Filmarchiv

DEFA Matinee 2023

Wehe den Besiegten – Der 17. Juni 1953

Andrea Kuschel-Korzecka
Mithilfe von Originalaufnahmen aus westlichen Archiven und neu gedrehten Zeitzeug*innen-Interviews entstand 1990 eine filmische Rekonstruktion des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953.
Filmstill Woe to the Vanquished – The Workers’ Uprising, 17 June 1953
Filmstill Woe to the Vanquished – The Workers’ Uprising, 17 June 1953

Wehe den Besiegten – Der 17. Juni 1953

Wehe den Besiegten – Der 17. Juni 1953
Andrea Kuschel-Korzecka
DEFA Matinee 2023
Dokumentarfilm
DDR
1990
87 Minuten
Deutsch
„17. Juni 1990, Berlin-Ost. Die DDR wird noch drei Monate existieren. Keine Zeit mehr all jener zu gedenken, die ’53 aufstanden, Zivilcourage bewiesen und besiegt wurden. Ihnen ist dieser Film gewidmet.“ So klingt es am Anfang des Films aus dem Off zu Bildern einer Kundgebung für die Opfer des 17. Juni.

Regisseurin Andrea Ritterbusch hat gleich nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes in den westlichen Archiven nach Quellen zur Aufarbeitung des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 in der DDR geforscht. Sie fand eine Fülle von wertvollen Originalaufnahmen, die sie mit neu gedrehten Interviews mit Zeitzeug*innen der Revolte zu diesem Dokumentarfilm kombinierte. Darin rekonstruiert sie die Wochen vor und nach den landesweiten Unruhen, beleuchtet Propaganda und interpretiert mithilfe ihrer Gesprächspartner*innen Ablauf, Gegenstand und politische Einordnung der Streiks und Demonstrationen im Wandel der Zeit. Das SED-Regime stand in diesen Tagen auf der Kippe und wäre ohne das Einschreiten der sowjetischen Armee womöglich gestürzt worden. Dieser Rückblick auf ein Ereignis, das zur Entstehungszeit des Films bereits 37 Jahre zurücklag, ist wirklichkeitsnah und zeugt gleichzeitig von der Aufregung und Neuorientierung der ostdeutschen Bevölkerung in den Wendejahren.
Linda Söffker

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Andrea Kuschel-Korzecka
Buch
Andrea Kuschel-Korzecka
Kamera
Toralf Teschner, Andreas Bergmann, Alexander Laschet, Niko Pawloff
Schnitt
Petra Barthel
Produktion
DEFA-Studio für Dokumentarfilme
Ton
Horst Piel, Lutz Laschet, Andreas Walter, Rainer Pape
Musik
Eckardt Enkelmann
Retrospektive 2022

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann

Helke Misselwitz
Auch im Wendejahr setzt man im Prenzlauer Berg auf zuverlässige Kohlelieferungen. Renate Uhle und ihre Männer liefern die Briketts, begleitet von einer unmittelbaren Kamera.
Filmstill Who’s Afraid of the Bogeyman
Filmstill Who’s Afraid of the Bogeyman

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann
Helke Misselwitz
Retrospektive 2022
Dokumentarfilm
DDR
1989
52 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Keine
Die Kohlebriketts donnern von der Schippe gegen den Waggon, werden verladen, entladen und landen schließlich in den Häusern des Prenzlauer Bergs. Renate Uhle ist Inhaberin der Kohlehandlung, die seit 1922 von ihrer Familie geführt wird. Gemeinsam mit ihren Männern – Klaus, Kalle, Manne, Erwin, Pummel, Felix und Würstchen – sorgt sie dafür, dass niemand im Umkreis zu frieren hat. Die Arbeit ist hart, das Feierabendbier gesetzt und Renates Zungenschlag schnell und einfühlsam. Helke Misselwitz begleitet die Arbeiter auf ihren tuckernden Dieselameisen durch die Straßen und das Wendejahr 1989, schwitzt mit ihnen beim Treppensteigen und lauscht ihnen durch Zigarettenrauchschwaden hindurch.
Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Helke Misselwitz
Buch
Thomas Plenert, Helke Misselwitz
Kamera
Thomas Plenert
Schnitt
Gudrun Steinbrück
Produktion
DEFA-Studio für Dokumentarfilme
Ton
Ronald Gohlke
Musik
Brigitte Unterdörfer
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023

