Filmarchiv

Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024

Tales from the Source

Léonard Pongo
Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Künstler Léonard Pongo mit den Landschaften der Demokratischen Republik Kongo. Dabei ist ihm das Land mit seiner Kunst, Tradition und Philosophie nicht Ressource, sondern Quelle. 
Filmstill Tales from the Source
Filmstill Tales from the Source

Tales from the Source

Tales from the Source
Léonard Pongo
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Belgien
2024
39 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Seit zehn Jahren dokumentiert der belgische Fotograf und Künstler Léonard Pongo die Landschaften der Demokratischen Republik Kongo. In seiner jüngsten Arbeit tritt er in einen sinnlichen Dialog mit ihnen. Die präzise Kamera fokussiert immer wieder auf Lichtreflexionen, die uns förmlich in die Bewegtbilder hineinziehen. Zugleich lässt sie den kinematografischen Apparat hinter ihnen sichtbar werden. Im Zusammenspiel mit dem elaborierten Sounddesign und der dezenten, wunderschönen Musik von „Bear Bones, Lay Low“, dem Soloprojekt des in Belgien beheimateten Venezolaners Ernesto González, entsteht ein Landschaftsporträt, das durch die fesselnde Montagekomposition zu einem visuellen, auditiven und meditativen Vergnügen wird.
„Tales from the Source“ ist gleichwohl kein „Naturfilm“ im herkömmlichen Sinn, sondern eine durch kongolesische Traditionen, Kunst und Philosophie inspirierte ästhetische Positionsbestimmung, die – so betont es der Künstler selbst – die kongolesische Landschaft „als schöpferische statt als abzuschöpfende Quelle“ darzustellen vermag. Das Ergebnis lässt sich eher als Erfahrung denn als Repräsentation beschreiben.
Borjana Gaković

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Regie
Léonard Pongo
Buch
Léonard Pongo
Kamera
Léonard Pongo
Schnitt
Léonard Pongo, Fairuz Ghammam
Produktion
Marie Logie, Auguste Orts
Co-Produktion
Twenty Nine Studio & Production
Ton
Cédrick Mbongo Mbulu, Léonard Pongo
Sound Design
Laszlo Umbreit
Musik
Bear Bones, Lay Low
Filmvertrieb
Auguste Orts
Nominiert für: Silberne Taube
DOK Neuland 2024

Tales of a Nomadic City

Med Lemine Rajel, Christian Vium
Nouakchott, Mauretanien: eine Stadt, die sich bewegt. Das Herzstück der Installation ist ein 360°-Film, der durch Archiv- und Privatmaterial aus der Region erlaubt, die Stadt zu erleben. 
Filmstill Tales of a Nomadic City
Filmstill Tales of a Nomadic City

Tales of a Nomadic City

Tales of a Nomadic City
Med Lemine Rajel, Christian Vium
DOK Neuland 2024
XR
Dänemark,
Mauretanien
2024
15 Minuten
Arabisch
Untertitel: 
Englisch
Die multimediale Vertiefung in ein Paradoxon: eine Stadt, die sich bewegt. Das Herzstück dieser gemeinschaftlich entwickelten Installation ist ein neuer 360°-Film, der uns einen Moment lang mit dem ehemaligen Nomaden Mohamed durch die Außenbezirke der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott streifen lässt. Aus Archiv- und authentischem Alltagsmaterial entsteht das komplexe Bild einer vielgestaltigen Metropole.
Dana Melaver

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Regie
Med Lemine Rajel, Christian Vium
Produktion
Kathrine Fremming
Produktionsfirma
Khora VR
Matinee Sächsisches Staatsarchiv 2024

Tania in Berlin [Ausschnitt]

Heinz Thomas
Eine zeitgenössische Dokumentation aus Chile über den Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 1970 zur Unterstützung des später weltweit bekannten Kandidaten Salvador Allende.
Filmstill Tania in Berlin [excerpt]
Filmstill Tania in Berlin [excerpt]

Tania in Berlin [Ausschnitt]

