Ariel und Paul ahnen nicht, dass die langweilige TGV-Fahrt einen Psychotrip für sie bereithält. Ein Film über Urängste, die Macht des Unterbewusstseins und den Hochmut, Gott zu spielen.
Die Zugfahrt ist sterbenslangweilig. Die Landschaft rauscht sirrend als abstraktes Farbkaleidoskop vorbei, und Ariel und Paul vertreiben sich die Zeit, indem sie füreinander ihre schlimmsten Albträume zeichnen. Bei Paul ist es die auf offener See auf ihn zuschwimmende Mutter, die ihn unter Wasser reißt, bei Ariel die Konfrontation mit einer psychotischen Frau in der Badewanne. Was als Spiel beginnt, entwickelt plötzlich unheimliche Züge, als sich die mitreisende Gilda dazu setzt – und dann davon erzählt, dass ihr das Unheimlichste überhaupt passiert sei. Sie habe ihren dementen Mann im Schlaf hypnotisiert. Derjenige, der ihr dann antwortete, sei niemand Geringeres als Gott gewesen. Ein ungehaltener Gott, ein verstimmter Gott, und schließlich ein regelrecht erzürnter Gott, denn sie habe partout nicht aufhören wollen, ihren schlafenden Mann zu fragen: Warum existieren wir? Mit einem unglaublich präzisen Sinn für den Moment, in dem das Profane plötzlich Horrorpotenzial entwickelt, nimmt uns Jocelyn Charles mit auf einen großartigen Psychotrip. Dabei überlässt es der Regisseur dem Publikum, ob man den 2D-animierten Film einfach als pointierte Genre-Unterhaltung schaut, oder ob man die Untertöne mitnimmt: die Hybris, als Mensch ständig Gott spielen und jedes Mysterium aufklären zu wollen, beispielsweise. Eine Hybris, die nicht ohne Folgen bleibt.
Wie kann man auf die Gräuel, die sich tagtäglich in der Welt ereignen, mit Kunst antworten? Leon Golub gibt Einblicke in sein New Yorker Atelier und zeigt seine schonungslos politische Malerei.
Wie hängen Kunst und gesellschaftliche Wirklichkeit zusammen? Wie kann man auf die Gräuel, die sich tagtäglich in der Welt ereignen, mit Kunst antworten? Ab wann ist Kunst politisch, ab wann vom Markt korrumpiert? In seinem New Yorker Atelier arbeitet Leon Golub (1922–2004) an riesigen Leinwänden, nimmt sich Pressefotos als Vorlagen, destilliert Gesten daraus, trägt Farbe auf, trägt sie ab, schabt vormals Verdecktes frei. Das hat etwas Gewaltsames – wie die martialischen Motive seiner Werke. Sie zeigen Erschießungen, Folterungen oder fratzenhafte Gestalten, die an ihren unmenschlichen Taten Gefallen finden. Es sind Motive, wie sie normalerweise der Investigativjournalismus zu Kriegszeiten zutage fördert. Nun hängen sie im vermeintlich alltagsbefreiten Ausstellungsraum – und schockieren.
Der Film begleitet Vilma an ihrem letzten Wochenende in ihrer Heimatstadt Tornio, einem kleinen Ort in Lappland. Ganz bald zieht sie weit weg in die Großstadt Helsinki.
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Der Film begleitet Vilma an ihrem letzten Wochenende in ihrer Heimatstadt Tornio, einem kleinen Ort in Lappland. Sie feiert ihren Schulabschluss, verbringt eine schöne Zeit in sommerlicher Unbeschwertheit mit Familie und Freunden und verabschiedet sich von ihrem alten Leben. Ganz bald ist sie weit weg. Ihr neues Zuhause wird die Großstadt Helsinki, zehn Autostunden von Tornio entfernt.
In dieser hybriden Mischung aus Animation und Dokumentarfilm reflektieren vier ältere Frauen ihre Erinnerungen an Zeiten, als die Beziehungen zwischen den Geschlechtern völlig anders waren.
