Eine verspielte Fabel, durch die uns die redselige, fluguntüchtige Taube Lukaku geleitet. Das menschliche Wesen durchdringend, bemerkt sie Absonderliches, das den meisten entgeht.
Englisch, Französisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Ein Ort in Gent, über den die fluguntüchtige und redselige Taube Lukaku wacht. In besonders enger Beziehung zu ihrem Besitzer Francesco D’Amico lebend, erhält sie Einblicke in die menschliche Groteske. Regisseurin Annelein Pompe lässt sie berichten, in die Welt der Taubenzucht einführen und die Gedanken einiger Personen aufdecken, die sich im ordinären Tagesgeschäft kleine, verborgene Refugien bewahren.
„Ich blicke hinter die Dinge“, sagt Lukaku. Den Hals so verdreht, dass sie die Welt kopfüber sieht, offenbart sich ihr Absonderliches. Sie geleitet durch einen flämischen Mikrokosmos, der von einem Honiggeschäft erzählt, genauso wie von einem Kiosk. In letzterem arbeitet Usman, ein pakistanischer Taubenliebhaber. Er ist sein eigener Chef, ganz im Gegensatz zum „niederländischen Taugenichts“ aus dem Honigladen, der von Überwachungskameras gegängelt wird und um seinen Job bangen muss. Annelein Pompe kreiert eine moderne Fabel, die von der Bindung der Menschen an ihre gewöhnliche Existenz berichtet – aber ebenso von jenen unsichtbaren Momenten, in denen sich Geist und Körper voneinander lösen, in denen das Träumen und Dichten beginnt. Pompe verschränkt diese menschliche Begabung zur Schattenarbeit mit der Faszination für Tauben, welche immer wieder zu ihren Besitzern zurückkehren und dennoch in Freiheit leben.
Tote Krähen, jene mythischen Götterboten, kurz vor der Wiederauferstehung durch eine Tierpräparatorin. Eine aufgeladene Atmosphärenstudie zwischen Handwerk, Imagination und Poesie.
Eine junge Tierpräparatorin ist fasziniert von Krähen, deren toten Körpern sie taktvolle Aufmerksamkeit widmet. Ihre Arbeit an den Vögeln ist ein sorgfältiges Studium anatomischer Zusammenhänge, zugleich aber auch eine Art „Amtshilfe“ zur Wiederauferstehung dieses mythischen Wesens aus dem Reich zwischen Leben und Tod. In detailreich pulsierenden Schwarz-Weiß-Bildern und einem sparsam-intensiven Soundtrack entfaltet sich eine aufgeladene Atmosphäre zwischen Handwerk, Imagination und Poesie.
An der Donau, dem europäischen Fluss schlechthin, entsteht die poetisch-meditative Bestandsaufnahme eines kulturellen Raums. Sie offenbart Konflikte, aber auch utopisches Potenzial.
Inspiriert vom Lauf der Donau, dem europäischen Fluss schlechthin, treibt dieser Film von der Quelle bis zum Delta, vom Wald der Ursprünge bis zum Meer der Ankunft, beide dem Namen nach schwarz. Das Wasser strömt dahin, Jahreszeiten verstreichen, Grenzen ziehen vorbei und Sprachen wechseln. Die Bilder und Klänge sind Resultat einer poetischen und meditativen Arbeit, die sich in Tempo und Rhythmus dem Fluss überlässt. Über Begegnungen und Berichte, Mund- und Denkarten, Menschen und Landschaften entsteht die große Erzählung von einem zersplitterten, zerrissenen Europa. Aber genau hier, an der Donau, ist dieser Kontinent auch vom Reichtum ineinander verschlungener Kulturen geprägt.
Ralph Eue
Credits
Regie
Annik Leroy
Buch
Annik Leroy, Marie Vermeiren
Kamera
Marie Vermeiren, Annik Leroy
Schnitt
Eva Houdova
Produktion
Anne Deligne, Daniel De Valck, Cobra Films, RTBF Liège (Carré Noir), Centre de l'Audiovisuel à Bruxelles (CBA)
Ein Essay, eine Heimsuchung, ein filmisches Nachdenken über Europa. Die Zeit: jetzt. Die Orte: nicht genau zu lokalisieren. Stimmen aus dem Off begleiten Leroys sensorische Reise.
Eine Titelbeigabe wie ein Bleilot. Vier Worte aus dem Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann setzen den Ton: „Es ist immer Krieg.“ Wer könnte damit je einverstanden sein?! Und wer hat sich damit nicht längst abgefunden?! „Tremor“ ist ein schroffer Film aus vibrierenden Schwarz-Weiß-Bildern und einem Chor von Stimmen aus dem Off, so soghaft wie unversöhnlich. Diese fortwährende Meditation über große Brutalitäten, kleine Zumutungen und allgegenwärtige Konflikte nimmt einen ins Gebet. Doch sie entlässt uns nicht in die kurze Empörung, sondern führt lange andauernde Wut herbei. Am Ende ein Afropop-Song von Jupiter & Okwess International: ein Lied vom Weinen und Leiden – und vom Kämpfen.
In dem autobiographischen Essay verflicht Guillard ihre Erfahrungen als Tierfilmerin mit der Beziehung zum eigenen Körper und ihrer Weiblichkeit. Ein überraschender, einleuchtender Brückenschlag.
Unerwartet gelingt Marion Guillard die perfekte Aufnahme: Ein Schwarm Vögel fliegt am Abendhimmel Pirouetten, die Kamera folgt den anmutigen Bewegungen wie hypnotisiert, symbiotisch. Bis zu diesem Moment war es ein langer Weg. Guillard lässt teilhaben an einer Reise in die USA, die nicht nur von Gefühlen der Entfremdung gegenüber ihrer Familie geprägt ist – auch die sich vor ihr ausbreitenden Postkartenmotive lassen sie kalt. In einem Voiceover berichtet sie von der Beziehung zu sich und ihrem Körper, von einem Ideal von Weiblichkeit, dem sie nicht entspricht, sowie verstörenden Begegnungen mit Männern. „We Had Fun Yesterday“ folgt Guillards Gedankenstrom, der zugleich autobiografische Erkundung und Reflexion über den Blick ist, den wir auf andere(s) richten: Tiere – frei lebende und gefangene; Natur – unberührte und von Menschen geformte. Ergebnis ist eine überraschende Verflechtung, in der mentale und digitale Bilder entstehen und wieder zerfallen.
Carolin Weidner
Credits
Regie
Marion Guillard
Buch
Marion Guillard
Kamera
Marion Guillard
Schnitt
Pauline Piris-Nury, Lenka Fillnerova
Produktion
Cyril Bibas
Co-Produktion
Stefanie Bodien
Ton
Marion Guillard
Sound Design
Maxime Thomas, Sébastien Van Dhelsen, Jeff Levillain
Die turbulente Reise einer riesengroßen Kiste nimmt kein Ende. Immer kleiner wird sie und alle haben ganz eigene Vorstellungen, was sich darin verbirgt. Elefant, Löwe oder doch ein Bär?
Die kunterbunte, turbulente Reise einer riesengroßen Kiste scheint kein Ende zu nehmen. Was mag nur darin sein? Elefant, Löwe, Bär? Erst wird sie in ein Flugzeug geladen, dann auf ein Schiff. Auf einem Zug geht es die Berge hoch, auf einem Bus weiter über Stock und Stein. Immer kleiner wird die Kiste und alle haben ganz eigene Vorstellungen, was sich darin verbirgt. Doch verraten wird hier nichts!
Yaren fährt in diesem Sommer in ein Camp der besonderen Art. Hier trauern alle Kinder um jemanden, der ihnen nahestand. Ein Film über Verlust, Heilung und Freundschaft.
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Vor vier Jahren ist Yarens Mutter gestorben. In diesem Sommer fährt sie aufgeregt in ein Camp der besonderen Art: ein Trauercamp. Hier haben alle Kinder jemanden verloren, der ihnen nahestand. In fünf schönen und intensiven Tagen beschäftigen sich Yaren und die anderen Kinder mit dem, was sie alle verbindet: ihr Schmerz. Ein Film über Verlust, Heilung und Freundschaft.
Raue Poesie in Bild, Wort und Klang. Voll emotionaler Wucht verhandelt der Film mit Fotografie, Malerei, Collage und Video den Kipppunkt von körperlichem Verlangen zu seelischer Verletzung.
Kraftvolle Poesie in Bild, Wort und Klang – Max Fergusons Arbeit ist ein Rohdiamant, der von einer emotionalen, unpolierten Wucht zeugt und dessen Licht sich in viele Farben bricht. Ferguson mischt Elemente aus Fotografie, Malerei und Collage mit kurzen Videosequenzen, findet starke verbale und visuelle Bilder und markiert damit den Kipppunkt von körperlichem Verlangen zu seelischer Verletzung. Raue Ästhetik und düstere Atmosphäre, die an frühe Undergroundfilme erinnern, verbinden sich mit sehr viel Feinfühligkeit und einer stets wachen, fast animalischen Neugier. Sie manifestieren ein sehr heutiges weibliches Selbstverständnis. Der Balanceakt zwischen Schmerz und Selbstachtung vollzieht sich in einem Klangkosmos aus elektronischem Donnern und nervösem Dröhnen. Während der kraftstrotzende Lastwagen seine Bahn nicht verlassen kann, folgt das Wild seinem Instinkt und findet einen (neuen) Weg, auch wenn es vom Wolf lernen muss.