Vor dem Hintergrund der Protestbewegung „Frauen, Leben, Freiheit“ in Iran entbrennen Diskussionen in der Familie: Elahe will keinen Hijab tragen. Eine intime und ehrliche Auseinandersetzung.
Die Filmemacherin Elahe kehrt in ihre Heimatstadt Maschhad im Iran zurück, um ihren Eltern beim Umzug zu helfen. Es gilt, Kisten zusammenzupacken und sich gemeinsam durch alte Sachen zu wühlen. Währenddessen diskutieren alle Beteiligten, was Elahe zur anstehenden großen Feier anziehen soll, denn Herr Hossein, geachteter und strenggläubiger Patriarch der Großfamilie, hat die Verwandtschaft in seinen Garten eingeladen. Kein Kopftuch, auch keinen Hut, noch nicht einmal ein geborgtes Basecap wird Elahe sich zu diesem Anlass aufsetzen lassen. Um daheim niemanden zu beschämen, war sie bei ihren vorherigen Besuchen zu manchen Kompromissen bereit. Doch damit ist es vorbei. Die Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ bestärkt sie, eine Veränderung zu erzwingen. In Hosseins Garten führt die Regisseurin intime und bewegende Gespräche mit Schwestern und Cousinen. Sie alle haben mit Hidschab und Tschador ähnliche Erfahrungen gemacht, aber verschiedene Wege gefunden, um damit umzugehen. Mutig stellt sich Elahe gegen die Ängste und Wünsche ihrer Familie und filmt die ehrlichen Auseinandersetzungen.
Die Selbstmordrate unter Landwirten in Indien ist erschütternd. Die zurückbleibenden Frauen, nun allein für die Kinder und Schuldenberge verantwortlich, solidarisieren sich. Kraftvolles Kino!
Sanjivani, eine junge Frau aus einer ländlichen Gegend im Bundesstaat Maharashtra in Zentralindien, ist eine liebevolle, zärtliche Mutter. Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes lebt sie bei ihrem Schwager, für den sie auf den Feldern arbeiten muss. Für ihre zwei Kinder ist sie nun allein verantwortlich, konfrontiert mit einem Schuldenberg, den ihr Ehemann hinterließ, und Strukturen einer patriarchalischen Gesellschaft, die Witwen wie sie entmündigt und unsichtbar werden lässt. Erst als sie sich einer Gruppe von Frauen anschließt, denen ein ähnliches Schicksal widerfuhr, gewinnt sie langsam an Selbstbewusstsein. Denn sie ist mit ihrer Verzweiflung und Trauer nicht allein – die Selbstmordrate unter Bauern, die sich angesichts ausfallender Ernten und der Dumpingpreise auf dem globalisierten Markt das Leben nahmen, erschüttert: 400.000 in den letzten zwanzig Jahren. Kinshuk Surjan beobachtet Menschen und Umstände nicht nur mit Anteilnahme, sondern er steht auch für ein Kino, das Einfluss nimmt. Denn die Frauengruppe, die er hier begleitet, hat sich erst durch sein Filmprojekt zusammengefunden. In beeindruckenden Bildern und mit Feingefühl für die porträtierten Protagonist*innen gelingt nicht nur eine sorgfältige Darstellung hochkomplexer Zusammenhänge, sondern auch eine wahrhaftige dokumentarische Intervention: ein Eingriff in unzumutbare Verhältnisse – mit dem Ziel ihrer Besserung.
Atemberaubend schön – und dazu wissenschaftsbasiert: Coopers euphorisierender Electronica-Track und dessen Visualisierung im Rausch eines geometrischen Prinzips, das seinen Ursprung anno 1570 hat.
Atemberaubend schön und exakt synchron vollführen Kreise Linienbewegungen – sinnliche Hochgefühle, aber wissenschaftsbasiert. Der Electronica-Produzent und promovierte Naturwissenschaftler Max Cooper hat für seinen euphorisierenden, treibenden Track in einem von Gerolamo Cardano anno 1570 beschriebenen geometrischen Prinzip und in Mario Carrillos Animation das perfekte visuelle Passstück gefunden.
Generation Z im Mittleren Osten: Ein afghanisches Teenager-Mädchen kämpft für ihren Traum, Profiboxerin zu werden. Außerhalb des Rings stemmt sie sich selbstbewusst gegen soziale Ungerechtigkeit.
