Im Chaos der Momentaufnahmen findet man sich simultan in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wieder. Ein Film, der von Zeit und Raum erzählt und das Jetzt in Frage stellt.
In gestaffelter Wiederholung erscheinen Einzelbilder einer kameralosen Animation auf der Leinwand. Die auf 35mm-Material gemalten, gedruckten, gekratzten Formen entwickeln sich, zeitlich minimal versetzt, von einem Bildrand zum anderen. Eine Spur bleibt zurück. Sie erzählt von der Zeit selbst und fragt: Wann genau ist „jetzt“? Im Chaos der Momente überschlagen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Ein Universum aus farbenfrohen und lebendigen rhythmischen Formen – erschaffen durch die Kombination aus traditioneller Animation und elektronischer Bilder, erzeugt durch ein Oszilloskop.
Handkoloriert und dem Kopf einer der innovativsten abstrakten Filmemacherinnen des 20. Jahrhunderts entsprungen, kombiniert „Abstronic“ Abstraktion und Elektronik zu einem spielerischen Bilderstrom, der an ein bewegtes abstraktes Gemälde erinnert. Mary Ellen Bute, die auch Malerin war, arbeitet hier mit einem eigens entwickelten Oszilloskop und traditioneller Animation.
„Bist du mit uns oder gegen uns?” Eine sektenartige Community in der Nachbarwohnung mit affenähnlichem Verhalten und fanatischem Glauben versucht, einen Mann an seinem Feierabend zu bekehren.
„Bist du mit uns oder gegen uns?“ Nichts Geringeres als dies steht unausgesprochen im Raum. Keine Zwischentöne, keine Diskussion, kaum eine Wahl. Hat der müde Mann nach der Arbeit mit solchen Lebensentscheidungen gerechnet? Unwahrscheinlich. Er wollte einfach nur abschalten und sinnlos fernsehen, als ihn plötzlich die fremde Welt aus dem Bildschirm mitten im trauten Zuhause einholt: Eine sektenartige Community haust nebenan, affenähnlich in ihrem Verhalten, fanatisch in ihrem Glauben und entschlossen, ihn zu bekehren. Ihre Wohnung ist mit Wäldern und Wüsten gestaltet. Wer versucht, hinter die bemalte Tapete zu schauen, wer Kulisse von Wirklichkeit trennt, begeht Verrat und verdient Verbannung oder Tod. Platons Höhlengleichnis in einer radikalisierten Version für das 21. Jahrhundert. Freiheit und Wahrheit oder Stabilität und Zugehörigkeit? Ist es ein zu hoher Preis, die verzerrte Realität zu akzeptieren, nur um leben zu dürfen? Und vor allem: Gibt es überhaupt eine lebenswerte Alternative? Die Welt draußen, hinter dem Fenster, bleibt vage und wird als Bedrohung nur angedeutet. In dieser Parabel über Passivität, Neugier und freie Wahl berührt Alexandre Sousa drängende Fragen unserer Zeit: Fragen nach Abschottung, nach Echokammern und nach der Unmöglichkeit, als Mensch unpolitisch zu bleiben. Haben wir überhaupt noch eine Chance zu widerstehen?
Der Filmblock präsentiert einige der frühesten Beispiele für Videosynthese mit analogen Computern sowie frühe Beispiele elektronisch entworfener und animierter Figuren.
Diese Kompilation von vier Filmen demonstriert die Möglichkeiten des analogen ANIMAC-Computers. Der Vorläufer des späteren Scanimate-Videosynthesizers sollte in den 1970er Jahren eine neue Ära des Motion-Design einleiten. Die flotten und fließenden Formen des ANIMAC, das Ergebnis manuell gesteuerter Kathodenstrahlen, die in Echtzeit auf die Leinwand zeichneten, sind ein frühes Beispiel für elektronisch entworfene und animierte Figuren.
Die trans Thailänderin Renée ist auf der Suche nach Asyl. In den nächtlichen Straßen von Paris ist sie für andere unsichtbar. Eine Einladung an die Zuschauenden, ihre Perspektive einzunehmen.
Renée, eine Asylbewerberin aus Thailand, wandert durch die nächtlichen Straßen von Paris. Vom Asylsystem ausgespuckt und für Passant*innen unsichtbar, ist sie weder hier noch dort. Für eine Nacht sind wir eingeladen mitzuwandern – in einer filmischen, von Licht- und Schattenspielen geleiteten VR-Erfahrung. „Another Place“ entstand in Zusammenarbeit mit der Protagonistin und basiert auf ihrem Erleben.
Dana Melaver
Credits
Regie
Domenico Singha Pedroli
Produktion
Luc-Jérôme Bailleul
Produktionsfirma
Le Fresnoy – Studio national des arts contemporains
Ein Dreamteam talentierter Künstler-Ingenieure zieht uns hinein in eine Welt aus synthetischen New-Age-Landschaften aus Vaporwave-Farben und wirbelnden, fraktalartigen Formen.
Sorensen, DeWitt und Winkler waren ein Dream-Team von Künstler-Ingenieuren, ein talentiertes Trio, dessen perfekte Beherrschung neuer Medien und Technologien ihnen Preise und Ehrungen einbrachte. Ihr Händchen für Videosynthese und Processing springt in diesem traumartigen, psychedelischen Driften durch synthetisierte New-Age-Landschaften aus Vapourwave-Farben und wabernden, fraktalartigen Formen sofort ins Auge.
In Greenland sind alle Wesen grün außer Bluekid. Über eine teilanimierte Bastelwelt reflektiert Mwita Mataro mit Kindern und Expert*innen Rassismuserfahrungen in Österreich.
Mit Anfang zwanzig setzte sich Mwita Mataro drei große Ziele: Rockstar werden, einen Film drehen und danach eine Kunstschule in Tansania gründen. Das mit dem Rockstar hat er schon geschafft – er ist Frontmann einer Band. Und mit diesem Film gibt er nun sein Regiedebüt. Viele Themen wären dafür infrage gekommen, etwas Schönes wie Freundschaft zum Beispiel. Aber eine Sache treibt ihn dringlicher um, als seine weißen Filmkolleg*innen, nämlich die eigene Hautfarbe. Was also bedeutet es, als Salzburger mit tansanischen Wurzeln, als Schwarze Person of Colour im mehrheitlich weißen Österreich aufzuwachsen? Um dies zu ergründen, erschafft er gemeinsam mit jungen BPoC die animierte Fantasiewelt Greenland: ein Ort, an dem alle Kartoffelwesen grün sind, nur Bluekid und seine blaue Familie nicht. Um nicht aufzufallen, malen sie sich grün an. Da das nicht immer so richtig funktioniert, erlebt Bluekid Zurückweisungen und Ausgrenzung. In seinem dokumentarischen Essay reflektiert Mataro eine Lebenswirklichkeit nach Farben: Rassismus, Fremdzuschreibungen, Anderssein, Blues-Erfahrungen in Greenland. Er hört Kindern und Erwachsenen zu, lässt das Publikum an Gesprächen mit Pädagog*innen, Psycholog*innen und Politiker*innen teilhaben und öffnet sich selbst vor der heimischen Kamera. Und mit „Austroschwarz“ kommt Mwita Mataro auch seinem dritten Ziel wieder einen Schritt näher.
Tina Jany
Credits
Regie
Mwita Mataro, Helmut Karner
Buch
Mwita Mataro, Helmut Karner
Kamera
Jasmin Schwendinger
Schnitt
Christin Veith
Produktion
Stephan Herzog, Andrea Elaiza Arnold
Ton
Cristi Iorga
Sound Design
Eli Frauscher
Musik
Nicola Mpunga
Animation
Vladimir Savić
Nominiert für:
Gedanken-Aufschluss-Preis,
Young Eyes Film Award,
Filmpreis Leipziger Ring