Filmarchiv

Filmstill Better Go Mad in the Wild

Better Go Mad in the Wild

Raději zešílet v divočině
Miro Remo
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2025
82 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch
Auf einem abgeschiedenen Hof im Böhmerwald, inmitten rauer Landschaft, leben zwei streitlustige Brüder mit beträchtlichen Vollbärten: Dass dieses Setting fast alttestamentarisch wirkt, fällt Franta und Ondra an einer Stelle selbst auf. Wer Kain und wer Abel in diesem Szenario sein könnte, darüber werden sie sich nicht einig. Überhaupt sind sie selten einer Meinung: Der tägliche Zwist ist die große Konstante im Alltag der eineiigen, sonst aber ungleichen Zwillinge. Wenn Franta das nächste halsbrecherische Abenteuer unternimmt, will Ondra nichts sehnlicher als in Ruhe rauchen. Hin und wieder tauschen sie aber auch Umarmungen und Nasenküsse aus. Mit Anfang 60 verbringen Franta und Ondra ihre Zeit mit der Feldarbeit, treiben Schabernack mit den Tieren oder duellieren sich im Armdrücken mit links. Dass Franta seinen rechten Unterarm bei einem Unfall verlor und die Zwillinge 1989 an der Revolution in der Tschechoslowakei mitwirkten, gehört zu einer vermeintlich weit entfernten Vergangenheit. Mit einem Hausrind als Erzähler, dem Leitmotiv eines riesigen Spiegels und klassischem Soundtrack findet Miro Remo eine wunderbare Form für das Porträt dieser eigenwilligen Menschen.
Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Miro Remo
Buch
Aleš Palán, Miro Remo
Kamera
Dušan Husár, Miro Remo
Schnitt
Máté Csupor, Šimon Hájek
Produktion
Tomáš Hrubý, Tomáš Hrubý, Miro Remo, Pavla Janoušková Kubečková
Ton
Lukáš Kasprzyk
Sound Design
Lukáš Kasprzyk
Musik
Adam Matej
Filmvertrieb
Michaela Čajková
Ausführende Produktion
Veronika Marekova
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill Blueberry Dreams

Blueberry Dreams

Lurji motsvi
Elene Mikaberidze
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Georgien,
Frankreich,
Belgien,
Katar
2024
76 Minuten
Georgisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Im Norden von Georgien, zwölf Kilometer entfernt von der russisch beeinflussten Region Abchasien, verwirklicht eine Familie ihren Traum. Unter dem zuversichtlichen Motto „Pflanzt die Zukunft“ legte die georgische Regierung ein Förderprogramm auf, das den Menschen des seit Jahren von Kriegen und Krisen geschüttelten Staates einen Neustart auf eigenem Ackerland ermöglicht. Mit dieser Unterstützung wagt Soso, Ingenieur im Ruhestand, 2021 mitsamt Frau und zwei jungen Söhnen den großen Schritt und beginnt mit dem Anbau von Blaubeeren.
Regisseurin Elene Mikaberidze und eine dynamisch geführte Kamera begleiten das mutige Unterfangen der Landwirtschaftsneulinge, die sich Monat um Monat in ihr noch ungewohntes Leben einarbeiten. Abends vertreiben sie sich die Zeit mit Spielen und Gesprächen. Im Hintergrund läuft der Fernseher: Bilder aus der überfallenen Ukraine, Nachrichten von der Eskalation im Nahen Osten, bei den Erwachsenen werden Erinnerungen an den Kaukasuskrieg vor sechzehn Jahren wach. Familienoberhaupt Soso blickt nachdenklich auf seine Heimat inmitten der sich zuspitzenden politischen Weltlage. Für welche Träume ist darin noch Platz? Mutter Nino sorgt sich um die Zukunft der Kinder. Sie wünscht ihnen die Freiheit, ihren eigenen Weg zu gehen, in die Ferne zu reisen und Georgien hinter sich zu lassen. Ob diese Vorstellungen mit denen von Soso übereinstimmen, bleibt abzuwarten.
Em Johrden

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Elene Mikaberidze
Buch
Elene Mikaberidze
Kamera
Patrick Wendt
Schnitt
Yannick Leroy, Phillipe Boucq
Produktion
Elene Margvelashvili
Co-Produktion
Baptiste Brunner, Isabelle Truc
Ton
Elene Mikaberidze
Sound Design
Marco Pascal
Broadcaster
Al Jazeera Documentary, Tënk, RTBF, Georgian Public Broadcaster
Nominiert für: MDR-Filmpreis
Filmstill Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tiberias

Bye Bye Tibériade
Lina Soualem
Publikumswettbewerb 2023
Dokumentarfilm
Frankreich,
Palästina,
Belgien,
Katar
2023
82 Minuten
Französisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Die in Frankreich lebende Schauspielerin Hiam Abbass ist einer der größten Filmstars aus dem Nahen Osten. Sie übernahm Hauptrollen in den prämierten Filmen des israelischen Regisseurs Eran Riklis, spielte in Steven Spielbergs „München“ und kürzlich im US-Serienhit „Succession“. Sie saß in der Jury der großen Festivals in Cannes und Berlin, stellte ihr eigenes Regiedebüt in Venedig vor. Sie ist aber auch: Mutter, Tochter und Schwester in einer großen palästinensischen Familie voller tatkräftiger Frauen. In dieser realen Rolle tritt sie im Werk ihrer Tochter Lina Soualem vor die Kamera und reist zurück in ihren Heimatort Deir Hanna im Norden von Israel – ein arabisches Dorf im jüdischen Staat.

„Öffne nicht das Tor zu vergangenen Sorgen“, zitiert die Regisseurin eine Art Dogma ihrer Verwandten. Es bezieht sich unter anderem auf die traumatische Vertreibung der Familie aus Tiberias, der Stadt am See Genezareth, im Palästinakrieg von 1948. Doch Soualem öffnet mit ihrer Konfrontation der familiären Geschichte auch Tore zu vergangenen Freuden und vermeintlich abgelegten Identitäten. Zwischen Home-Videos, historischen Archivaufnahmen, Fotos und Briefen zeigt Abbass eine berührende und nahbare Leinwandpräsenz in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Der lange Schatten der eigenen Herkunft fällt auch auf eine Frau von Welt.
Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Lina Soualem
Buch
Lina Soualem, Nadine Naous, Gladys Joujou
Kamera
Frida Marzouk
Schnitt
Gladys Joujou
Produktion
Jean-Marie Nizan
Co-Produktion
Guillaume Malandrin, Ossama Bawardi
Ton
Ludovic Escallier, Lina Soualem
Sound Design
Julie Tribout, Benoit Biral, Rémi Durel
Musik
Amine Bouhafa
Filmvertrieb
Anna Berthollet
Redaktion
Rasha Salti