Die 19-jährige Maydegol ist mit ihrer Familie aus Afghanistan in den Iran geflohen. Hier versucht sie, ihren großen Traum wahr zu machen: Sie will professionelle Muay-Thai-Boxerin werden. Der Sport gibt ihr nicht nur Kraft für den zermürbenden Alltag, sondern soll ihr auch helfen, endlich aus dem ungastlichen Exil herauszukommen und sich in Afghanistan für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen. Um sich das Training leisten zu können, arbeitet Maydegol ohne das Wissen ihrer Eltern in jeder freien Minute, unter anderem auf Obst- und Gemüseplantagen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen aus dem Boxklub reflektiert sie ihre scheinbar ausweglose Situation: stecken geblieben in einem fremden Land, ohne Papiere und ohne Perspektive. Die jungen Frauen resignieren jedoch nicht, sondern sprechen deutlich aus, was sie denken, was sie fordern und was sie vom Leben erwarten. Maydegols Erwartungen sind so besonders wie sie selbst. Die sympathische, mitreißende Protagonistin beeindruckt nicht nur mit ihrer Beharrlichkeit, sondern auch mit ihrer unverstellten Persönlichkeit, die dieser Dokumentarfilm zum Leuchten bringt – auch in den dunklen Momenten.
1945. Die Rote Armee rückt in Deutschland ein. Ein Kind, ein Sowjetsoldat, ein Nazi und ein Hitlerjunge hängen seither in einem Hotel fest, das sie über Jahre auf bizarre Weise aneinanderbindet.
1945 rückt die Rote Armee auf deutschem Gebiet vor, der Zweite Weltkrieg nähert sich seinem Ende. Noch immer versuchen Familien, nach Amerika zu entkommen, doch viele Pläne misslingen. Auch die fünfjährige Sophie verliert auf der Flucht Vater und Mutter. Sie werden von Nazioffizier Scharf und einem sowjetischen Soldaten namens Wassili getötet, Hitlerjunge Beckmann ist Zeuge. Das grausame Geschehen ereignet sich in einem äußerst seltsamen Hotel, das diese vier Überlebenden fortan auf bizarre Weise an sich bindet, ganz gleich, in welchen Räumen dieses wahrhaft gruseligen Gebäudes sie sich befinden: Oben in der Lounge, wo nach und nach die neue Kundschaft kommt, unten in der Küche, wo die inzwischen erwachsene Sophie das Essen zubereitet, oder gar in einer Nische nahe des Fahrstuhlschachts, wo sich Beckmann zusammen mit den Ratten versteckt hält. Die unfreiwilligen Dauergäste altern, werden aber nicht müde, um Sophie zu buhlen. Heinrich Sabl baut der deutsch-sowjetischen Schuld- und Bewältigungsgeschichte ein auf anregende Art verstörendes, mit Realitätszitaten dekoriertes Puppenhaus. In seinem ersten abendfüllenden Animationsfilm, an dem der Regisseur mehr als zwanzig Jahre gearbeitet hat, schickt er außergewöhnliche Figuren auf eine ebenso außergewöhnliche visuell-akustische Zeitreise durch die kriegsbeschädigten Suiten des 20. Jahrhunderts.
Die Sphinx, das alte Rom und der Eiffelturm an einem Tag? Der 360°-Film spielt mit unseren Maßstäben und setzt sich mit unseren Ideen der Welterschaffung und der virtuellen Realität auseinander.
Zur Sphinx, ins alte Rom, zum Eiffelturm – an nur einem Tag! Dieser 360°-Film führt uns in einen Miniaturpark und macht uns mit dessen Baumeister, dem Schöpfer, bekannt. „Minitourism“ irritiert den Sinn für Größenverhältnisse und setzt sich mit Ideen des Weltenbaus sowie Virtual Reality als Medium auseinander. Spielerisch und zugleich kontemplativ kommen wir ins Nachdenken über unsere eigenen Weltkonstruktionen.
Viel zu früh starb Miralles, katalanischer Architekt. Luftig und dicht, abrupt und fließend, unbedingt eigensinnig erzählt ist sein filmisches Porträt, das selbst an einen Miralles-Entwurf erinnert.