Wer, wenn nicht wir? Der Kampf für Demokratie in Belarus

Juliane Tutein
Immer restriktiver entwickelt sich das politische Klima in Belarus, stets müssen Aktivist*innen mit Haftstrafen rechnen. Drei mutigen Aufbegehrenden ist dieser Film gewidmet.
Filmstill Who, If Not Us? The Fight for Democracy in Belarus
Filmstill Who, If Not Us? The Fight for Democracy in Belarus

Wer, wenn nicht wir? Der Kampf für Demokratie in Belarus

Wer, wenn nicht wir? Der Kampf für Demokratie in Belarus
Juliane Tutein
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Dokumentarfilm
Deutschland
2023
77 Minuten
Belarusisch,
Russisch,
Ukrainisch
Untertitel: 
Englisch
2020 formierten sich in Belarus die bis dato größten Proteste gegen die Regierung. Den Demonstrierenden wurde mit Gewalt und Restriktionen begegnet, viele von ihnen erhielten drakonische Haftstrafen. Ein gefährliches Klima, das politischen Aktivismus bereits in der Entstehung zu unterbinden sucht, setzte sich fest. Juliane Tutein filmte und recherchierte für „Wer, wenn nicht wir? Der Kampf für Demokratie in Belarus“ drei Jahre lang in einem Land, das mit seiner vermeintlichen Unabhängigkeit 1991 keinen Elitenwechsel erlebt hat. An der Spitze der mutigen Aufbegehrenden entdeckt sie vor allem Frauen. Dreien von ihnen widmet sie dieses Porträt: Nina Bahinskaja, Mitte siebzig und seit den 1980er Jahren im Kampf für ein offenes Belarus engagiert, Tatsjana „Tanja“ Hatsura-Jaworskaja, Gründerin des Menschenrechtsfilmfestivals „Watch Docs“, und Darja Rubleuskaja, mit 22 die Jüngste, die für das von Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki gegründete Menschenrechtszentrum „Wjasna“ arbeitet. Tutein entwickelt so eine mehrstimmige Collage, in der Minsks einschüchternde Architektur ebenso eindrücklich wirkt wie Hatsura-Jaworskajas Flucht in die von Russland attackierte Ukraine.
Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Juliane Tutein
Buch
Juliane Tutein
Kamera
Siarhei Kavaliou, Feline Gerhardt, Juliane Tutein
Schnitt
Maria Hemmleb
Produktion
Ümit Uludağ, Martin Roelly, Erik Winker
Ton
Cécilia Marchat, Sirius Kestel, Juliane Tutein
Sound Design
Andreas Mühlschlegel
Musik
Julian Erhardt, Mirko Büchele
Animation
Georg Krefeld
Nominiert für: MDR-Filmpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Filmpreis Leipziger Ring
Kids DOK 2020

What About Our Future?

Jaime Leigh Gianopoulos, Cláudio Cruz
Ein beobachtender Film über die „Sustainabiliteens“ aus Vancouver und ihr Leben zwischen Schule, Freundschaft und Klimaaktivismus. Laut rufen sie nach einem Systemwechsel.
Media Name: 2f81e9fd-09bf-4ef1-9225-18f7d79e2850.jpg
Media Name: 2f81e9fd-09bf-4ef1-9225-18f7d79e2850.jpg

What About Our Future?

What About Our Future?
Jaime Leigh Gianopoulos, Cláudio Cruz
Kids DOK 2020
Dokumentarfilm
Kanada
2020
24 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Die „Sustainabiliteens“ aus Vancouver bringen 2019 mehr als 150.000 Menschen zum Protest gegen die Klimazerstörung auf die Straße. Der Film gibt einen Einblick in den Alltag der Teenager, der neben Schule, Freundschaft und Familie auch von Klimakrise und Aktivismus bestimmt wird. Die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, gibt ihnen Kraft: „Niemand kann uns aufhalten, eine andere Welt ist möglich.“

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jaime Leigh Gianopoulos, Cláudio Cruz
Produktion
Jaime Leigh Gianopoulos, Jen Muranetz
Filmstill What Goes Up

