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Land (Film Archive)

Filmstill Paradaïz

Paradaïz

Paradaïz
Matea Radic
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Kanada
2025
10 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
In das Paradies kann man nicht zurück. Zwischen dem Jetzt und dem Damals liegt der Bruch, die Erkenntnis: Es gibt diesen Ort nicht mehr. Das muss auch unsere Protagonistin erfahren, als sie das Grün der Landkarte unter sich wie eine Decke anhebt, um mit einem Paradeiser in der Hand darunter zu kriechen – zurück nach Sarajevo, nach Jugoslawien. Die Fremdheit des Rückflugs mit obligatorischem Tomatensaft ist erst so nostalgisch-aufregend wie die Smiley-Sticker, die überall kleben. Aber spätestens im Elternhaus holt die Vergangenheit sie in Gänze ein: In der verlassenen Wohnung werfen die Einschusslöcher Lichtkegel auf alte Familienfotografien im Flur, und als sie den Kühlschrank öffnet, löst der Anblick einer einzelnen Tomate plötzlich Erinnerungen an Bomben und Explosionen in ihr aus.
Mit eindrücklichen und originellen Bildern visualisiert Matea Radic ihr eigenes traumatisches Erleben des Bosnienkrieges und dessen verwirrendes Verwoben-Sein mit haptisch-sinnlichen Kindheitserinnerungen – dadaistische Šipad-Möbel-Reklame und bosnische Melodien inklusive. Ihr großzügiger und doch aufs Wesentliche reduzierter Animationsstil hebt das kindliche Staunen ihrer Protagonistin wunderbar hervor. Mit aufgeschlagenen Knien und Babydoll-Kleid stakst sie durch die Welt. Und sie lernt, dass es okay ist, auch mal keinen Smiley-Sticker drüberzukleben, sondern vielleicht lieber ein Pflaster.
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Matea Radic
Produktion
Jelena Popović
Sound Design
Tyler Fitzmaurice
Musik
Tyler Fitzmaurice
Animation
Matea Radic
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube Kurzfilm (Internationaler Wettbewerb Animationsfilm)
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025

Passageways

Milla Cummings, Geneviève Tremblay
Wie fühlt sich das an, wenn der Körper ein anderer wird? Über die Wechseljahre wird viel zu selten positiv gesprochen. Hier geht es um den feierlichen Abschied dieser großen Transformation.
Filmstill Passageways
Filmstill Passageways

Passageways

Voies de passage
Milla Cummings, Geneviève Tremblay
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Kanada
2024
5 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Wie fühlt sich das an, wenn der Körper ein anderer wird? Milla Cummings und Geneviève Tremblay erkunden die (Peri-)Menopause auf leiblich-konkrete Art: Die von ihnen gezeigten Wechseljahre sind ein lebender Stop-Motion-Organismus, eine Höhle mit pulsierenden Außenwänden, in der eine nackte, ältere Frau ihre letzten Eizellen behutsam zu Grabe trägt. Dabei berichten uns verschiedene reife Frauen aus dem Off von ihren Erfahrungen – von der trockenen Haut, besonders im Vaginalbereich, von der Wut auf den allseits behaupteten Sex Appeal alternder Männer und vom zunehmenden Verlust der eigenen gesellschaftlichen Sichtbarkeit.
Für jeden negativ erlebten Aspekt formulieren diese lebensklugen Erzählerinnen in authentischen Tondokumenten eine Kehrseite oder eine konstruktive Handlungsoption. Und sie berichten auch von den positiven Seiten dieser einschneidenden Transformation: Die Energie, die der Körper mit den Eizellen für das Kinderkriegen zurückgehalten hätte, würde nun frei für ganz neue Projekte! Passend dazu öffnet sich im On ein Vorhang und gibt den Blick auf gleißend-glitzernden Möglichkeitsschaum frei. Am Schluss verlässt unsere Protagonistin die Höhle und erklimmt den nächsten Berg. Dieser Film beschreibt mehr als nur beschwerliche Durchgänge, durch die man irgendwie durchmuss: Die „Passageways“ können ebenso gut auch Übergänge in ein neues Leben sein.
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Milla Cummings, Geneviève Tremblay
Buch
Milla Cummings, Geneviève Tremblay
Kamera
Geneviève Tremblay
Schnitt
Milla Cummings
Produktion
Geneviève Tremblay, Milla Cummings
Sound Design
Dave Gagné
Musik
Patrick Ouellet
Animation
Milla Cummings, Geneviève Tremblay
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Petra and the Sun

Petra and the Sun

Petra y el sol
Malu Furche, Stefania Malacchini
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Chile
2025
10 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
So ein Lebensabend, allein in der entlegenen Waldhütte in den Anden, mit dem treuen Vierbeiner – was will man mehr? Petra scheint jedenfalls recht zufrieden so ganz für sich, hackt ihr Holz und hört Radio. Doch eines Tages entdeckt ihr Hund eine Permafrostleiche im Schnee und beißt sich sprichwörtlich in ihr fest, sodass Petra nichts anderes übrig bleibt, als den Zufallsfund mit nach Hause zu nehmen.
Mit herrlich absurden und leichtfüßigen Wendungen erzählen Stefania Malacchini und Malu Furche eine warmherzig-makabre Geschichte übers Altwerden – und über eine späte Liebe. Denn der gefrorene Leichnam lässt sich ganz wunderbar auftauen, in den Alltag integrieren, als Tanzpartner hin und her schunkeln. Liebevoll und detailliert ist auch die Puppentrick-Animation: ob Petra als resolute Grauhaarige mit ihrem No-Nonsense-Stil, ihr Hund, dessen Jagdtrieb und Verspieltheit witzige Folgen haben, oder auch die Frostleiche selbst, dieser im dicken Schnee umgekommene Wanderer aus dem 20. Jahrhundert, der manchmal aussieht, als wollte er gleich zum Leben erwachen, um schnell fortzurennen. Petra genießt ihr neues Glück. Aber es könnte endlich sein: Die Polizei sucht nach dem vermissten Toten …
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Malu Furche, Stefania Malacchini
Buch
Malu Furche, Stefania Malacchini
Kamera
Malu Furche, Stefania Malacchini
Schnitt
Malu Furche
Produktion
Malu Furche, Stefania Malacchini, Antonia Piña, Yeniffer Fasciani
Animation
Kike Ortega
Filmvertrieb
Miguel Español Celiméndiz
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Ploo

Ploo

Ploo
Jon Frickey
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Deutschland
2025
15 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Irgendwo zwischen „für immer“ und „nicht mehr“, zwischen Unendlichkeit und Begrenztheit, zwischen Absolutheit und Konkretheit wächst dieser Film. Alles spielt im quadratischen Format, der Ur- oder Pixelform. Doch dieses Quadrat scheint wie ein Spiegel vor dem Spiegel zu sein, eine sich selbst referierende unendliche optische Täuschung – mit viel Augenzwinkern. Wir erleben die humorvolle Verhandlung eines ewigen Streitthemas unter visuellen Künstler*innen: Kann eine mathematisch berechnete, bis ins Unendliche skalierbare Vektorlinie dieselben Gefühle bei Betrachter*innen erzeugen wie eine endliche, unperfekt gezeichnete Pixellinie? Ist Erstere nicht vielmehr das visuelle Äquivalent zur neoliberalen Illusion unendlichen Wachstums – glänzend, aber krankmachend? Und kann die geheimnisvolle verpixelte Motte den ewigen Konflikt lösen? Sie bewacht den „Vectorial Superlooper“, damit die Wundererfindung nicht in die falschen Hände gerät.
Jon Frickey spannt den Bogen von unserer absurden, endlichen Existenz zu den technologischen Innovationen, die unser Stilempfinden formen, unseren Geschmack und damit unser Leben prägen. Sein Film ist eine schmunzelnde Liebeserklärung an Technik und Ästhetik der letzten sechzig Jahre: an Pixel-Art, Videospiele, Fernsehserien, Vektormonitore – und natürlich an Pixel und Vektoren selbst.
Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jon Frickey
Buch
Jon Frickey
Schnitt
Jon Frickey
Produktion
Jon Frickey
Ton
Thies Mynther
Sound Design
Thies Mynther, Peter Brokhøj
Musik
Thies Mynther
Animation
Jon Frickey
Filmvertrieb
Wouter Jansen
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis