Kommunismus- als Krisengeschichte: Die Autoren blicken auf die unterschiedlichen Volksaufstände im sowjetischen Machtbereich und fragen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.
Die Geschichte des Kommunismus als Geschichte seiner Krisen: Die beiden Autoren Ralph Giordano und Hans-UIrich Barth greifen verschiedene Aufstände und Proteste auf, um die Diskrepanz von Herrschaftsanspruch und Wirklichkeit im „sozialistischen Imperialismus“ aufzuzeigen. Dabei werden einzelne Volkserhebungen differenzierter beleuchtet, aber zugleich auch stereotype Feindbilder des Kalten Krieges bedient.
Katharina Franck, Andreas Kötzing
Credits
Regie
Ralph Giordano, Hans-Ulrich Barth
Produktion
NDR Norddeutscher Rundfunk / German TV ARD Network
Rechteckformen in leuchtenden Farben wuchern im schwarzen Nichts. Sie gleichen Phosphenen, jenen subjektiven Lichtwahrnehmungen, die beim Reiben geschlossener Augenlider erscheinen können. Bunte runde Flächen umkreisen sich, obwohl sie in getrennten grafischen Welten leben. Die Pionierin der Computeranimation Lillian Schwartz simuliert mit der 2D-Programmiersprache EXPLOR fremde fantastische Galaxien.
Was heißt es für die Weltwahrnehmung, wenn virtuelle Duplikate unserer selbst so täuschend echt gestaltet werden können, dass Mensch und Avatar nicht mehr zu unterscheiden sind?
Wirken computergenerierte Figuren inzwischen genauso „real“ wie „echte“ Menschen? Für die 26-jährige Lale ist diese Frage nicht nur theoretisch spannend, sondern ganz praktisch. Sie arbeitet als Model, würde aber gern auf die anstrengenden Shootings verzichten, indem sie sich einen Avatar zulegt. Doch nachdem sie die ersten Schritte zur „Verdopplung“ gemacht hat, kommen ihr Bedenken. Was heißt es tatsächlich, rechtlich und moralisch, ein virtuelles Duplikat seiner selbst in die Welt zu setzen?
Katharina Pethke begleitet ihre junge Protagonistin durch diesen Prozess. Aus dem Gedankenspiel wird ein Versuch am lebenden Subjekt, ein Abwägen von Möglichkeiten und Befürchtungen. Denn was bedeutet es eigentlich für unsere Weltwahrnehmung (und natürlich auch für den Dokumentarfilm), dass das Wirklichkeitsversprechen visueller Medien längst nur noch ein graduelles ist? Im Zeitalter allgegenwärtiger Selbstinszenierung, Deepfakes und Extended Reality begeben wir uns auf eine Reise in unser aller (mediale) Zukunft. Nicht zufällig endet sie an einem Ort, der schon Platons Überlegungen zur Realität und ihren Schatten inspirierte.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Katharina Pethke
Buch
Katharina Pethke
Kamera
Christoph Rohrscheidt
Schnitt
Daniela Kinateder
Produktion
Christoph Rohrscheidt, Sven Michael Otto
Co-Produktion
ZDF / 3sat
Ton
Michael Thäle
Sound Design
Kuan-Chen Chen, Christian Riegel
Animation
Vinzent Britz
Broadcaster
ZDF / 3sat
Redaktion
Udo Bremer
Nominiert für:
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
Young Eyes Film Award
Empathie in Knete: Ein Onkel, von dem man nicht weiß, ob man ihn selber würde haben wollen, und über den man doch heiße Tränen vergießt, wenn er am Ende gestorben sein wird.
Ein Onkel, von dem man nicht weiß, ob man ihn selber würde haben wollen, und über den man doch heiße Tränen vergießt, wenn er am Ende gestorben sein wird. Das wesentliche Material dieser anrührenden Geschichte – abgesehen von der Knete, aus der die Figuren gemacht sind – heißt Empathie. Dieser melancholische Abschied von einem verschrobenen Kauz verhandelt ein kleines Sujet. Doch es geht ums Ganze.
Ralph Eue
Credits
Regie
Adam Elliot
Buch
Adam Elliot
Schnitt
Adam Elliot
Produktion
Victorian College of the Arts University of Melbourne
Für den über achtzigjährigen Vakho ist die von Eis bedeckte Bergregion im georgischen Kaukasus ein selbstgewähltes Exil – aus tief empfundener Schuld am Tod seines Bruders.
An die Felsen des Kasbek, über 5.000 Meter hoch und von Eismasse bedeckt, soll der Mythologie nach schon Prometheus gefesselt worden sein. Für Vakho ist die Bergregion im georgischen Kaukasus ein selbstgewähltes Exil – aus tief empfundener Schuld. Vor 48 Jahren verlor er seinen Bruder unter tragischen Umständen, die ihm zuvor im Traum begegnet waren. „Ich konnte die Vergangenheit nicht loslassen“, erklärt der heute über achtzigjährige Mann in diesem visuell eindrucksvollen Kurzfilmporträt.
Erst nach 30 Jahren war dieser Tabubruch möglich: Der Volksaufstand in Posen 1956, erzählt als Collage aus erstmals veröffentlichten Fotos, Filmaufnahmen und Erinnerungen von Betroffenen.
Posen, Juni 1956: Der „vergessene Volksaufstand“, bei dem Dutzende Menschen ums Leben kamen, war auch in Polen lange Zeit ein Tabu. Erst Mitte der 1980er Jahre, in einer Phase der Liberalisierung, gelang dieser erstaunlich offene Rückblick von Marek Drążewski, der die dramatischen Ereignisse anhand von privaten Fotos, Filmaufnahmen und Erinnerungen von Zeitzeug*innen verdichtet.
Animierte Kinderzeichnungen erzählen vom Alltag junger HIV-Patient*innen in Indien. Der von den Kindern selbst kommentierte Film ist eine Bildgeschichte voller Lebendigkeit und Energie.
Animierte Kinderzeichnungen erzählen vom Alltag junger HIV-Patient*innen in einer Klinik in der indischen Stadt Tivim. Der Tagesablauf wird bestimmt vom gemeinsamen Lernen und Spielen, von gutem Essen und der Einnahme von Medikamenten, manchmal auch vom Kampf mit den Tränen und der Wut. Dennoch ist der von den Kindern selbst kommentierte Film eine Bildgeschichte voller verspielter Lebendigkeit und Energie.
Zu einem Kongress der UNIMA, der Union Internationale de la Marionnette, kamen 1984 Menschen aus vierzig Ländern in Dresden zusammen. Impressionen aus der Welt des Puppenspiels.
Zu einem Kongress der UNIMA, der Union Internationale de la Marionnette, kamen 1984 rund 1.500 Menschen aus mehr als vierzig Ländern in Dresden zusammen. 1929 gegründet, versteht sich die UNIMA als älteste internationale Theaterorganisation. Sie fördert bis heute die weltweite Entwicklung des Figurentheaters. Das Kinobox-Sujet bietet liebevolle Impressionen der hohen Kunst des Puppenspiels.
Kindheitserinnerungen an ein längst verschwundenes Kaufhaus erwecken das Seoul der 1980er Jahre fantasievoll zum Leben – ein schillerndes Universum zwischen Fakten und Wunschvorstellungen.
Unserer Erinnerung ist nicht zu trauen. Sie ist verwoben mit Wunschvorstellungen, Träumen, Verklärungen oder Verdrängungen, überlagert oder ersetzt durch aufgeschnappte Bilder. Wer sich seiner Geschichte vergewissern will, sucht vielleicht die Orte der Kindheit oder Jugend auf, um eine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Was aber, wenn diese Orte längst verschwunden sind, sich ihrerseits als so flüchtig erweisen wie die Erinnerung daran?
Regisseur Won Taewoong wurde 1981 geboren, in einer Zeit, als die im Bürgerkrieg weitgehend zerstörte Stadt Seoul eine rasante Entwicklung durchlief. Unter der südkoreanischen Militärdiktatur verwandelten sich Reisfelder in Geschäfts- und Wohnviertel, es entstanden mehrgeschossige Kaufhäuser mit langen Rolltreppen und Attraktionen für Kinder. Vor dem Universe Department Store in Cheonho-dong am östlichen Stadtrand war eine Raumfähre aufgebaut, die die kindliche Fantasie ins Kraut schießen ließ. Doch während die Modernisierung weiter an Tempo zulegte, schlossen die meisten dieser Häuser schon nach wenigen Jahren. „Universe Department Store“ versucht sich an einer Rekonstruktion. In Gesprächen mit Gleichaltrigen, deren Erinnerungen oft enorme Diskrepanzen aufweisen, und in Hypnosesitzungen geht der Regisseur dem Gedächtnis auf den Grund. Zwischen Fakten und Vorstellungen entdeckt er ein schillerndes Universum.