What Goes Up

What Goes Up
Samar Al Summary
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Saudi-Arabien,
USA
2024
29 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Die Flugzeuge stehen still, nichts bewegt sich, nichts hebt ab auf dem US-Militärflugplatz in Arizona – bis eine junge Frau im weißen Kleid auf der Außenseite des Zauns beim idyllischen Sonnenuntergang auf einem Trampolin zu hüpfen beginnt. Aus dem stillen Off – nur durch Untertitel – vermittelt sie ihre Geschichte. Sie kommt aus Saudi-Arabien und steckt in den USA fest, weil ihr Vater ihre Ausweispapiere gestohlen hat. Das Heimweh ist so groß, dass sie drastische Maßnahmen erwägt, um wieder nach Hause zu kommen – fast lässt sie sich anmustern. Doch das US-Militär ist misstrauisch und würde sie, den Risikofaktor, nicht einmal in der Nähe des Mittleren Ostens stationieren. Aber Bagdad gibt es auch in Arizona …
Die Arbeit der Künstlerin Samar Al Summary ist eine Auseinandersetzung mit Systemen der Macht. Sie erzählt nicht nur von sich selbst, den Vorurteilen und Hindernissen, mit welchen sie als saudische Frau konfrontiert wird, sondern auch vom Absturz zweier irakischer Militärpiloten, die bei der United States Air Force ausgebildet werden sollten, aber auch nicht mehr nach Hause kommen. In ihrem dramaturgisch verdichteten Filmessay nimmt sie symbolisch den Kampf auf – sowohl gegen die Schwerkraft, die sie mit filmischen Mitteln zumindest für ein paar Momente besiegen kann, als auch gegen das Patriarchat. Das wiederum lässt sich nicht so einfach bekämpfen.
Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Samar Al Summary
Kamera
Samar Al Summary
Produktion
Samar Al Summary
Nominiert für: Silberne Taube
Ausgezeichnet mit: Silberne Taube Kurzfilm (Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm)
Filmstill What We Ask of a Statue Is That It Doesn’t Move

What We Ask of a Statue Is That It Doesn’t Move

Afto pou zitame apo ena agalma ine na min kinite
Daphné Hérétakis
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Griechenland,
Frankreich
2023
31 Minuten
Griechisch
Untertitel: 
Englisch
Eine Filmemacherin aus Athen lässt sich die Tarotkarten legen, um ihrer Schlaflosigkeit auf den Grund zu gehen. Wenn sie doch einmal einschläft, erzählt sie in der Sitzung, hat sie seltsame Träume, die sie seit Kurzem in die Wohnung ihrer Kindheit führen, wo alle zu Stein geworden sind. Solche surrealen Gedanken scheinen angesichts der aktuellen griechischen Zustände gar nicht so abwegig: soweit das Auge reicht versteinerte Denkmäler für die ruhmreiche Vergangenheit, während in der Gegenwart jede Bewegung zum Stillstand gekommen ist. Um dieses merkwürdige Paradox zu verstehen, durchblättert sie Bücher, inszeniert Fiktives, stellt Dokumentarisches her und bringt ihre sprunghaften Überlegungen ebenso verspielt wie politisch wach auf schimmerndem Zelluloid zusammen.
Einheimische auf den Straßen der griechischen Hauptstadt, die sich zum Wesen und Wirken von Statuen befragen lassen; das Manifest des Dichters Jorgos Makris von 1944, der zur Sprengung des Parthenon aufrief, und die anarchistische Splittergruppe, die sein Werk heute vollenden will; die Geschichte der politischen Gefangenen, die eine Miniatur genau dieses Baudenkmals anfertigen mussten; eine Karyatide auf Abwegen, die die Liebe entdeckt. Zeiten wie die unseren sind schwer zu begreifen, in Griechenland oder anderswo. Und vielleicht geht es nur so voran: loslaufen, leben, immer einen Schritt nach dem anderen. „Wann werden wir die Welt Stück für Stück wieder zusammensetzen?“
James Lattimer

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Daphné Hérétakis
Buch
Daphné Hérétakis
Kamera
Robin Fresson, Daphné Hérétakis
Schnitt
Daphné Hérétakis, Konstantinos Samaras, Jean Costa
Produktion
Jasmina Sijerčić, Daphné Hérétakis, Ethan Selcer, Konstantinos Samaras
Ton
Nicole Assimossi, Dimitra Xeroutsikou
Sound Design
Alexandre Hecker, Simon Apostolou
Musik
Kornilios Selamsis
Kids DOK 2023

What’s in That Crate?