Tania in Berlin [Ausschnitt]
Heinz Thomas
Matinee Sächsisches Staatsarchiv 2024
Dokumentarfilm
DDR
1977
10 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Keine
Nach dem Militärputsch in Chile und dem Tod Salvador Allendes 1973 wurden Zehntausende Oppositionelle verfolgt und ermordet. Die DDR nahm etwa 2.000 Geflüchtete auf, darunter auch die neunjährige Tania und ihre Familie. Dass die DDR die Politik Allendes zunächst skeptisch betrachtete und nur ausgewählte Chilen*innen in den Genuss politischen Asyls kamen, gehörte zur Logik einer bipolaren Weltordnung.
Konstantin Wiesinger

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Regie
Heinz Thomas
Kamera
Peter Scharf, Olaf Ullmann
Produktion
Amateurfilmcentrum Frankfurt an der Oder
Ton
Jörg Wendlandt, Jorg Peter Langsch
Filmstill Tarantism Revisited

Tarantism Revisited

Tarantism Revisited
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2024
105 Minuten
Italienisch,
Deutsch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Apulien, 1959: Frauen in weißen Kleidern tanzen ekstatisch in einer kleinen Kapelle. Sie springen herum, wälzen sich auf dem Boden, einige klettern sogar auf den Altar. Man sagt, sie seien von einer Spinne gebissen worden. Ihr Tanzwahn erfordert einen rituellen Exorzismus mit Musik. Bilder wie diese inspirierten italienische Anthropolog*innen zu einer Reise nach Süditalien. Mit Tonbandgeräten, Film- und Fotokameras waren sie dem Phänomen des Tarantismus auf der Spur.
Der essayistische Dokumentarfilm folgt den vielen multimedialen Archivalien, die auf dieser Forschungsreise entstanden sind. Er arbeitet die weiblichen Stimmen der Betroffenen heraus, die sich als Expertinnen ihrer eigenen Aufführungen herausstellen. Zwischen der Forscherin Annabella Rossi und der „Tarantata“ Michela Margiotta entwickelte sich eine besondere Beziehung, ihr Briefwechsel steht im Zentrum. Auch heute noch verstören die Bilder der weiblichen Raserei, erzählen vom Kontrollverlust der Ehemänner, Familien, von Wissenschaft und Kirche. Im Apulien der Gegenwart findet der Film lebendige Formen des Tarantismus vor, als Folklore gebändigt, für den Tourismus attraktiv. Es gibt neue Gifte, die das System befallen haben. Auch sie müssen herausgetanzt werden.
Jan Künemund

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Regie
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Buch
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Kamera
Anja Dreschke
Schnitt
Anja Dreschke
Produktion
Anja Dreschke, Michaela Schäuble
Ton
Birgit Minichmayr
Sound Design
Carlo Peters
Musik
Carlo Peters
Nominiert für: DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Deutscher Wettbewerb)
Mehr zum Film
Retrospektive 2024

The Truth About Fidel Castro Revolution

Victor Pahlen
Hollywoodstar Errol Flynn liebt Havanna, die Spielcasinos, die Cocktails. Als Augenzeuge der Kubanischen Revolution lernt er auch, Fidel Castro zu lieben, den „kubanischen Robin Hood“.
Filmstill The Truth About Fidel Castro Revolution
Filmstill The Truth About Fidel Castro Revolution

The Truth About Fidel Castro Revolution

The Truth About Fidel Castro Revolution
Victor Pahlen
Retrospektive 2024
Dokumentarfilm
USA,
Kuba
1959
51 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Als Hollywoodstar Errol Flynn 1960 auf der Leipziger Festivalleinwand erschien, war er seit einem Jahr tot. Das Publikum sah ihn in seiner letzten Rolle: als gealterter Liebhaber – von Havanna, Spielcasinos und Cocktails, als Nemesis der kubanischen Befreiungsbewegung, die verderbten Bonvivants wie ihm den Kampf angesagt hatte. Der Kino- schwärmt für den Kuba-Haudegen Fidel Castro und moderiert lässig, mit der Zigarettenspitze in der Hand die Diktatur- und Befreiungsgeschichte des Inselstaates.
Hat Hollywood in Leipzig angerufen, um diesen Film zu empfehlen? Vermutlich war es Moskau, denn dort soll 1959 Welturaufführung gewesen sein. Aber wie kam der erklärte Antikommunist Errol Flynn zu dieser Liebeserklärung? Vielleicht hat ihm sein neuer Freund Fidel nicht die ganze Wahrheit gesagt?
Sylvia Görke