In dieser hybriden Mischung aus Animation und Dokumentarfilm reflektieren vier ältere Frauen ihre Erinnerungen an alte Zeiten, als sie noch jung und die Beziehungen zwischen den Geschlechtern völlig anders waren. Ihre vielen Stimmen verschmelzen zu einer einzigen: Großmutter Vera spricht. Sie erzählt ihre Geschichte in sämtlichen Details, gibt Einblick in die Turbulenzen ihrer Jugend und teilt Erinnerungen an ihr Intimleben mit. Sie spricht stellvertretend für die slowenischen Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und veranschaulicht deren Status in den geschlechtlichen und sozialen Hierarchien dieser Epoche.
Osario und Benedito leben in einem Raum, in dem es scheinbar keine Schwerkraft gibt. Ihr Kosmos kennt kein Oben oder Unten. Aber ist die ganze Leichtigkeit doch nur eine Illusion?
Osario und Benedito, zwei Brüder, führen ein ruhiges und isoliertes Leben. In ihrem Kosmos scheint es keine Schwerkraft zu geben. Gegenstände fliegen umher – kein Oben, kein Unten, keine Anhaltspunkte für die Orientierung. Die beiden kennen nichts anderes als dieses Schweben im Raum. Wir schweben mit und sind irritiert: Ist die ganze Leichtigkeit nur eine Illusion?
Minimalistische Eloge auf die Malerin Luchita Hurtado, die ihren Durchbruch erst im Alter von 97 Jahren erlebte. Ein Film in Herbstfarben über eine Frau im Einklang mit der Natur.
Zeit ihres Lebens bildende Künstlerin, erlebte Luchita Hurtado ihren Durchbruch wider Willen erst im Alter von 97 Jahren. „Green Turns Brown“ ist eine minimalistische Eloge auf die öffentlichkeitsscheue Malerin. Gedreht auf Super-8-Material in ihren letzten Lebensmonaten, zeichnet der in Herbstfarben schwelgende Film das Bild einer mit der Natur in Einklang stehenden Frau, die den Tod nicht als Ende sieht, sondern als Grenzübertritt. „Das Leben geht weiter.“
Die Oder entlang: Es stellen sich virulente Fragen zu Heimat und Gemeinschaft, Alltag und Politik, die, in souveräner Beiläufigkeit formuliert, einen Befund zur Gegenwart liefern.
Die Oder: eine historische und kulturelle Landschaft, die die Zeitläufe des vergangenen Jahrhunderts ein ums andere Mal umgepflügt haben. Eine Erzählung in konzentrischen Kreisen über eine Region, in der sich Anfang, Ende und offenes Mittendrin freiwilliger und unfreiwilliger Völkerwanderungen abspielten und weiterhin abspielen. Virulente Fragen zu Alltag und Politik, die, in souveräner Beiläufigkeit gestellt, einen belastbaren Befund über die Gegenwart liefern.
Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit „Grenzland – Eine Reise“ von 1992 an. Das aufgeladene Wort „Heimat“ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen. Da begegnet die Suche nach Nähe dem Insistieren auf Abstand. Da wird Kommunikation über Zugehörigkeit fadenscheinig, weil die Sprache der Körper anderes sagt als das gesprochene Wort. Als Kinofilm, dem es nicht an der Verabreichung politisch korrekter Trennkost gelegen ist, provoziert „Grenzland“ Erfahrungen und ermöglicht Begegnungen.
Ein karierter Herr, ein freundlicher Gruß, ein Lob auf das Reisen ins südliche Ausland – und dann eine animierte Eskalation von allem, was seit Langem einmal gesagt werden musste.
Ein kurzes Ja und ein langes Aber. Ein Herr im Karohemd grüßt freundlich und schwärmt vom Reisen ins südliche Ausland. Aber wenn er zurückkommt, dann hat es diese südlichen Ausländer, ja, in die Schweiz geschwemmt. Das ist nicht gut. Gar nicht gut! Jeder Satz gibt dem darauffolgenden Feuer. Je länger die Hasstirade dauert, desto röter und böser wird der ansonsten freundliche, karierte Herr.