Bram Algoed
Die turbulente Reise einer riesengroßen Kiste nimmt kein Ende. Immer kleiner wird sie und alle haben ganz eigene Vorstellungen, was sich darin verbirgt. Elefant, Löwe oder doch ein Bär?
Filmstill What’s in That Crate?
Filmstill What’s in That Crate?

What’s in That Crate?

Wat zit er in die kist?
Bram Algoed
Kids DOK 2023
Animationsfilm
Belgien
2023
9 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Die kunterbunte, turbulente Reise einer riesengroßen Kiste scheint kein Ende zu nehmen. Was mag nur darin sein? Elefant, Löwe, Bär? Erst wird sie in ein Flugzeug geladen, dann auf ein Schiff. Auf einem Zug geht es die Berge hoch, auf einem Bus weiter über Stock und Stein. Immer kleiner wird die Kiste und alle haben ganz eigene Vorstellungen, was sich darin verbirgt. Doch verraten wird hier nichts!
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Bram Algoed
Buch
Bram Algoed, Pieter Gaudesaboos
Kamera
Bram Algoed
Schnitt
Bram Algoed
Produktion
Brecht Van Elslande
Ton
David Kamp
Sound Design
David Kamp
Musik
Boris Zeebroek
Animation
Eno Swinnen, Jeroen Ceulebrouck, William Lebrun
Filmstill When Adam Changes

When Adam Changes

Adam change lentement
Joël Vaudreuil
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Kanada
2023
94 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Adam ist 15, wird von seinen Mitschülern gemobbt und vom Mädchen seiner Träume ignoriert. Seine Großmutter, die ihn sein Leben lang mit fiesen Bemerkungen über sein Äußeres aufgezogen hat, nutzt den letzten Atemzug vor ihrem Tode, um ihm erneut seine vermeintlichen physischen Unzulänglichkeiten vor Augen zu führen. Auch die Aussicht auf die anstehenden Sommerferien kann Adams Stimmung kaum heben, denn sein Vater hat ihm zur Charakterbildung diverse unerquickliche Ferienjobs besorgt. Obendrein manifestieren sich Hänseleien und negative Kommentare bei Adam in seltsamen Verformungen seines Körpers, die zusätzlich für Stress und Spott sorgen.

Adam ist anders. Er bleibt außen vor, während die Menschen um ihn herum ihren gewohnten – ihren „normalen“ – Aktivitäten nachgehen. Er beobachtet, wie seine Schwester von ihrem Freund betrogen wird, muss die fanatische Akkuratesse seines Nachbarn bei der Rasenpflege ertragen und entdeckt, dass ein Bewohner seiner Straße Beutel mit Hundefäkalien in die Äste der Alleebäume wirft. Je deutlicher der alltägliche Wahnsinn um ihn herum zutage tritt, desto mehr entpuppt sich Adam als empathischer und reifer junger Erwachsener. Er, den andere für einen seltsamen Sonderling halten, hat entgegen aller Behauptungen sein Leben im Griff.
Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Joël Vaudreuil
Buch
Joël Vaudreuil
Schnitt
Joël Vaudreuil
Produktion
David Pierrat, Olivier Picard
Ton
Olivier Calvert
Sound Design
Olivier Calvert
Musik
Joël Vaudreuil
Animation
Nicolas Moussette, Hrsito Karastoyanov
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2021

When Light Is Displaced

Zaina Bseiso
Ein von Gentrifizierung bedrohter Orangenhain im suburbanen Los Angeles wird zum Ausgangspunkt einer Diskussion darüber, wie realistisch Dokumentarfilm sein kann, darf und sollte.
Media Name: 670c86d7-4388-449b-bda1-2cc44acfef6b.jpg
Media Name: 670c86d7-4388-449b-bda1-2cc44acfef6b.jpg

