitzer. Sie hilft Paulette bei der Suche. Ein magisch-fantastisches Märchen mit Happy End.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Marion Jamault
Buch
Marion Jamault
Kamera
Marion Jamault
Schnitt
Marion Jamault
Produktion
Lisa Verhaverbeke, Marin Dalmier
Ton
Antoine Martin, Lucien Richardson
Sound Design
Antoine Martin
Musik
CHAMAYE
Animation
Susie-Lou Chetcuti, Marion Jamault, Chloë Soudat
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Media Name: 8118c87d-9881-4d24-a0bb-34038c0389ed.jpg

Flammes

Flammes
Patrick Bokanowski
Animation und Musique Concrète 2021
Experimentalfilm
Frankreich
1998
4 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Dunkle, perkussive Klänge rufen anthropomorphe Wesen an. Sie leben in kurzen tänzerischen Etüden auf. Optisch manipuliert, dehnen sie sich zu hageren Formen, fächern sich tausendlagig wie exotische Tiere auf, zerlaufen zu abstrakten Gemälden. Sie sind reine Lichtwesen: flüchtig, immateriell. Das rhythmische Klangmotiv färbt mit mal prägnanten, mal gehauchten Variationen ihre Bewegungen ein.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Patrick Bokanowski
Buch
Patrick Bokanowski
Kamera
Daniel Borenstein
Schnitt
Eric Castera, Patrick Bokanowski
Produktion
Patrick Bokanowski
Musik
Michèle Bokanowski