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Regie
Victor Pahlen
Buch
Victor Pahlen
Produktion
Victor Pahlen
Sprecher*in
Errol Flynn
Publikumswettbewerb 2024

There Was Nothing Here Before

Yvann Yagchi
Yvann ist Nachfahre palästinensischer Migrant*innen. Sein jüdischer Kindheitsfreund zieht fort in eine Siedlung in der Westbank. So beginnt die Geschichte eines gescheiterten Wiedersehens.
Filmstill There Was Nothing Here Before
Filmstill There Was Nothing Here Before

There Was Nothing Here Before

Avant il n’y avait rien
Yvann Yagchi
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Schweiz
2024
71 Minuten
Französisch,
Arabisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Auf dem neutralen Boden der Schweiz verbringen Regisseur Yvann Yagchi, Sohn palästinensischer Migrant*innen, und sein jüdischer bester Freund eine sorglose Kindheit fernab der Politik. Als Erwachsene sehnen sich beide nach religiöser und ethnischer Zugehörigkeit. Yvann will endlich Palästina besuchen und die über Generationen anhaltende Stille über das Schicksal seiner Familie brechen. Sein Freund zieht in eine jüdische Siedlung in der Westbank. So beginnt die Geschichte eines gescheiterten Wiedersehens.
Mit Offenheit und Geduld dokumentiert Yvanns direkt an den ehemals engsten Vertrauten gerichteter Film die eigene emotionale Entwicklung: Der anfängliche Optimismus und die diplomatische Zurückhaltung weichen schnell einem unterschwelligen Unwohlsein. Als ein palästinensischer Flüchtling ihn auffordert, die Plattitüden über ein Streben nach Wahrheit zu unterlassen und seine eigene Meinung deutlich zu formulieren, wird klar, dass es für Yvann nur einen Standpunkt geben kann. Zwischen den Freunden kommt es zum Bruch, eindringlich illustriert durch animierte Kritzeleien. Aus dem Nachsinnen über die verlorene Freundschaft wird eine Suche nach Identität, unendlich erschwert durch die andauernde Zerstörung palästinensischer Existenz.
Daria Janke

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Regie
Yvann Yagchi
Buch
Yvann Yagchi, Aurora Vögeli
Kamera
Gabriel Sandru, Lukas Gut
Schnitt
Selin Dettwiler, Christof Schertenleib, Christine Hoffet, Olivia Frey
Produktion
Brigitte Hofer, Cornelia Seitler
Ton
Muntasr Abul Alul, Amir Bovermann, Massimo Del Gaudio
Sound Design
Jacques Kieffer
Musik
Séverine Vaëna
Animation
Anja Sidler, Geena Gasser
Filmvertrieb
Paul Thiltges
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024

Things of a Lifetime, Intimate Archeological Exercises

Céline Ségalini
Céline arrangiert Objekte im Haus ihrer verstorbenen Großmutter. Es ist der Versuch, sie besser zu verstehen - ihr Verhältnis zur eigenen Identität und zur Kolonialgeschichte Frankreichs.  
Filmstill Things of a Lifetime, Intimate Archeological Exercises
Filmstill Things of a Lifetime, Intimate Archeological Exercises

Things of a Lifetime, Intimate Archeological Exercises

Les choses d’une vie, exercices d’archéologie intime
Céline Ségalini
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Frankreich
2024
50 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
1971 zog die Großmutter der Filmemacherin in dieses Haus. Als Rolande Ségalini starb, blieb alles so, wie es zu ihren Lebzeiten war. Aber was mit den ganzen angesammelten Dingen anfangen? Enkelin Céline beginnt, die materiellen Hinterlassenschaften zu filmen, und merkt dabei, dass ihre Großmutter bis heute ein Rätsel für sie ist. Zimmer für Zimmer inventarisiert, klassifiziert, zählt, sortiert sie die aus Schränken, Schubladen, Vitrinen und Kisten geborgenen Besitztümer und arrangiert die Objekte zu neuen Stillleben. Es ist der Versuch, die Verstorbene besser zu verstehen und mehr über sie herauszufinden. Nach und nach entdeckt die Erbin unterschiedliche Verbindungen zur kolonialen Geschichte Frankreichs.
Der Film fächert die Facetten einer diskreten Beziehung zur eigenen Herkunft auf – suchend, fragend, deutend. Dabei setzt er sich auch mit der Konstruktion und Außenwahrnehmung von Identität, dem Passing auseinander. Die Dinge eines Lebens, ausgebreitet wie die Fundstücke einer archäologischen Grabung, liegen zur Analyse bereit. Von ihnen ist ein Wunsch abzulesen: nach Anerkennung als weiße Französin.
Seggen Mikael

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Céline Ségalini
Kamera
Pierre Nativel, Christophe Leroy, Céline Ségalini
Schnitt
Anne-Laure Viaud
Produktion
Marc Faye, Magali Hériat
Ton
Christophe Leroy
Sound Design
Loïc Villiot
Nominiert für: Silberne Taube, Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis
Animation Night 2024

Thrum IX

Will Bishop-Stephens
Begleitet von vibrierenden Gitarrenklängen, verzaubert die Animations- und Geräuschmaschine „Thrum IX“ mit Schneckenhäusern und Mohnkapseln, die auf Fahrradspeichen wachsen und schrumpfen.
Filmstill Thrum IX
Filmstill Thrum IX

Thrum IX

Thrum IX
Will Bishop-Stephens
Animation Night 2024
Experimentalfilm
UK
2024
2 Minuten
ohne Dialog
Seit 2020 arbeitet Will Bishop-Stephens an kinetischen Skulpturen, die er „Thrum“ nennt. Fassung IX verknüpft das Laufrad eines Fahrrads mit einer Gitarre. Auf den Radspeichen wachsen und schrumpfen Schmetterlingsflügel, Schneckenhäuser, Mohnkapseln und Federn, die Gitarrensaiten produzieren einen vibrierenden Drone. Die Animations- und Geräuschmaschine entführt in einen Zustand des Schwebens.
André Eckardt

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Regie
Will Bishop-Stephens
Hommage: Dominique Cabrera 2024

Tomorrow and Again Tomorrow

Dominique Cabrera
Ein radikal persönliches Videotagebuch, das von Cabreras Ängsten und Freuden handelt, aber stets allgemeingültig bleibt: Autobiografie nicht als Ich-, sondern als Gesellschaftsbezogenheit.
Filmstill Tomorrow and Again Tomorrow
Filmstill Tomorrow and Again Tomorrow

Tomorrow and Again Tomorrow

Demain et encore demain
Dominique Cabrera
Hommage: Dominique Cabrera 2024
Dokumentarfilm
Frankreich
1997
79 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch
Die 1990er Jahre waren die Hochphase der leichten und erschwinglichen Hi8-Kamera, eine Zeit, die zahlreiche First-Person-Documentaries hervorbrachte. Anders als die meisten dieser Filme ist Cabreras 1995 aufgenommenes Tagebuch aber kein rein introspektives Werk. Ihr Blick gilt vordringlich den anderen, dem heranwachsenden Sohn, dem Ex-Mann und der neuen Liebe, der Mutter und den Fremden in der Bahn und auf der Straße. Ihre Form der Autobiografie ist immer eine kollektive, eine gesellschaftliche, eine vielstimmige. Erst der Blick der anderen, der Blick zurück, ermöglicht Verständigung und Erkenntnis. Die Kamera dient als Katalysator der Kommunikation, sie schafft Vertrauen und Distanz zugleich, sie öffnet Augen und Ohren.
Christoph Terhechte

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Regie
Dominique Cabrera
Kamera
Dominique Cabrera
Schnitt
Réjane Fourcade
Produktion
Sylvie Blum, Gérald Colas, Claude Guisard
Ton
Dominique Cabrera
Kids DOK 2024

Toti

Maëlle Chevallier
Zwei befreundete Zellen erforschen den Organismus, in dem sie leben. Sie wachsen zusammen auf, treffen andere Gestalten, bis ein Unfall sie trennt. Von nun an geht jede ihren eigenen Weg.
Filmstill Toti
Filmstill Toti

Toti

Toti
Maëlle Chevallier
Kids DOK 2024
Animationsfilm
Schweiz
2024
6 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Unter dem Mikroskop lassen sich zwei Zellen beobachten. Sie wachsen zusammen auf und treffen bei ihren Ausflügen auf viele verschiedene Gestalten. Eines Tages werden sie durch einen Unfall getrennt und finden sich erst nach einer ganzen Weile wieder. Nach der ersten großen Freude stellen sie fest, dass sie sich verändert haben und nicht mehr zusammenpassen. Bunte Animation mit Tiefgang.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Maëlle Chevallier
Buch
Maëlle Chevallier
Kamera
Maëlle Chevallier
Schnitt
Zoltán Horváth
Produktion
Nicolas Burlet
Sound Design
Jérôme Vittoz
Animation
Maëlle Chevallier, Nicolas Moreau
DOK Neuland: Interactive Cinema 2024

Traces of Responsibility

Anja Reiß, Jann Anderegg
Ruanda, 30 Jahre nach dem Völkermord. Das Publikum stimmt mittels App darüber ab, welchem Erzählstrang es folgt. Jede Stimme ist wichtig, sowohl im Kino als auch auf der Leinwand.
2024
Filmstill Traces of Responsibility
Filmstill Traces of Responsibility

Traces of Responsibility

Traces of Responsibility
Anja Reiß, Jann Anderegg
DOK Neuland: Interactive Cinema 2024
XR
Schweiz
2024
110 Minuten
Englisch,
Französisch,
Deutsch,
Kinyarwanda
Untertitel: 
Englisch

Schichten von Schmerz, von sich überlagernden Wahrnehmungen schält dieser Film ab. Dreißig Jahre nach dem Genozid blickt er auf Ruanda, auf das Trauma, aber auch auf Hoffnung. Ein Thema wie dieses stellt jeden Dokumentarfilm vor eine Herausforderung. Claude Lanzmanns „Shoa“ (1985) entfaltete sich über neun Stunden. „Traces of Responsibility“ komprimiert sein potenziell achtstündiges Material zu Kinovorführungen von etwa 85 bis 110 Minuten Länge. Indem verschiedene Seherfahrungen zugelassen sind, weitet sich das Bild von Ruanda, bekommt mehr als nur zwei Seiten und gibt den komplexen Dimensionen des historischen Einschnitts Raum. Völkermord-Gedenkstätten stehen dem Publikum offen, Zeitzeug*innen können angehört werden, Theaterprojekte, die Kindern Toleranz beibringen, darf man begleiten. Es liegt in unserer Hand, ob wir einen Markt, ein Kunstmuseum, eine Karaokebar besuchen oder einfach nur nach Hause wollen.
„Unsere [zwei] Geschichten allein würden ein Buch von 1.000 Seiten füllen“, sagt Semana Jumapili, eine Überlebende, der wir hier begegnen könnten. Bedenkt man die endlose Vielzahl der zu erzählenden Geschichten, stößt selbst dieser Film der vielen Wege an Grenzen. Und doch, trotz der Schrecken des Genozids, stellt er Menschen vor, in denen Trost ist. Sie inspirieren uns, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen und Wunden zu heilen, die uns dafür viel zu groß scheinen.

 

Bitte beachten Sie, dass Eintrittskarten erforderlich sind. Wenn Sie ein Ticket gekauft haben, laden Sie sich vor der Vorstellung die CtrlMovie-App herunter. Falls Sie Hilfe benötigen, können Sie 15 Minuten früher zur Vorführung kommen. Unser Team und unsere Volunteers werden Ihnen gerne helfen.

Dana Melaver

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Anja Reiß, Jann Anderegg
Produktion
Karin Koch
Produktionsfirma
Dschoint Ventschr Filmproduktion
Filmstill Tracing Light

Tracing Light

Tracing Light
Thomas Riedelsheimer
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland,
UK
2024
99 Minuten
Englisch,
Deutsch
Untertitel: 
Englisch, Deutsch
Licht ist ein faszinierendes Phänomen. Ohne Licht gäbe es kein Kino, keinen Film – und auch kein Leben. Das Licht steht also am Anfang von allem und bleibt dennoch so lange für unser Auge unsichtbar, bis es auf Materie trifft. Dieser Moment ist – ganz buchstäblich – Ausgangspunkt für Thomas Riedelsheimers neueste Arbeit. Denn das frühjährliche Schauspiel von Regenbogenfetzen in der eigenen Wohnung wurde für den Kameramann und Dokumentaristen zum Ausgangspunkt seiner Suche nach dem Ursprung der Bilder, die wir uns von der Welt machen. Für diese Suche taucht er in zwei Sphären ein, die verschiedenen Gesetzen zu folgen scheinen, aber stets das Magische ergründen wollen: die Physik und die Kunst.
Zwischen den Forscher*innen des Max-Planck-Instituts in Erlangen und der „Extreme Light Group“ der Universität Glasgow sowie international renommierten Künstler*innen wie Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner und Raimund Ritz entwickelt sich ein intellektuell-poetisches Pingpong-Spiel. In dessen Verlauf führen die verschiedenen Perspektiven auf das Thema Licht auf allen Seiten zu Erkenntnissen, die ohne dieses methodische Cross-over kaum entstanden wären: von Laserkraft und Farbpigmenten, von schwarzen Löchern und schwebenden Skulpturen. In kurzen Momenten mögen Unkundige sogar eine Vorstellung von den gemeinhin als nicht-darstellbar geltenden Regeln der Quantenphysik bekommen.
Luc-Carolin Ziemann

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Regie
Thomas Riedelsheimer
Kamera
Thomas Riedelsheimer
Schnitt
Thomas Riedelsheimer
Produktion
Sonja Henrici, Stefan Tolz, Leslie Hills
Ton
Hubertus Rath
Sound Design
Christoph von Schönburg
Musik
Fred Frith, gabby fluke-mogul
Filmvertrieb
Elina Kewitz
Deutscher Filmverleih
Piffl Medien GmbH
Broadcaster
3sat
Nominiert für: VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Animation Perspectives 2024

Tricky Women 2018

Moïa Jobin-Paré
Die Filmprojektion einer Frau am Wasser. In „ihrem Rücken“ der Schatten einer weiblichen Gestalt, die mit ihren Händen golden strahlende Punktwolken und Strichballen in das Filmbild zaubert.
Filmstill Tricky Women 2018
Filmstill Tricky Women 2018

Tricky Women 2018

Tricky Women 2018
Moïa Jobin-Paré
Animation Perspectives 2024
Animationsfilm
Kanada,
Österreich
2018
1 Minute
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Eine Filmprojektion zeigt eine Frau, die am Wasser sitzt. In „ihrem Rücken“ der Schatten einer weiblichen Gestalt, die mit ihren Händen golden strahlende Punktwolken und Strichballen in das Filmbild zaubert und es sogar auszulöschen vermag. Der magische Trailer für das Festival „Tricky Women“ entstand durch die manuelle Bearbeitung von Bild- und Tonsequenzen, die Moïa Jobin-Paré als Artist in Residence in Wien aufnahm.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Moïa Jobin-Paré
Filmstill Truth or Dare

Truth or Dare

Truth or Dare
Maja Classen
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
74 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Deutsch
Die Kamera gleitet durch ein nächtliches unbelebtes Berlin, dokumentiert entkörperlichte Tanzflächen, auf denen Scheinwerfer ins Leere leuchten. Auf der Tonspur Erzählungen von Sehnsucht und Begehren. Eine kurze visuelle Reminiszenz an Lockdowns und Rückzüge in bürgerliche Intimsphären, bedrohlich für eine sexpositive Kultur, die die konsensuelle, offene Begegnung von Körpern einfordert. Doch Menschen, Neugier und Lust erobern den Film zurück. Gemeinsam die Softness erforschen, schauen, wo die Körper hinführen, zulassen, dass sich Hautzellen und Nervenenden kennenlernen – und bei jedem Schritt nachfragen, wo die Grenzen liegen. Das ist das Programm von drei Paaren und einer Gruppe sexpositiver Personen, die sich hier begegnen. „Wahrheit oder Pflicht“ wird gespielt, seit jeher ein Vorwand, um Tabus zu überwinden.
Was Maja Classen mit ihnen erkundet, ohne es fixieren zu wollen, ist, wie Konsens eine neue Sexualität ermöglicht. Auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gehört zum Spiel, die Eigenverantwortung in Darkrooms, die aus der Sozialisation mitgeschleppten Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit und Liebe, die wieder verfremdet werden müssen. Nichts, was man sieht, geht über Grenzen hinaus. Nichts, was passiert, passiert ohne Zustimmung. Und doch ist nichts davon selbstverständlich. „Die Freude am Dasein – am genau da Sein.“
Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Maja Classen
Buch
Maja Classen
Kamera
Alina Albrecht
Schnitt
Sabrina Rücker
Produktion
Saralisa Volm
Ton
Koenraad Ecker, Marina Funck, Mad Kate, Claudia Mattai del Moro, Nele Schinz, Pussy Ranz
Sound Design
Uwe Bossenz
Musik
Vanessa Chartrand-Rodrigue, Angad Berar
Deutscher Filmverleih
POISON GmbH
Nominiert für: VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Filmstill Twice into Oblivion

Twice into Oblivion

L’oubli tue deux fois
Pierre Michel Jean
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Frankreich,
Haiti,
Dominikanische Republik
2023
100 Minuten
Französisch,
Haitianisches Kreol,
Spanisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
1937 befahl der dominikanische Diktator Rafael Leónidas Trujillo die Ermordung der haitianischen Bevölkerung in der Dominikanischen Republik. Zehntausende wurden brutal niedergemetzelt. Ein Sprachtest entschied über Leben und Tod: Die kreolischsprachigen Haitianer*innen, die das spanische Wort „perejil“ nicht aussprechen konnten, mussten sterben. Dieser Genozid ging deshalb unter dem verharmlosenden Begriff „Petersilienmassaker“ in die Geschichte ein. Bis heute ist die Region von tiefen Traumatisierungen, Rassismen und Klassismen geprägt, die mit der kolonialistischen Vergangenheit der Zwei-Staaten-Insel zusammenhängen.
Behutsam nähert sich der haitianische Filmemacher Pierre Michel Jean diesem kaum bearbeiteten Thema. Ihm gelingt ein Geschichtslehrstück, das unterschiedliche Historiografien – von faktischen Recherchen über problematische Narrativkonstruktionen bis hin zur eindrücklichen Zeitzeugenschaft der letzten Überlebenden – zu einer Art Montage des Wissens verbindet. Gleichzeitig verhandelt sein Dokumentarfilm die Komplexität kollektiver Schuld und die wichtige Frage, wer nun, nach über achtzig Jahren, „mea culpa“ sagen kann und soll. Ein Performance-Workshop des Theaterregisseurs Daphné Ménard, der Künstler*innen beider Staaten zusammenbringt, und die Erinnerungen des hochbetagten Henry Noncent bilden das Herz dieses filmischen Mahnmals, das kraft Empathie überzeugt.
Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Pierre Michel Jean
Kamera
Pierre Michel Jean, Louvenson Saint Just, Réginald Louissaint Jr
Schnitt
Marie Bottois
Produktion
Maud Martin, Lysa Heurtier Manzanares
Ton
Jeannis Bazelais, Macaisse Bellegarde
Sound Design
Brice Kartmann, Marie Moulin
Nominiert für: Preis der Interreligiösen Jury, FIPRESCI Preis, Filmpreis Leipziger Ring, Silberne Taube
Ausgezeichnet mit: Preis der Interreligiösen Jury, Silberne Taube Langfilm (Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm)