Polen, 1981. Es gibt kaum Essen, kein Benzin, nur eingeschränkte Freiheiten. Sechs Freunde quetschen sich in ein altes Auto und machen sich auf zur Ostseeküste – und vielleicht darüber hinaus.
Polen, 1981. Sechs Freunde quetschen sich in ein viel zu kleines altes Auto und machen sich, angetrieben vom Wunsch nach Freiheit, auf den Weg zur polnischen Ostseeküste. Je weiter sie kommen, desto deutlicher wird, in welch marodem Zustand ihr Land ist. Die Pension, in der sie übernachten, hat nichts, was sich zum Frühstück auftischen ließe. Auch andernorts sind Lebensmittel und Benzin knapp. Es fehlt an allem. Nur Schnaps, in rauen Mengen, kann man überall und jederzeit kaufen. Genau wie ihre Heimat zerfällt auch ihr Auto Stück für Stück. Doch der Trip geht weiter, vorbei an demonstrierenden Menschenmassen, Panzern, Absperrungen und bewaffneten Polizisten. Singend, lachend und sorglos schaffen es Leszek und sein Trupp schließlich ans Meer. Ist damit das Ende ihrer Reise erreicht? Oder sollte man sich den Hunderttausenden anschließen, die Polen bereits verlassen haben? Die Grenzen des filmischen Bildes zumindest sind offen. Die spärlichen, nur bruchstückhaften grafischen Elemente auf leerem weißen Hintergrund scheinen kaum ein Anreiz, an diesem Ort zu verweilen. Es gibt kein Hindernis, das die Freunde davon abhalten könnte, zu neuen Ufern aufzubrechen.
Franka Sachse
Credits
Regie
Jadwiga Kowalska
Schnitt
Fee Liechti Seigner
Produktion
Jadwiga Kowalska
Ton
Thomas Gassmann
Musik
Christian Aregger, Roland Bucher
Animation
Jadwiga Kowalska, Marco Ellensohn, Jérémie Dupraz, Laure Clemansaud
Eine munter montierte Sammlung von Auto-Biografien aus sozialistischer Produktion in vermeintlich unbeschwerten Zeiten – als das motorisierte Gefährt noch Statussymbol sein durfte.
Ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit, als sich der Kauf eines Autos als Lebensaufgabe gestaltete – insbesondere für jene Europäer, denen maximal zwei Handvoll Marken zur Verfügung standen. Die munter montierte Kollektion von Auto-Biografien aus sozialistischer Produktion erinnert an vermeintlich unbeschwerte Zeiten, als das motorisierte Gefährt einfach Statussymbol sein durfte: frei von ideologischen Grabenkämpfen rund um Klimakrise und Mobilitätsdiät.
Von Russland über Bulgarien und Tschechien bis nach Deutschland und Norwegen werden Liebesgeschichten zwischen Mensch und Trabi, Moskwitsch oder Wolga filmisch festgehalten. Wir treffen Charaktere, die damals wie heute an ihrem geliebten Stück Blech hängen – oder es sogar zu einer stattlichen Sammlung gebracht haben. Da gibt es ein Paar, das sich auf einer Retro-Auto-Ausstellung lieben lernte und heute noch das gleiche Modell fährt. Wir begegnen einem Küster, der sein Dienstfahrzeug nach 32 Jahren Nutzung weitervererbt. Wir machen die Bekanntschaft eines Pin-ups, das stets vor Ost-Oldtimern posiert. Sie alle haben ein Faible für diese klapprigen Rostlauben. Denn obwohl die Fabrikate der sozialistischen Autoindustrie in der Regel langsam, klobig, mühsam zu fahren und zu reparieren waren – sie galten als Schauobjekte eines geglückten Lebens. Und in fast jeder Familie gab es eines: heiß begehrt, lang ersehnt, eifrig poliert.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Georgi Bogdanov, Boris Missirkov
Buch
Boris Missirkov, Georgi Bogdanov
Kamera
Boris Missirkov, Georgi Bogdanov
Schnitt
Emil Granicharov, Jacob Thuessen, Georgi Tenev
Produktion
Martichka Bozhilova
Co-Produktion
Tina Leeb, Miljenka Čogelja, Dana Budisavljević, Jiří Konečný, Sigrid Jonsson Dyekjær, Sascha Beier, Simone Baumann
Als Sowjettruppen zur Niederschlagung der Unabhängigkeitsbewegung einfallen, werden in Riga Barrikaden errichtet. Blutige Auseinandersetzungen beginnen. Die Kathedrale wird zum Zufluchtsort.
