Filmarchiv

Land (Film Archive)

Filmstill The Family Approach

Im Prinzip Familie

Im Prinzip Familie
Daniel Abma
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
91 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
Wenn Eltern ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen können, stürzt für die Kinder oft die ganze Welt zusammen. Nichts bleibt, wie es war. Plötzlich sind nicht mehr Mama oder Papa zuständig, sondern das Jugendhilfesystem. Daniel Abma hat eine Wohngruppe im ländlichen Raum über mehrere Jahre begleitet. Er zeigt professionelle Erziehende, die fünf Jungs zwischen sieben und vierzehn Tag für Tag geben wollen, was sie am Dringendsten brauchen: Geborgenheit, Orientierung, ein Zuhause.
Der dokumentarische Fokus richtet sich nicht auf die Kinder, sondern auf all jene, die anstelle der Eltern treten und manchmal an Don Quichote im Kampf gegen die Windmühlen erinnern. Denn zwischen Schule, Jugendamt, abwesenden Müttern und Vätern entsteht Verantwortungsdiffusion. Wenn Erwachsene Verabredungen nicht einhalten, wenn Zuständige vor rassistischem Mobbing kapitulieren und eine „Auszeit“ – für den gemobbten Jungen – in der Psychiatrie vorschlagen, fehlen einem die Worte. Es wäre leicht, diese Mechanismen an den Pranger zu stellen. Doch darum geht es Daniel Abma nicht. Seine gleichermaßen zugewandte wie zurückhaltende Beobachtung blickt fragend in die Lücken des Systems – mit denen, die hindurchzufallen drohen, und mit denen, die sie durch Zuneigung zu füllen versuchen. Er lässt uns ahnen: Die Antwort ist kein lückenloseres System. Es sind Menschen, die für andere Menschen da sind und Verantwortung übernehmen.
Luc-Carolin Ziemann

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Regie
Daniel Abma
Buch
Daniel Abma
Kamera
Johannes Praus
Schnitt
Jana Dugnus
Produktion
Britta Strampe, Laura Klippel
Ton
Alexandra Praet, Christoph Walter
Sound Design
Alexandra Praet, Roman Pogorzelski
Musik
Henning Fuchs
Deutscher Filmverleih
Camino Film
Broadcaster
Rolf Bergmann, Dagmar Mielke
Redaktion
Rolf Bergmann, Dagmar Mielke
Funding institution
Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, Deutscher Filmförderfond, BKM - Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, FFA Filmförderungsanstalt
Nominiert für: VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, DEFA Förderpreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Ausgezeichnet mit: Gedanken-Aufschluss-Preis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024

In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen

David Kind
Familienfotos. Das Gesicht einer Frau wird zerkratzt oder übermalt. Dazu fragmentarische Schilderungen der plötzlichen Ausbrüche der Mutter. Annäherung an das Trauma einer Gewalterfahrung.
Filmstill There Are Many Doors in My Mother’s Home
Filmstill There Are Many Doors in My Mother’s Home

In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen

In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen
David Kind
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
18 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
Wir alle kennen Fotos mit übermalten oder ausgeschnittenen Gesichtern. Wie ein Refrain wirkt die Hand, die Familienaufnahmen mit Stiften und anderen Gerätschaften bearbeitet und wiederholt eingeblendet wird. Die Auslöschungsversuche sind hörbar. Sie übertragen sich als Missklang auf den Körper. Zerkratzen, verfremden, wegmachen. Meistens den Kopf einer Frau.
Auch wenn der Erzähler in der dritten Person spricht, auch wenn die Hand womöglich nicht die seine ist, könnten es eigene Erfahrungen sein. Im Zentrum der eher fragmentarischen Schilderungen steht eine Mutter, die ihre Kinder prügelt und quält. Es ist eine Kindheit in permanenter Angst. Wie geht man mit den Erinnerungen und Narben im Erwachsenenalter um? Lässt sich das Erlebte überhaupt mit Worten fassen? Warum sind einem die Geschwister, die dasselbe Leid erlitten haben, seltsam fremd? David Kinds essayistische Annäherung an das Trauma der Gewalterfahrung fällt fragend aus. Äußerst behutsam werden die titelgebenden Türen geöffnet.
Anke Leweke

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Regie
David Kind
Buch
David Kind
Kamera
David Kind
Schnitt
David Kind
Produktion
David Kind
Ton
Florian Puls, Fabian Habecker, Konrad Ruda
Sound Design
Konrad Ruda
Hommage: Isabel Herguera 2024

The Illustrated Woman

Isabel Herguera
Der animierte Kurzfilm dokumentiert einen Workshop mit Henna-Künstlerinnen. Während ihrer Arbeit erzählen sie Isabel Herguera von ihren Träumen: vom Fliegen oder von einem Frauenparlament.
Filmstill The Illustrated Woman
Filmstill The Illustrated Woman

The Illustrated Woman

La mujer ilustrada
Isabel Herguera
Hommage: Isabel Herguera 2024
Animationsfilm
Spanien
2023
9 Minuten
Spanisch,
Bengali
Untertitel: 
Englisch
Dieser animierte Kurzfilm dokumentiert einen Workshop mit Mehndi-Künstlerinnen in Ahmedabad. Während die Frauen gemeinsam fantastische Formen mit Hennafarben entstehen lassen, erzählen sie ihrer Tutorin Isabel Herguera, wovon sie träumen: vom Fliegen zum Beispiel, von einem Frauenparlament, von einer Reise in die Schweiz. Samira sehnt sich nach Unabhängigkeit – und verschafft sich Gehör mit einem Rap.
Franka Sachse

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Regie
Isabel Herguera
Buch
Isabel Herguera, Gianmarco Serra
Schnitt
Gianmarco Serra
Produktion
Diego Herguera
Sound Design
Gianmarco Serra
Hommage: Punto y Raya 2025

The Immortality of the Crab

Giacomo Manzotti
Eine filmische Tagträumerei aus Wellpappe und Farbe, aufgenommen mit einer Super 8 Kamera. Die Tonlandschaft sowie die Formen, Farben und Bildübergänge bewegen sich zwischen hart und zart. 
Filmstill The Immortality of the Crab
Filmstill The Immortality of the Crab

The Immortality of the Crab

The Immortality of the Crab
Giacomo Manzotti
Hommage: Punto y Raya 2025
Animationsfilm
Italien
2019
3 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Eine filmische Tagträumerei aus Wellpappe und Farbe, aufgenommen mit einer Super8-Kamera. Die Tonlandschaft besteht aus manchmal federleicht, manchmal nur mit letzter Kraft zu erklimmenden Hügeln. Zwischen hart und zart bewegen sich auch Formen, Kolorit, Bildübergänge und Rhythmen dieser Begegnung mit dem Papier, welche sowohl auf visueller als auch auf tonaler Ebene erfahrbar gemacht wird.
Franka Sachse

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Regie
Giacomo Manzotti
Filmstill The In-The-Head Film

The In-The-Head Film

The In-The-Head Film
Konstantin von Sichart
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Deutschland
2025
11 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
Großvaters töpfernde Hände, die vertikale Linearität eines Turmes, ein Zug, der in ein Auto rast – alles fragile, neugeborene Filmskizzen, die einander verdrängen in einem Überlebensspiel um die Aufmerksamkeit des Filmemachers. Diese Szenerien kämpfen gegeneinander, verweben sich zu neuen Strängen, versinken in endloser Informationsflut, zerbrechen in einem Meer geöffneter Browser-Tabs. Das Alter Ego des Regisseurs Konstantin von Sichart gewährt uns mit seinem authentischen Voiceover und seiner fesselnden Sammlung an Bewegtbildern einen tiefen Einblick in seinen kreativen Prozess. Von seiner Neurodivergenz geprägt, lernt er vor unseren Augen mit der eigenen Unfähigkeit, sich auf eins zu konzentrieren, umzugehen – und einen Sinn aus diesen Strömungen zu flechten, seiner Filmidee treu zu bleiben. Doch wie kann daraus überhaupt je ein Film entstehen?
Giftig-bunte Bilder, naiv gezeichnet und fein ausgearbeitet, KI-generiert, vom Monitor abgefilmt, collagiert, nachbearbeitet – die Fülle der Werkzeuge und ästhetischen Ansätze übersetzt die beschriebene Überforderung in die Sprache der Gestaltung. So wird der Film mehr als Selbstreflexion des modernen Filmemachens: Er ist das Porträt einer neuen Generation – gefangen zwischen dem Zwang, alles mitzubekommen und sich zu allem zu positionieren, und dem Drang, innezuhalten oder gar davonzulaufen.
Irina Rubina