When Light Is Displaced

When Light Is Displaced
Zaina Bseiso
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2021
Dokumentarfilm
USA
2021
7 Minuten
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Zaina Bseiso verknüpft in ihrer leichtfüßigen filmischen Miniatur das Verschwinden des letzten Orangenhains aus den Vororten von Los Angeles mit dem Schicksal der aus Palästina stammenden Jaffa-Orangen. Als sie ihren Vater in ein Gespräch über dieses inhaltlich-künstlerische Konzept verwickelt, wird daraus eine Diskussion über die Frage, wie ein guter Dokumentarfilm sich der Realität nähern kann und warum wir – bei allem Realismus – niemals die Kraft der Illusion unterschätzen dürfen.
Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Zaina Bseiso
Buch
Zaina Bseiso
Kamera
Zaina Bseiso, Luis Gutierrez Arias
Schnitt
Zaina Bseiso
Produktion
Luis Gutierrez Arias, Zaina Bseiso
Ton
Sarah Ibrahim, Gavati Wad
Musik
Brian Griffith
Animation
Adam Wand, Jordan Wong
Camera Lucida 2022

When There Is No More Music to Write, and Other Roman Stories

Éric Baudelaire
Eine opulente filmische Collage, die um das Schaffen des Komponisten Alvin Curran und das menschliche Bedürfnis kreist, sich mithilfe von Musik in der Welt zurechtzufinden.
Filmstill When There Is No More Music to Write, and Other Roman Stories
Filmstill When There Is No More Music to Write, and Other Roman Stories

When There Is No More Music to Write, and Other Roman Stories

When There Is No More Music to Write, and Other Roman Stories
Éric Baudelaire
Camera Lucida 2022
Dokumentarfilm
Frankreich
2022
59 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Die Entführung und Ermordung des Politikers Aldo Moro; vier aufgeschlitzte Reifen, die einem Blumenhändler das Leben retten sollten; der verschollene Soundtrack zu Antonionis Spielfilm „Zabriskie Point“; das Aufeinandertreffen zweier Avantgarde-Komponisten; Archivmaterial und Found Footage – das sind die Bestandteile dieses „frei komponierten“ Films, der von der Stadt Rom durchdrungen ist und den menschlichen Drang zur steten Rebellion gegen die These vom Ende der Geschichte stellt.
Musik ist für den US-amerikanischen Elektronik-Komponisten Alvin Curran, dessen Gedanken- und künstlerische Welt im Zentrum von Éric Baudelaires ausnehmend reichhaltiger Collage steht, ein Vehikel, welches uns an Orte trägt, die wir nie zuvor bereist haben. In Rom, wo sich Curran in den 1960er Jahren niederließ, begegnete ihm damals der um einiges erfahrenere Berufskollege Franco Evangelisti und schockierte ihn mit der Frage: „Wissen Sie denn nicht, dass es gar keine Musik mehr zu schreiben gibt?“ Baudelaires kongeniale Montage von Film- und Tonfragmenten legt nahe, dass Currans Solo-Werk – wie auch seine Arbeiten mit dem bahnbrechenden Kollektiv „Musica Elettronica Viva“ – die Antwort auf Evangelistis Frage ist: Wir müssen uns die Welt immer wieder neu zusammensetzen.
Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Éric Baudelaire
Kamera
Éric Baudelaire
Schnitt
Claire Atherton
Produktion
Éric Baudelaire
Ton
Éric Lesachet
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2022

When Will the Winter of 2022 End?

Hanna Trofimova
Das Videotagebuch einer Kyjiwer Künstlerin, die angesichts des Kriegsalltags zwischen Angst, Agonie und Aktionismus schwankt. Dafür findet sie berührende Worte und Bilder.
Filmstill When Will the Winter of 2022 End?
Filmstill When Will the Winter of 2022 End?

When Will the Winter of 2022 End?

Koly zakinchyt’sya zyma 2022?
Hanna Trofimova
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2022
Dokumentarfilm
Ukraine
2022
23 Minuten
Ukrainisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Mit diesem persönlichen Videotagebuch aus Kyjiw gelingt es der Künstlerin Hanna Trofimova, ein Stück weit nachvollziehbar zu machen, wie der Krieg das Leben und den Alltag infiltriert und zerstört – selbst dann, wenn die eigene Wohnung noch nicht durch eine Bombe getroffen wurde. Bilder aus der beklemmenden „Normalität“ zwischen Sirenenalarm und Explosionen verbinden sich mit den berührenden Worten einer jungen Frau, die versucht, sich und ihr Dasein nicht ganz an die neue Realität zu verlieren.
Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Hanna Trofimova
Kamera
Hanna Trofimova
Schnitt
Hanna Trofimova
Produktion
Hanna Trofimova
Ton
Hanna Trofimova
Animation und Musique Concrète 2021

Where Is Eva Hipsey?

Orla McHardy
Eine ältere Dame frönt ihrer audiophilen Obsession. Während ihrer Abwesenheit nimmt sie den Klang ihres Hauses auf unzähligen C60-Kassetten auf, um ihn sich später anzuhören.
Media Name: a5e6911d-3f2b-4e41-8724-7fcea0dbcee8.jpg
Media Name: a5e6911d-3f2b-4e41-8724-7fcea0dbcee8.jpg

Where Is Eva Hipsey?

Where Is Eva Hipsey?
Orla McHardy
Animation und Musique Concrète 2021
Animationsfilm
Irland
2016
8 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Eine ältere Dame frönt ihrer audiophilen Obsession. Während ihrer Abwesenheit nimmt sie den Klang ihres Hauses auf, um ihn sich später anzuhören. Ein Leben aus Zufalls- und Umweltgeräuschen, versammelt auf unzähligen C60-Kassetten. Diese poetische Collage aus Negativfilm, Fotos, Trockenblumen, Animation und Klängen offenbart ein großes Herz für Eva Hipsey – und für verschrobene Amateuraufnahmen.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Orla McHardy
Buch
Justin Spooner
Kamera
Orla McHardy
Schnitt
Orla McHardy
Produktion
Nicky Gogan
Ton
Justin Spooner
Musik
Justin Spooner
Animation
Orla McHardy, Allison Zigadlo, Moaz Elemam, Micah Weber
Sprecher*in
Olwen Fouéré
Filmstill Where the Jasmine Always Blooms

Where the Jasmine Always Blooms

Where the Jasmine Always Blooms
Husein Bastouni
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Deutschland
2024
10 Minuten
Arabisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Eine dürftig beleuchtete, karg eingerichtete Wohnung, das Tonrauschen und Surren eines offenen Mikrofons. Es folgt ein Streitgespräch auf Arabisch zwischen Mutter und Sohn. Sie beschwert sich über seine Lethargie. Er sieht keinen Sinn in der Schule, wenn das Land im Krieg ist. Schließlich macht sich der Junge auf den Weg durch die belebten Straßen seiner Nachbarschaft, die chaotisch aus Alltag und Kriegstrümmern zusammengeflickt sind.
Husein Bastouni rekonstruiert mit einer 3D-Grafiksoftware aus seinen persönlichen Erinnerungen heraus die Situation im palästinensischen Flüchtlingsviertel Jarmuk in Süddamaskus, als das Gebiet im Syrienkrieg zwischen die Fronten geriet. Visuell und akustisch – ja, fast sogar olfaktorisch – zieht einen sein Film von den ersten Sekunden an mit erschreckender Unmittelbarkeit und doch poetisch in diese Lebenswelt hinein. In einem Schockmoment werden der Rhythmus langsamer, die Bilder spärlicher, aber die Reflexionen des Protagonisten glasklar. In der Stille der Gedanken gleitet der Blick wie bei einem Tauchgang durch eine versunkene Stadt und ein verlorenes Zuhause.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Husein Bastouni
Kamera
Johanna Schreiner
Produktion
Husein Bastouni
Animation
Husein Bastouni
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Where Zebus Speak French

Where Zebus Speak French

Sitabaomba
Nantenaina Lova
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Burkina Faso,
Frankreich,
Deutschland,
Madagaskar
2023
103 Minuten
Französisch,
Malagasy
Untertitel: 
Englisch

Ob Bauer Ly etwas mit den Chinesen zu tun habe, die sich neuerdings an der Infrastruktur des Dorfes Sitabaomba, unweit der madagassischen Hauptstadt Antananarivo, zu schaffen machen, fragt Regisseur Nantenaina Lova so unverblümt wie verschmitzt. Ly verneint. Dass die verschiedenen Entwicklungsmaßnahmen, häufig eingeleitet von ausländischen Initiativen und befeuert durch korrumpierte Politik, jedoch auch ihn betreffen, wird im Verlauf von „Where Zebus Speak French“ immer klarer.