Der Abschlussfilm der lettischen Regisseurin an der Moskauer Filmschule liefert keine regimetreuen Bilder, sondern ist Zeugnis ihres journalistischen Hintergrunds. Als die Unabhängigkeitsbestrebungen mit militärischer Macht niedergeschlagen werden sollen, errichten die Menschen in Riga Barrikaden. Laila Pakalniņa hat die dramatischen Ereignisse festgehalten, die in ihrer Aktualität erschrecken.
Jerry Blumenthal, Suzanne Davenport, Sharon Karp, Gordon Quinn, Jenny Rohrer
Das Chicago Maternity Center, das vor allem Schwarzen Frauen eine sichere und erschwingliche Hausgeburt ermöglichte, ist von der Schließung bedroht. Dagegen regt sich Widerstand.
Jerry Blumenthal, Suzanne Davenport, Sharon Karp, Gordon Quinn, Jenny Rohrer
Retrospektive: Un-American Activities 2025
Dokumentarfilm
USA
1976
60 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Deutsch
Das in einem einkommensschwachen Chicagoer Stadtviertel gelegene Maternity Center ist 1974 akut von der Schließung durch ausbleibende finanzielle Mittel des Trägers, der North Western University, bedroht. In der mehrheitlich Schwarzen Community regt sich Widerstand, handelt es sich doch um eine Institution mit 75-jähriger Geschichte, die zahllosen Frauen eine sichere und erschwingliche Hausgeburt ermöglichte. „The Chicago Maternity Center Story” nimmt diesen zivilgesellschaftlichen Protest zum Ausgangspunkt, um die Geschichte der in den USA grassierenden Kommerzialisierung von medizinischer Versorgung samt ihren sexistischen und rassistischen Konnotationen zu erzählen. Ein Film, der das Thema mal behutsam, mal mit der Verve der Agitprop anpackt.
Tobias Hering, Tilman Schumacher
Credits
Regie
Jerry Blumenthal, Suzanne Davenport, Sharon Karp, Gordon Quinn, Jenny Rohrer
Die letzte Archivarin sichert Artefakte einer Zivilisation, die draußen in der realen Welt in sich zusammenbricht. Eine Doku-Science-Fiction im Spannungsfeld von Bild und Ton.
Fotografien werden entstaubt, Schallplatten gereinigt, Bücher von Ungeziefer befreit und alles digitalisiert für die Ewigkeit. Zu den nüchternen Aufnahmen gewissenhafter Archivarbeit aber tritt die Stimme einer jungen Frau, die vom Zusammenbruch der Zivilisation berichtet, deren fragile Artefakte sie als letzter im „Kongress“ verbliebener Mensch sichert. Im Spannungsfeld zwischen Bild und Ton tut sich Raum auf für unsere Fantasie.
Umgeben von riesigen Statuen, werden wir zum Objekt der Begutachtung: Hier öffnet sich ein Spannungsfeld zwischen Willkür und Kontrolle, Macht und Ohnmacht, Vielfalt und Gleichförmigkeit.
Wir sind täglich Bewertungen ausgesetzt. Nach welchen Maßstäben sie erfolgen, haben wir meist nicht in der Hand. In dieser VR-Erfahrung entsteht ein Spannungsfeld zwischen Willkür und Kontrolle, Macht und Ohnmacht, Vielfalt und Gleichförmigkeit. Ein Kreis aus 16 realen Objekten markiert den Eingang zu einem virtuellen Bewertungsprozess, in dem 16 riesige graue Statuen uns begutachten.