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Regie
Konstantin von Sichart
Buch
Konstantin von Sichart
Kamera
Konstantin von Sichart
Schnitt
Henrique Cartaxo, Konstantin von Sichart
Produktion
Konstantin von Sichart
Sound Design
Konstantin von Sichart
Musik
Konstantin von Sichart, Joseph Varschen
Animation
Konstantin von Sichart
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Re-Visionen 2020

The Institute of the Dream

Mati Kütt
Der große Sandmann betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind.
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The Institute of the Dream

Une instituut
Mati Kütt
Re-Visionen 2020
Animationsfilm
Estland
2006
11 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Der Tag geht zur Neige und die Welt ist erschöpft. Die Stunde des großen Sandmanns hat geschlagen. Er betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind. Irgendwann spürt dann vielleicht ein jeder Mensch, dass es mehr Ding’ zwischen Nacht und Tag gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt.
Ralph Eue

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Mati Kütt
Buch
Mati Kütt
Kamera
Urmas Jõemees
Schnitt
Mati Kütt, Urmas Jõemees
Produktion
Nukufilm
Ton
Horret Kuus
Musik
Andres Tenusaar
Animation
Märt Kivi
Internationaler Wettbewerb 2022

The Invisible Frontier

Mariana Flores Villalba
Auf einer paradiesischen Pazifikinsel schieben mexikanische Armeeangehörige Dienst. Keine Vorkommnisse. Dennoch können sie die gewaltsame Realität ihres Landes nicht vergessen.
Filmstill The Invisible Frontier
Filmstill The Invisible Frontier

The Invisible Frontier

La frontera invisible
Mariana Flores Villalba
Internationaler Wettbewerb 2022
Dokumentarfilm
Mexiko
2022
84 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
Auf einer unbewohnten Insel vor der mexikanischen Pazifikküste schieben Armeeangehörige ihren ereignislosen Dienst. Der Film beobachtet sie beim Training und bei alltäglichen Verrichtungen, vor allem aber in den Pausen, die sie mit Brettspielen unter schattigen Bäumen, in der Hängematte, beim Schwimmen, Drachensteigen oder mit Karaoke verbringen. Die friedvolle Umgebung täuscht jedoch nicht über die gewaltsame Realität ihres Landes hinweg, der sie sich auch hier draußen unentwegt stellen müssen.
In der paradiesisch erscheinenden Insellandschaft ist der von Bandenkämpfen geprägte Alltag, dem die jungen Männer und Frauen auf unbestimmte Zeit entrinnen, nur vermittels metaphorischer Bilder zu sehen – wenn etwa der stille Ozean sich stürmisch aufbäumt, oder wenn ein am Strand gefangener Oktopus mit bloßen Händen geschlachtet wird. In den Gesprächen, den Selbstzeugnissen der Militärs aber kreist alles um die Wirklichkeit, in der sie aufgewachsen sind: den kurzen Moment, in dem sich bestimmt, auf welcher Seite man steht, das ständige Versteckspiel, die Sippenhaft, die grausamen Konsequenzen falscher Entscheidungen. In ihrem von der Spannung zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren getragenen ersten langen Dokumentarfilm hat Mariana Flores Villalba klug entschieden, nicht das Ereignis zu zeigen, sondern seine Wirkung.
Christoph Terhechte

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Mariana Flores Villalba
Kamera
Claudia Becerril Bulos
Schnitt
Astrid Rondero, Mariana Flores Villalba
Produktion
Carlos Hernández, Gabriela Gavica Marrufo
Co-Produktion
Centro de Capacitación Cinematográfica, A.C., Imcine Foprocine
Ton
Eduardo Hernández, Israel Hernández, Adriá Campany, José Luis “Checho” Bravo
Musik
Federico Schmucler
Nominiert für: Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis