Vogelgezwitscher, dazu mäandernde Linien, mal solo, mal als Schwarmbewegung. Im permanenten Formenwandel tauchen flüchtig eine Parklandschaft, eine Treppe, ein Mann mit Hund auf.
Vogelgezwitscher, dazu mäandernde Linien, mal solo, mal als Schwarmbewegung. Mittendrin tauchen vermeintlich und flüchtig eine Parklandschaft, eine Treppe, ein Mann mit Hund auf. In Robert Breers minimalistischer Zeichenanimation fallen Abstraktion und Figürliches kurz zusammen und wieder auseinander. Der permanente Formenwandel geschieht in der Pulsfrequenz des in der Natur aufgenommenen Vogelgesangs.
Schmalfilmaufnahmen, verwandelt in magische Bildwelten, die sich im gleißenden Nieselregen elektronischer Klänge entfalten. Ein Tagebuch des wachen träumenden Beobachtens.
Patrick Bokanowski unterzieht eigene frühe Schmalfilmaufnahmen einer magischen optischen Verwandlung. Im gleißenden Nieselregen elektronischer Klänge und unter dem tiefen Grollen von Drone-Wellen von Michèle Bokanowski entfalten sich Lichteruptionen, Farbrauschen und schattenhafte Erscheinungen, durch welche die Originalaufnahmen durchschimmern. Ein Tagebuch des wachen träumenden Beobachtens.
Die isländische Musikerin Björk komponiert aus natürlichen Geräuschen elektronische Musik. Im Musikclip zu „Hunter“ verwandelt sich ihr Kopf in den eines künstlichen Eisbären.
Die isländische Musikerin Björk verschmilzt von jeher Naturschöpferisches und Technoides. Sie sampelt und loopt Umweltgeräusche und verwandelt sie mit elektronischen Effekten. Paul White übersetzt diese Arbeitsweise und Ästhetik im Videoclip zu „Hunter“ und morpht den Kopf der singenden Björk und ihre menschlichen Züge in den eines artifiziellen Eisbären, der aus flüssigem Plastik zu sein scheint.
Court-circuit n° 180 – Interview with Michèle Bokanowski
Lorenzo Recio
Seit 1972 prägt Michèle Bokanowski mit ihren Klängen die Filmbilder von Patrick Bokanowski. Zwischen Tonbandschleifen erzählt sie über die Arbeit mit oft musikfernem Material.
Court-circuit n° 180 – Interview with Michèle Bokanowski
Court-circuit n° 180 – Interview de Michèle Bokanowski
Lorenzo Recio
Animation und Musique Concrète 2021
Dokumentarfilm
Frankreich
2004
10 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Michèle Bokanowski prägt mit ihren Klängen seit 1972 die Filmbilder von Patrick Bokanowski. Der Ursprung ihrer Soundtracks liegt oft in musikfernen Geräuschen. So beschreibt sie mit dem Klacken aufeinanderstoßender Billardkugeln Menschen, die in weiter Ferne auf dem Feld arbeiten. Zwischen Tonbandschleifen und elektronischen Geräten erzählt die Komponistin über ihr Handwerk am tönenden Material.
Ein riesiges, leuchtendes Band morphender Farbschichten und seltsame Geräusche ziehen Augen und Ohren in den Bann. Eindrucksvoll macht eine Installation Erdgeschichte erlebbar.
Die Erde schläft nicht. Das Duo Semiconductor destilliert Forschungsdaten zur Erdbewegung und animiert sie in einer Fünfkanal-Installation. In einer dunklen Halle werden die Besucherinnen und Besucher des Festivals Sónar Barcelona 2016 von einem riesigen, leuchtenden Band unablässig morphender Farbschichten und seltsamen Geräuschen gefangen genommen. Sie erleben einen Schnitt durch Landschaft und Zeit.
Knirschend, rumpelnd und rieselnd hinterlassen Erdbewegungen Klangspuren. Das Duo Semiconductor animiert Forschungsdaten und vermittelt auf faszinierende Weise geologische Prozesse.
Geologisch bilden sich Erdschichten über Jahrtausende. Die Prozesse sind menschlich kaum wahrnehmbar. Ein Forschungsprojekt in einem spanischen Steinbruch rekonstruiert Erdbewegungen, modelliert sie und hält sie akustisch fest. Knirschend, rumpelnd und rieselnd hinterlassen die Erdschichten Klangspuren, die das Duo Semiconductor für eine audiovisuelle Fünfkanal-Installation animiert.
Ein Schlagpendel schreibt direkt auf die Filmtonspur und produziert so analoge elektronische Bleeps und Bits. In farbig wechselndem Licht verändern Schatten ihre Gestalt.
Die Whitney-Brüder sind Pioniere der abstrakten Animation. 1943/1944 experimentierten sie in fünf Filmetüden mit modernistischen Formen und einem eigenen Apparat, der mittels Schlagpendel direkt auf die Filmtonspur schrieb. Zu den so entstandenen analogen elektronischen Bleeps und Bits bewegen sich in farbig wechselndem Gegenlicht Schablonen im Raum. Ihre Schatten verändern ihre geometrische Gestalt.
Geisterhafte Lichtwesen leben in kurzen tänzerischen Etüden auf. Zu perkussiven Klängen dehnen sie sich zu hageren Formen oder fächern sich tausendlagig wie exotische Tiere auf.