Fokussiert auf Sitabaomba, zeigt Lova über mehrere Jahre hinweg den Versuch der Dorfbevölkerung, ihr Ackerland zu verteidigen. Ihr Kampf erinnert an den von David gegen Goliat, führt jedoch nicht zu Verzagtheit. Denn in Madagaskar wird seit jeher auch eine sehr eigenständige Form des künstlerischen Ausdrucks, insbesondere des sprachlichen, gepflegt, der es im besten Fall vermag, eine innere Unabhängigkeit zu bewahren. So liefert den Kommentar zum Geschehen eine Stimme im Stil der „Kabary“. Diese höfliche, rhetorisch ausgefeilte und bisweilen spöttische Rede umschifft direkte Kritik elegant und trägt sie damit umso deutlicher vor. Auch ein Künstler besucht wiederholt das Dorf, bringt mit Kindern Steine zum Sprechen und festigt so eine Haltung, die Nantenaina Lova selbst folgendermaßen beschreibt: „Über Ungerechtigkeit lachen, statt zu weinen, Widerstand leisten, statt sich zu bemitleiden.“

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nantenaina Lova
Buch
Nantenaina Lova, Eva Lova-Bély
Kamera
Nantenaina Lova, Nantenaina Fifaliana
Schnitt
Nantenaina Lova, Emmanuel Roy
Produktion
Eva Lova-Bély, Candy Radifera
Co-Produktion
Nicole Gehards, Nina Fernandez, Michel Zongo
Ton
Jonathan Narlysh Rafidiarison, Nantenaina Fifaliana
Sound Design
Julien Verstraete
Musik
Various Malagasy Music Bands
Animation
Herizo Ramilijaonina
Sprecher*in
Claudia Tagbo
Ausgezeichnet mit: Filmpreis Leipziger Ring
Hommage Peter Mettler 2023

While the Green Grass Grows

Peter Mettler
Was erkennen wir, wenn wir auf unser Leben zurückblicken, auf den Lebenszyklus und den konstanten Wandel der Welt? Ist das Gras auf der anderen Seite tatsächlich immer grüner?
Filmstill While the Green Grass Grows
Filmstill While the Green Grass Grows

While the Green Grass Grows

While the Green Grass Grows
Peter Mettler
Hommage Peter Mettler 2023
Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2023
166 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Deutsch

Ein Film, der uns Achtsamkeit lehrt. In seinem audiovisuellen Tagebuch nimmt der preisgekrönte schweizerisch-kanadische Filmemacher Peter Mettler Abschied von seiner Mutter und von seinem Vater. Der Film geht jedoch weit über eine persönliche Trauerarbeit hinaus. In einer stets dialogisch ausgerichteten Suchbewegung über den Lebenszyklus denkt er über das Diesseits und das Jenseits, über das Sein und die Zeit nach. Es ist ein ewiger Kreislauf und ein Fließen – wie das fortwährende Vorbeiziehen von Wolken und Flüssen.

Visuell und inhaltlich schöpft Peter Mettler aus persönlichen Gesprächen, aus philosophischen und spirituellen Texten wie auch aus seinem eigenen Film- und Soundarchiv. Sein Zugang ist geprägt von Offenheit und Demut gegenüber dem Leben und der Natur. Diese aufmerksame Haltung charakterisiert die Auffassung des Regisseurs vom „Filme Machen“ per se, die sein ganzes Werk bestimmt. „While the Green Grass Grows“ umfasst zwei Teile eines größer angelegten epischen Tagebuchprojekts mit gleichnamigem Titel.

Annina Wettstein

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Peter Mettler
Buch
Peter Mettler
Kamera
Peter Mettler
Schnitt
Jordan Kawai, Peter Mettler
Produktion
Cornelia Seitler, Peter Mettler, Brigitte Hofer
Ton
Peter Mettler
Sound Design
Jordan Kawai
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube Langfilm (Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm)
Media Name: fd687421-ce9f-4f01-9f3c-809bd2522279.jpg

Whistle Stop

Whistle Stop
Martin Arnold
Animation und Musique Concrète 2021
Animationsfilm
Österreich
2014
4 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Daffy Duck ist in einem Animationsloop gefangen. Martin Arnold seziert die industrielle, hocharbeitsteilige Zeichenanimation, bei der Körperteile der Figuren auf Folienebenen vereinzelt, in Schleifen und außerhalb ihres Habitats, getrennt von den Hintergründen bewegt werden. Daffys Schnabel flattert, seine Flügelhände geistern im schwarzen Nichts. Eine künstlerische, eine psychologische Studie.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Martin Arnold
Animation
Martin Arnold