Ein sommerlicher Sonntag auf einem Rastplatz. Die Lastwagen stehen still. Die Fahrer dösen, kochen, schauen in die Luft. Ein Telefonat mit der Familie sorgt für innere und äußere Bewegung.
Die Autobahn rauscht im Hintergrund, noch ist es dunkel auf dem Rastplatz. Ein Lkw-Fahrer raucht, ein anderer schaltet das Licht in seiner Schlafkoje ein. Ein sommerlicher Sonntag bricht an, alles steht still. Präzise gestaltete Detailaufnahmen nehmen uns mit in einen Zustand des Wartens. Auch so kann der Alltag on the road aussehen. Kochend, dösend, in die Luft schauend. Haare werden kurz geschoren, Worte gewechselt. Aus einem Cockpit erschallen polnische Schlager.
Das Leben scheint wie weggeblendet. Und doch findet es statt. Einer der Männer streift durch den Wald, er ruft zu Hause an. Plötzlich ist eine Familie im Bild präsent: Der Mann erinnert sich an einen Badeausflug, als die Kinder noch klein waren. Ein seltsam schöner Augenblick. Er hält sein Handy in die Luft, damit auch das Gegenüber am anderen Ende der Leitung den Specht hören kann.
Denkt man an das, was ein Denkmal einem zu Bedenken gibt? Ein erhellender Rundgang durch Leipzig, „Heldenstadt“ der Friedlichen Revolution, und die Graubereiche einer zeitnahen Erinnerungskultur.
Im Herbst 1989 verloren viele Leipziger*innen die Geduld mit der DDR. Binnen Wochen demonstrierten sie einen vierzigjährigen veränderungsresistenten Staatsapparat zugrunde. Nun ist ihre Geduld erneut herausgefordert: 2008 versprach der Bundestag der „Heldenstadt“ der Friedlichen Revolution ein Monument. Die Planungen laufen, und laufen … Leipzig erträgt das Warten gelassen, schließlich war man inzwischen nicht untätig. Gleich nach der Wiedervereinigung nahm die Bürgerschaft ihre Erinnerungskultur so energisch in die Hand, dass sich die Denkmäler mittlerweile stapeln. Beim Aufschauen zur Palmenkrone der Nikolaisäule heißt es aufpassen, um nicht auf eine Gedenktafel zu treten, in einen Gedenkbrunnen zu fallen, an eine Gedenkglocke zu stoßen. Klassizistisch? Figurativ? Abstrakt? In welcher Formensprache erzählt sich eine Stadt ihre eigene Geschichte, während sie beinahe noch passiert? Einheimische und Zugereiste durchstreifen den aktuellen Leipziger Denkmalbestand, einer bindet sich am großen Zeh der Bronzeplastik „Jahrhundertschritt“ die Schnürsenkel. Denken die Menschen an das, was Denkmäler ihnen zu bedenken geben? In die hintersinnig kadrierten und lakonisch präsentierten Stadtimpressionen mischen sich nicht nur Waren- und Hoheitszeichen gelebter Urbanität, sondern auch die Stimmen lokaler Kulturbeauftragter. Sie machen sich Gedanken: über das Für und Wider des beschleunigten Gedenkens.
Wie wird es mit dem Wagenplatz der Mollies weitergehen? Es ist der letzte Sommer für den queer-feministischen Lebensentwurf am Berliner Ostkreuz, bevor die Räumung des Wagenplatzes ansteht.
Träge und doch mit Nachdruck klopft der Sommer an die Türen eines Berliner Wagenplatzes. Dicht am trubeligen Knotenpunkt Ostkreuz stellt sich die Siedlung dem hektischen Treiben der Hauptstadt in den Weg. Eine grüne Oase. In diesem Sommer, zwischen den in voller Blüte und Frucht stehenden Pflanzen und Bäumen, wilden Sträuchern und liebevoll improvisierten Wohnstätten, müssen sich Aalo, Jone, Royce, Noah, Kï, Neo, Marlek und Steffen allmählich von ihrem trauten Zuhause verabschieden. Befreit von den heteronormativen Konventionen der Gesellschaft, lebte das Kollektiv Mollies hier über die Jahre einen queerfeministischen Gegenentwurf. Dane Komljen gelingt mit viel Ruhe, diesen erkämpften Freiraum erfahrbar zu machen, ihn als über die eigene Dauer hinausweisendes Momentum festzuhalten – obwohl sich die Räumung längst ankündigt. Baukräne erheben sich hinter den grünen Mauern in den Himmel, Abbruchgeräusche nähern sich, das Rattern der Züge, die Sirenen von Krankentransporten mischen sich in das emsige Summen der zahlreichen Insekten. Wie es für die Bewohner*innen weitergeht, bleibt offen. Doch der Herbst wird kommen, und mit dem Fallen der Blätter fällt auch der Wagenplatz den Bebauungsplänen der Stadt zum Opfer. Ein weiterer Möglichkeitsort für alternative Lebensweisen verschwindet.
Nazario, Begründer der spanischen Underground-Comic-Bewegung und Pionier der schwulen Graphic Novel, lässt sein bewegtes Leben, sein schrilles und explizites Werk Revue passieren.
Nazario, Begründer der spanischen Underground-Comic-Bewegung und Pionier der schwulen Graphic Novel, lässt sein bewegtes Leben, sein schrilles und explizites Werk Revue passieren. 16mm-Filme, Fotografien, Illustrationen und Gemälde dokumentieren den Aufbruchsgeist einer Gegenkultur, erzählen aber auch von Nazarios großer Liebe zu Alejandro, mit dem er bis zu dessen Tod zusammenblieb. Bei diesem Künstler gehen Profession und Leidenschaft ineinander über.
Wie wirkt sich die Allgegenwart von Krieg aufs Leben aus? In den Weiten der Wüste Utahs, wo die US-Armee neue Waffensysteme testet, sucht der Film nach Antworten im „American Way of“ Alltag.
In der kargen Wüste Utahs liegt die streng geheime militärische Testanlage Dugway. Hier probt die US-Armee den Krieg von morgen. Spezialisiert ist man auf Atomwaffen, chemische und biologische Kampfstoffe, darunter Anthrax und spezielle Nervengifte. Schon die Hiroshima-Piloten übten auf dem Gelände. An diesem Ort des Krieges jenseits der Kriegsgebiete treffen aufeinander: ein schwer traumatisierter Soldat, ein Militärseelsorger, ein Überlebender des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und ein Vater auf der Suche nach seinem vermissten Sohn. Sie alle sind stolz auf ihren American Way of Life und doch gleichzeitig von den Schrecken des Krieges gezeichnet. Denn der hat sich, auch in Utah, fernab konkreter Gefechte, unauslöschlich eingeschrieben – in die Seelen der Menschen wie ins kollektive Gedächtnis der USA, seit Jahrzehnten das Land mit den weltweit höchsten Militärausgaben.
Der bildgewaltige Film nähert sich seinen Protagonisten vorurteilsfrei und will erfahren, wie sie sich in einem Gesellschaftssystem bewegen, das Gewaltanwendung als Freiheitsrecht begreift. Was heißt es, wenn Waffen und die dazugehörigen Rituale zur Stärkung des familiären Zusammenhalts genutzt werden, wenn Schießübungen als Bonding-Maßnahme zwischen Vätern und Söhnen dienen? Und wenn über allem – unbeeindruckt von der alltäglichen Aufrüstung – die Angst schwebt und täglich tiefer ins Leben einsickert?
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Jasmin Herold, Michael David Beamish
Buch
Jasmin Herold, Michael David Beamish
Kamera
Claire Pijman
Schnitt
Claire Pijman
Produktion
Heino Deckert
Co-Produktion
Jasmin Herold, Michael David Beamish
Ton
Michael David Beamish
Sound Design
Michael Kaczmarek, Adrian Lo
Musik
Markus Aust
Filmvertrieb
Liselot Verbrugge
Deutscher Filmverleih
Michael Höfner
Nominiert für:
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts,
DEFA Förderpreis
100 Kilo Selbstzweifel: Ein Hüne nutzt Slam-Poetry zur Überwindung seiner Ängste. Der kleine Schritt für die Menschheit ist ein großer Sprung für einen schüchternen Riesen.
Diese verdammten Zweifel! Und ist nicht ein 100 Kilo schwerer Hüne, der feine Lyrik auf einer Bühne vorträgt, sowieso schon ein Widerspruch in sich selbst? Fast wäre er verstummt. Aber dann besiegte er die dröhnende Stille und machte die eigenen Ängste zum Gegenstand seiner Slam-Poetry-Performances. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Sprung für einen schüchternen Riesen.
Ralph Eue
Credits
Regie
Marcin Podolec
Buch
Marcin Podolec
Kamera
Marcin Gierbisz
Schnitt
Marcin Podolec
Produktion
Państwowa Wyższa Szkoła Filmowa, Telewizyjna i Teatralna, Fumi Studio
Eben noch an der Hand der Mutter … und auf einmal allein! Das Mädchen rührt sich nicht von der Straßenkreuzung. Alle müssen helfen, sogar der Ministerpräsident höchstpersönlich.
Schnelle gezeichnete Striche zappeln, mittendrin ein Mädchen auf einer wuseligen Straßenkreuzung, eben noch an der Hand der Mutter … und auf einmal allein! Aber was hat die Mama gesagt: Falls wir uns verlieren, bleibst du genau da stehen. Nur finden das die Autofahrer gar nicht lustig. Jetzt müssen alle helfen, sogar der Ministerpräsident höchstpersönlich.
Israelische Ex-Soldaten vereinen sich als NGO, um das militärische Gebaren in den besetzten Gebieten zu kritisieren. Es folgen hitzige Diskussionen und keine einfachen Antworten.
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Die NGO „Breaking the Silence” – kurz BtS – besteht aus ehemaligen israelischen Soldaten und Soldatinnen, die durch das Sammeln persönlicher Erinnerungsberichte auf den militärischen Alltag und den Umgang mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten aufmerksam machen wollen. Die Regisseurin Silvina Landsmann ermöglicht mit ihrem Film einen Blick hinter die Kulissen einer umstrittenen Gruppierung mit einem kontrovers diskutierten Ansatz inmitten eines über 70 Jahre schwelenden Konflikts.
Was macht einen guten Soldaten aus? Die Fähigkeit, ohne Skrupel Befehle auszuführen, oder die Berücksichtigung von höheren moralischen Zielen im Umgang mit dem Feind? Letzteres war vielen Mitgliedern von BtS erst nach ihrer aktiven Militärzeit möglich. In ihrer Arbeit setzen sie sich mit Einsätzen und Handlungen auseinander, die ihnen heute falsch vorkommen. Mit Videos, Vorträgen und Stadtführungen wenden sie sich an die israelische Bevölkerung und an ausländische Medien. Auf den Straßen Hebrons kommt es immer wieder zum Zusammenstoß zwischen BtS, israelischen Siedlern und dem Militär. Auch auf politischer Ebene wird die Organisation scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, Geschichten zu erfinden, dem Ruf Israels zu schaden und dem Antisemitismus in die Hände zu spielen. Mit filmisch nüchternen Bildern beobachtet Landsmann, wie die Gruppe äußerlich und innerlich um ihre Stimme kämpft.
Kim Busch
Credits
Regie
Silvina Landsmann
Kamera
Silvina Landsmann
Schnitt
Tal Shefi
Produktion
Silvina Landsmann, Pierre-Olivier Bardet
Co-Produktion
Christoph Menardi
Ton
Ami Arad, Guy Barkay, Nadir Fleishman, Zohar Cheppa, Tully Chen