Dunkle, perkussive Klänge rufen anthropomorphe Wesen an. Sie leben in kurzen tänzerischen Etüden auf. Optisch manipuliert, dehnen sie sich zu hageren Formen, fächern sich tausendlagig wie exotische Tiere auf, zerlaufen zu abstrakten Gemälden. Sie sind reine Lichtwesen: flüchtig, immateriell. Das rhythmische Klangmotiv färbt mit mal prägnanten, mal gehauchten Variationen ihre Bewegungen ein.
Eine Vitrine zeigt ein Stück Erdreich mit Pflanzen – plastisch, aber doch nur digitales Abbild. Waldgeräusche erwecken Blätter und Blüten, eine organische Rebellion flammt auf.
Eine Vitrine zeigt ein Stück Erdreich mit Pflanzen – plastisch, aber doch nur digitales Abbild. Der Ton verrät einen sterilen Ausstellungsraum. Mit dem Einsetzen von Waldgeräuschen lösen sich Stiele, Blätter und Blüten in Partikel und Schichten auf. Wie aus einem Koma erwacht, flammt eine organische Rebellion auf, ein kurzzeitiges Aufbegehren gegen die technisch perfekte Simulation von Natur.
Beatriz Ferreyra betritt einen Raum und bleibt bereits an der Tür begeistert stehen. Die argentinische Pionierin der Musique concrète komponiert mit Geräuschen des Alltags.
Beatriz Ferreyra betritt einen Raum und bleibt bereits an der Tür begeistert stehen: „Was die alles für Geräusche macht, nieauououa!“ Die argentinische Komponistin und Pionierin der Musique concrète sammelt Laute von Alltagsgegenständen. Aura Satz’ minimalistisches Porträt begleitet die Soundjägerin bei ihrer Arbeit, zeigt ihre Gesten sowie ihre immer noch große Entdeckungslust beim Arrangement der Klänge.
A washing machine less ordinary: Die Klänge eines Vollautomaten verzaubern in einem schwungvollen Musikvideo mit Animation und Werbefilmzitaten, das uns allen Wäschesorgen entrückt.
A washing machine less ordinary: Das Elektronikduo Matmos klopft die „Ultimate Care II“ von Whirlpool auf ihre Musiktauglichkeit ab und verschränkt die Klänge von Gehäuse, Waschvorgang und Schalterklick zum Beat. Mit Animation, optischen Effekten und Werbefilmzitaten aus der Zeit des Durchbruchs der Vollautomaten entstand dazu ein schwungvolles Musikvideo, das uns allen Wäschesorgen entrückt.
Ein Rhythmusfragment wird zum Perkussionsensemble ohne einen einzigen identischen Loop. Kacheln wuchern zu Mustern, die sich nie ganz gleichen. Unendlichkeit in animierten Beats.
Der Mathematiker Penrose entdeckte 1974 Kachelpaare, die eine unendliche Ebene ohne sich wiederholende Muster bilden. Davon inspiriert, komponiert Max Cooper aus dem Rhythmusfragment eines Instruments ein Perkussionsensemble ohne einen einzigen identischen Loop. Jessica In animiert dazu Kachelornamente ohne Symmetrien, die wie ein Mandala wirken und die Idee des Unendlichen visualisieren.
Ein Nachbarschaftsstreit eskaliert … Die pixilierten Bewegungen der Darsteller und die Szenerie wirken immer absurder, auch durch die überdrehten Klänge des handgezeichneten Tons.
Ein eskalierender Nachbarschaftsstreit als pazifistische Parabel auf den Koreakrieg. Durch die Pixilation, als deren Begründer Norman McLaren gilt, wirken Handlung und Szenerie zunehmend absurd. Überdrehte elektronische Klänge steigern den Aberwitz. Auch sie entstanden in einer besonderen Technik: Per Hand zeichnete McLaren optische Tonsignale mit Strichen und Punkten direkt auf die Filmtonspur.
Eine App ordnet jedem Buchstaben der Computertastatur einen Klang mit grafischem Element zu. In einer Live-Improvisation kreiert die Leipziger Künstlerin CFM damit Muster und Brüche.
Eine App, die jedem Buchstaben der Computertastatur einen Klang und ein damit verbundenes grafisches Element zuordnet, bildet die Grundlage der Live-Improvisation von CFM. Das Spiel mit Pattern und Brüchen nutzt verschiedene Klang-Form-Kombinationen aus dem Baukasten von Jono Brandel, um Takte, Loops und Musik sowie ein begleitendes Video zu kreieren.
Mit Hall, Filtern und rhythmischer Montage entsteht aus Klangfragmenten ein Hörstück über eine scheinbar eigenwillige Spieldose. Philippe Arthuys – Filmkomponist für Größen wie Rivette und Godard und selbst Filmemacher – variiert das Tempo von stotternd bis ruhig atmend, lässt überraschend Geräuschpartikel aus der Tiefe des Raumes auftauchen und wieder verschwinden. Ein Filmdramolett für die Ohren.
In einem schamanischen Ritual zu Intelligent House-Beats bündeln halbmenschliche Wesen sprudelnde Energie und dirigieren mit ihren tänzerischen Bewegungen scheinbar das Universum.
In unendlichen Weiten von Schwarz bildet sich ein weißes atomares Gebilde und wird von einer Frau beschworen. Sie löst einen Urknall und ein tänzerisches, schamanisches Ritual zu Intelligent House-Beats aus. Sprudelnde Energie wird von Frauen mit Geweihen in einem Ball aus pulsierenden Blitzen gebündelt. Ihre Bewegungen scheinen den Gang des Universums zu dirigieren.