Über zwanzig Jahre liegt der Tod des katalanischen Architekten Enric Miralles bereits zurück. Mit seinen Bauten hinterließ er nicht nur in und um Barcelona ikonische Spuren – auch das schottische Parlament in Edinburgh beruht auf seinen Entwürfen. Maria Mauti nähert sich ihrem imposanten Protagonisten auf poetische Weise, in elf Variationen. Sie führen zur Friedhofsanlage Igualada, zu einem Gemeindezentrum in Hostalets de Balenyà, zur Sporthalle in Huesca oder zum Bürowolkenkratzer Torre Marenostrum in Barcelona. Auch das Wohnhaus des Architekten mitsamt seinen offenen und zugleich verwinkelten Zügen erhält einen gewichtigen Platz, wird zu Ausgangsstätte und Epizentrum eines besonderen Geistes. Mit Sorgfalt tastet Maria Mauti die noch immer belebten Architekturen ab, setzt sie in Szene. So scheint sich in Huesca der Geruch einer verschwitzten Fußballmannschaft mit dem omnipräsenten, kühlen Rohbeton zu mischen, während im futuristischen Gemeindezentrum eine Gruppe spanischer Cowboys und Cowgirls die Lederstiefel schwingt. „Miralles“ kommt, trotz aller Tragik, die sich aus dem jäh abgebrochenen Werk des zu früh Verstorbenen speist, mit einem gewissen Witz daher. Als schwebender Essay, der sich sowohl persönlich als auch theoretisch äußert, entsteht eine Vielschichtigkeit, die selbst an einen Miralles-Entwurf erinnert: luftig und dicht, abrupt und fließend, unbedingt eigensinnig.
Carolin Weidner
Credits
Regie
Maria Mauti
Kamera
Ciro Frank Schiappa
Schnitt
Núria Esquerra
Produktion
Antonio Chavarrías, Alba Bosch
Ton
Eva Valiño, Bernat Fortiana, Leo Dogan, Lucía Herrera
Filmvertrieb
Yvette De los Santos
Nominiert für:
Silberne Taube,
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis
Sechs Jugendliche wurden 2020 für den Brand im Camp Moria auf Lesbos verurteilt. Ein Rückblick offenbart das fragwürdige Vorgehen der Justiz und die Sicht der EU-Politik auf Geflüchtete.
Nachdem ein Feuer das Camp Moria im September 2020 komplett vernichtet hatte, wurde es gespenstisch still. Nicht nur vor Ort, sondern auch im öffentlichen Diskurs. Weder die menschenrechtswidrigen Bedingungen in den weiteren Lagern an den Außengrenzen Europas noch die zahllosen Pushbacks im Mittelmeer schienen die Allgemeinheit näher zu beschäftigen. Auch die Verhaftung der sechs Jugendlichen, die man der Brandstiftung bezichtigte, blieb ohne weithin hörbares Echo – obwohl schon ein zweiter Blick auf die Umstände der Ermittlungen und den folgenden Strafprozess das Vorgehen der griechischen Justiz als fragwürdig offenbarte. Ganz zu schweigen von der zugrunde liegenden Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Jennifer Mallmann wagt mit ihrem Film diesen zweiten Blick. Im Zentrum steht ihr Briefwechsel mit Hassan, einem der verurteilten Jugendlichen, der ihr aus dem Gefängnis von seinem Alltag, seinen Wünschen und Ängsten berichtet. Ruhige, exakt kadrierte Bilder dokumentieren „Normalität“ an den Rändern der Festung Europa. Sie zeigen, wie strategische Abschottung und die damit einhergehende strukturelle Ausgrenzung funktionieren. Wer wissen will, wie sich unsere Staatengemeinschaft ihre Zukunft vorstellt, muss nur die neu errichteten, futuristischen Hochsicherheitslager betrachten. Dort werden die Ankommenden behandelt wie Menschen, die schwere Verbrechen begangen haben.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Jennifer Mallmann
Kamera
Sina Diehl
Schnitt
Maxie Borchert
Produktion
Matthias Drescher
Co-Produktion
Max Brunner, Svenja Vanhoefer
Ton
Vincent Egerter
Sound Design
Timo Kleinemeier
Musik
Clemens Gutjahr
Nominiert für:
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
Gedanken-Aufschluss-Preis,
DEFA Förderpreis,
Filmpreis Leipziger Ring
Ausgezeichnet mit:
DEFA Förderpreis,
Filmpreis Leipziger Ring
Ein fiktiver Forschungsreisender berichtet vom Goldabbau und dessen Kommerzialisierung in Venezuela. Paradoxerweise leben die Goldgräber von der Natur – und sind gleichzeitig ihre Zerstörer.
Im bewusst gesetzten Duktus eines altmodischen Feldberichts schildert ein fiktiver Forschungsreisender seine vom Goldabbau in Venezuela gewonnenen Eindrücke. Entlang des Orinoco führt ihn seine Mission von entlegenen Minen im Dschungel zu Industriegebieten. Sein Fokus gilt den Arbeitern und ihrem Lebensraum. Die titelgebende Moriche-Palme, eine am Flusslauf wachsende Speise- und Nutzpflanze, steht exemplarisch für die Beziehung der Menschen zur Natur und ihren Umgang mit Rohstoffen. Paradoxerweise leben die Goldgräber im Einklang mit Mutter Erde als Ernährerin und Heilerin, sind aber gleichzeitig ihre Zerstörer. Wie an so vielen Orten der Welt hängt ihr existenzielles Überleben von einem vom Kolonialismus geerbten Wirtschaftssystem ab. Das rasante Tempo des Kapitalismus steht dabei im eklatanten Widerspruch zur beschwerlichen Extraktion des Goldstaubes, der nur durch langsame Erosionsprozesse entstanden ist. Genauso wie sich der Erzähler den Fluss entlangtreiben lässt und über verschiedene Zusammenhänge meditiert, arbeiten sich auch die Bilder durch die Schichten der komplexen Materie. Die immersive poetische Reise wechselt zwischen beobachtenden Bolex-Aufnahmen, handgezeichneten Illustrationen und abstrakten Visualisierungen fotochemischer Reaktionen. Von einem präsenten und elaborierten Sounddesign begleitet, funkelt der Glanz des Goldes buchstäblich von der Leinwand.
Annina Wettstein
Credits
Regie
Chris Gude
Buch
Chris Gude
Kamera
Chris Gude
Schnitt
Felipe Guerrero, Chris Gude
Produktion
Chris Gude, Felipe Guerrero, Maite Bermúdez, Adriana Agudelo
Sound Design
Felipe Guerrero, Chris Gude
Musik
Maximilian Gude
Filmvertrieb
Michaela Čajková
Sprecher*in
Jorge Gaviria
Nominiert für:
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis,
Silberne Taube
Im Sommer 1957 reist der talentierte Amateurfilmer Alfred Dorn anlässlich der 6. Weltjugendspiele nach Moskau und wandelt staunend mit seiner Kamera durch die sowjetische Metropole.
Moskau, Sommer 1957: Der berühmte Amateurfilmer Alfred Dorn nimmt uns mit zu den 6. Weltfestspielen der Jugend und Studenten, die als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg die Begegnung und den Austausch von Jugendlichen aus aller Welt fördern sollten. Neugierig staunend erkundet die Kamera die Metropole Moskau mit ihren ikonografischen Gebäuden und Plätzen, mittendrin zahlreiche Festivalbesucher*innen.
Als die Quelle im Wald austrocknet, macht sich das Kind auf dem Rücken des Otters auf eine abenteuerliche Reise. Es geht durch Wüsten, über Berge und Täler, um das Wasser wiederzufinden.
In einem kleinen Häuschen im Wald leben das Kind und der Otter. Seit einer Weile ist ihre Wasserquelle ausgetrocknet. In ihrer Not machen sie sich gemeinsam auf den Weg in die schneebedeckten Berge, um von den Eiskuppen einen Vorrat mitzunehmen … Illustratorin Malin Neumann gelingt mit ihrem ersten Animationsfilm eine poetische Erzählung in warmen Farben über die lebensnotwendige Bedeutung des Wassers.
Der animierte Film führt in eine poetische Unterwasserwelt, folgt einem Jungen auf seiner Reise nach Europa. Begleitet wird er dabei von den Geschichten derer, die ihre Reise nicht beenden konnten.
Ein Tauchgang im Meer, der berührt. Wir begegnen dem Teenager Kanope auf seiner Reise nach Europa. Und wir, unter Wasser, sind mit ihm. Der poetische und wunderschön animierte Film erzählt die Tragödie aller, die ihre Reise nie beenden konnten. In „Murmuration“ flossen authentische Erlebnisberichte minderjähriger Migrant*innen ein. Hier sind auch ihre Stimmen zu hören.
Um herauszufinden, wie sich das queere Leben in Berlin und der Wunsch nach Akzeptanz der christlich-indonesischen Eltern vereinbaren lassen, sucht Monica in Archivmaterial nach Antworten.
In der Therapie habe man ihr gesagt, es fühle sich an wie ein Abschied, erzählt Monica Vanesa Tedja. Monic unternimmt eine Reise von Berlin nach Indonesien, um für kurze Zeit in den Schoß der Familie zurückzukehren. Die Kamera ist im Gepäck, ebenso wie eine wichtige Frage: Können die christlich-gläubigen Eltern, die sich über den Besuch so sehr freuen, das nicht binäre, queere Lebens- und Identitätskonzept ihres Kindes tatsächlich annehmen, statt es auszublenden? Anfangs sehen wir private Archivaufnahmen einer vermeintlich perfekten Kindheit. Monic berichtet von den eigenen Träumen und Ängsten. Wir lauschen angespannten Telefonaten mit der Mutter und dem Austausch mit Freund*innen, wir erfahren Details aus Therapiesitzungen. In dem Film geht es nicht um harte Konfrontationen, sondern vielmehr um ein leises Aufbrechen, um sich verändernde Beziehungen, um die Bedeutung von biologischer und gewählter Familie, ums Loslassen und Ankommen – dort, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet.
Seggen Mikael
Credits
Regie
Monica Tedja
Buch
Monica Tedja
Kamera
Monica Tedja, Charmaine Poh, Asarela Orchidia Dewi, Jonas Römmig
Schnitt
Monica Tedja
Produktion
Monica Tedja, John Badalu, Astrid Saerong, Gugi Gumilang
Anhänger des Hauka-Kults in Ghana fahren in die Körper der Kolonialisten und spielen zu europäischer Marschmusik verrückt. Eine bis heute verstörende wie streitbare Ethnofiktion.
Diese bis heute streitbare Ethnofiktion ist einer der berühmtesten Filme von Jean Rouch. Er inszeniert Anhänger des Hauka-Kults in Ghana bei der Inkorporierung ihrer Kolonialherren zu deren aus Europa eingeschleppter Marschmusik. Das verstörende Werk wurde zeitgleich zum ersten Leipziger Festivaljahrgang veröffentlicht, hätte aber den Rahmen der „Kultur- und Dokumentarfilmwoche“ gesprengt. Denn die gab sich erst 1960 eine internationale Ausrichtung. Dennoch schwebt Rouch als Geist der Inspiration durch die Leipziger Festivalgeschichte: Er gilt als Begründer des Cinéma Vérité, ein in Leipzig mit größtem Interesse verfolgtes dokumentarisches Konzept, und er irritierte den kolonialen Blick, indem er afrikanische Filmemacher ermutigte, selbst über die Bilder ihres Kontinents zu bestimmen.
Weit streckt sie die Arme aus: Für den Übertritt von der unerträglichen Wirklichkeit in den Traum braucht es manchmal nur ein Fingerschnipsen, ein anderes Mal mehrere Liegestütze.
Weit streckt sie die Arme aus: „Ich will nach Hause gehen, träumen“. Für den Übertritt von der unerträglichen Wirklichkeit in die magische Welt braucht es manchmal nur ein Fingerschnipsen, ein anderes Mal mehrere Liegestütze. Gudrun Krebitz’ poetische Arbeit aus Video und Animation empfiehlt, die Grabplatte wegzuschieben und in das Unterbewusstsein hinabzusteigen: mit Übermalungen und Überblendungen.
Eine Frau flieht nach der Geburt ihres Kindes aus Angst vor der Mutterschaft aus ihrer Wohnung und findet Unterschlupf bei einer Nachbarin. Ein Film über Brüche in scheinbar heilen Familien.
Eines Tages ergreift die junge Mutter Christelle in Panik die Flucht. Ihr Mann Laurent macht sich mit dem Baby im Arm auf die Suche nach ihr. Er befragt den Vater, die Schwester, die Freund*innen. Plötzlich werden durch Christelles Verschwinden Brüche sichtbar, die in einer scheinbar heilen Welt im Verborgenen geblieben waren. Ein komplexes Beziehungsgeflecht erweist sich als fragiles Kartenhaus. Dominique Cabreras dritter Spielfilm führt ein großartiges Schauspielensemble zusammen, in dem alle Beteiligten die Schwächen und Verletzlichkeiten der eigenen Figur mit Humor und Einfühlsamkeit ausagieren dürfen, allen voran Marilyne Canto, hier in der Hauptrolle, die Cabrera in vier ihrer fünf Spielfilme besetzt hat.
Christoph Terhechte
Credits
Regie
Dominique Cabrera
Buch
Dominique Cabrera, Cécile Vargaftig
Kamera
Hélène Louvart
Schnitt
Francine Sandberg
Produktion
Philippe Martin, Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne