Eine Schule in Berlin, an der es Fächer wie Gartenbau und Tierpflege gib. – Der Film porträtiert eine Gruppe junger Menschen an der Schule zwischen Unterricht, Kindheit und Erwachsensein.
Kann Schule spannend sein und sogar Spaß machen? Die integrative berufsvorbereitende August-Sander-Schule in Berlin Friedrichshain scheint dafür auf jeden Fall bestens geeignet. In der Ferne hört man den Autolärm der Großstadt, auf dem üppig begrünten Gelände zwitschern die Vögel. Hier gibt es unter anderem Unterricht in den Fächern Gartenbau, Landwirtschaft und Tierpflege. Und wenn man den Schüler*innen dabei zuschaut, wie sie Beete jäten und Kaninchen füttern, dann wirkt das auf den ersten Blick sehr beneidenswert. Aber natürlich gibt es auch an diesem paradiesischen Ort Konflikte, nervige Lehrer*innen und die bange Frage: Was kommt nach dem Abschluss? Über ein Schuljahr begleitet der Dokumentarfilm eine Gruppe von Schüler*innen mit unterschiedlichen Lernschwierigkeiten und anderen Beeinträchtigungen in ihrem Unterrichtsalltag. Er stellt Jugendliche in den Mittelpunkt, die auf dem Weg von der Ausbildung zum Beruf, von der Kindheit zum Erwachsensein sind und darum kämpfen, im engen Regelsystem Schule und in der Gesellschaft ihren Platz zu finden.
Ein Lehrfilm über das marxistische Vokabular von Ware und Arbeit, Lohn und Arbeitskraft, Tausch- und Gebrauchswert – durchgespielt mit politischer Haltung und ästhetischen Handlungen.
Diese in Handlungen und Bilder gegossene marxistische Schulungsoffensive gehört zu einem größeren Zyklus von sogenannten Lehrfilmen, die in Anlehnung an Bertolt Brechts didaktisch-experimentelles Lehrstück-Konzept abstrakte Begriffe durch einleuchtende Anschauung mit lebenspraktischem Sinn füllen. Hier widmen sich Harun Farocki und Hartmut Bitonsky in fünfzehn Lerneinheiten den Grundbegriffen eines politischen Hauptwerks von Karl Marx, „Das Kapital“, und behandeln einen Stoffabschnitt, den sie nach eigenen Aussagen für nicht sofort verständlich halten. „Die Absicht ist es, einen Gehenden über das Gehen nachdenken zu lassen, sodass er hinfällt“, gaben die beiden Filmemacher über ihr Vorhaben zu Protokoll. Es ist zu prüfen, ob bei so einem Sturz auch beim Publikum der Groschen fällt.
1981 „aus Gründen der Staatsdisziplin“ abgebrochen, zehn Jahre später fortgeführt: Ein Film über Jugendliche in Eisenhüttenstadt - ihre Fluchten aus der Realität und der Wunsch, selbst zu denken.
Der 1981 geplante Film über Kinder in Eisenhüttenstadt, jenes Vorzeigeprojekt des sozialistischen Städtebaus, wurde „aus Gründen der Staatsdisziplin“ beendet, bevor er begann. Zehn Jahre später, seine Protagonisten sind schon im Westen oder leben nicht mehr, kehrt Thomas Heise die Reste zusammen. Kaum Material, aber Erinnerungen. Die Balladen von Neil Young liegen über Auto- und Zugfahrten durch die neuen Nicht-Orte des deutschen Ostens: „Gone, gone, the damage done.“ Von dort geht „Eisenzeit“ rein in alte und neue Konflikte – ratlose Eltern, Fluchten aus der Realität, der Wunsch, selbst zu denken und nicht gedacht zu werden. Reste, die nicht aufgehen. Eine DEFA-Produktion, von Klaus Wildenhahn im Norddeutschen Rundfunk untergebracht, bei DOK Leipzig mit dem Förderpreis prämiert.
Eine Grundschule am Stadtrand von Paris. Mit Beharrlichkeit und Hingabe werden die Kinder dazu ermutigt, verantwortungsbewusst und empathisch zu sein. Gelungene Pädagogik auf Augenhöhe.
Im Fokus von Claire Simons filmischer Beobachtung steht die Institution Schule. Doch anstatt Zielsetzung und Funktionsweise des Bildungsortes systematisch zu analysieren, liegt das Augenmerk auf den alltäglichen Begegnungen von Kindern und Lehrer*innen. Wie werden Auseinandersetzungen gelöst? Wie vermittelt man Rücksicht, Nachsicht, Empathie? Mit viel Ruhe und einer zurückhaltenden Kamera geht der Film diesen Fragen nach, ausgeführt am Beispiel der Anton-Makarenko-Grundschule in Ivry-sur-Seine, kurz hinter dem südöstlichen Stadtrand von Paris. Eltern kommen mit ihren Kindern an. Der Lehrer reicht einem Neuankömmling die Hand – eine Geste der Ermutigung. In der Klasse wird die Stimme der Unterrichtenden selten laut, autoritäres Gebrüll ist hier fehl am Platz. Stattdessen setzt das Kollegium auf den Dialog, der wiederum auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung beruht. Claire Simon begibt sich mitten hinein in das Leben dieser Schule und lässt die eingefangenen Momente zwischen Kindern und Erwachsenen für sich sprechen. Ein feinfühliges Mosaik entfaltet sich: Augenblicke tief empfundenen Lern- und Lehrglücks, Bootsausflüge auf der Seine, Turbulenzen auf dem Pausenhof. All diese Einzelheiten ergeben das lebendige Bild einer von kleinen und großen Schultern getragenen pädagogischen Mission.
Em Johrden
Credits
Regie
Claire Simon
Kamera
Claire Simon
Schnitt
Luc Forveille
Produktion
Michel Klein
Ton
Nathalie Vidal, Pierre Bompy, Jules Jasko, Elias Boughedir
Die Regisseurin im Disput mit ihrer Mutter über deren strenge Erziehung, die von Macht und Disziplinierung geprägt war. Das Erziehungssystem im modernen Georgien als solches steht zur Debatte.
Die verhassten Klavierstunden ihrer Kindheit ließ Maka unter Tränen über sich ergehen. Als sie ihre Mutter darauf anspricht, erhält sie zur Antwort, diese Quälerei sei vor allem wichtig für die Disziplin. Das Gespräch gibt Anlass zu einer Überprüfung des aktuellen pädagogischen Alltags in Georgien: Hat er sich inzwischen von Erziehungskonzepten wie diesem gelöst? Eine Musikschule, in der brutaler emotionaler und verbaler Druck zum Curriculum gehört; eine Ballettschule, in der sich kleine Mädchen unter Schmerzen dehnen; eine Grundschulklasse, in der noch der leidenschaftlichste Vortrag eines patriotischen Gedichts auf die Helden des Mutterlandes Grund zur Kritik bietet. Hereinspaziert in eine irgendwie surreale, bisweilen urkomisch steife Welt, die an einen altsteinzeitlichen Dinosaurier erinnert, der sich verzweifelt ins Heute zu retten versucht. „Stahl wird durch Feuer gehärtet“, sagt die Mutter. In ihren Worten drückt sich die Last der Verantwortung für die geliebte Tochter aus, in ihnen klingen viele warme, bisher unausgesprochene Gefühle an. „Aber ich bin zuerst ein menschliches Wesen“, erwidert Maka. Die liebende Tochter besteht darauf, dass das aus autoritären Machtstrukturen gebaute Menschenbild überwunden werden muss, denn es reproduziert sich noch in den privatesten Beziehungen, auch in jenen zwischen Eltern und Kindern.
Die Sehnsucht, dass endlich etwas passieren möge, erfüllt sich mit einem Kuss. Nicht mit einem der romantischen Art, sondern mit einem ungeheuerlichen, von dem alle Welt sprechen wird.
Die Sehnsucht, dass endlich etwas passieren möge, erfüllt sich mit einem Kuss. Jedoch nicht mit einem der romantischen Art, sondern mit einem ungeheuerlichen, einem Kuss, von dem alle Welt sprechen wird. So stapft Dodi wachsam durch den Alltag und die Partys, umwölkt von den Stimmen anderer. Ihren selbstbewussten Weg zeichnet „EXOMOON“ nach: kaleidoskopisch, mit gestalterischen Brüchen.
Die letzte Silbe auf den Lippen eines Sterbenden ist „da“. Koji Yamamura übersetzt eine Kurzgeschichte des Autors Hideo Furukawa in einen spannungsvollen und hoch dynamischen Film.
Das Leben ist kurz, extrem kurz. Die Zeit zwischen Geburt und Tod scheint zu verfliegen. Ein Fingerschnipp – und schon ist alles vorbei. Die letzten Sekunden reichen gerade aus, um die Silbe „da“ auszusprechen. Genau diese Silbe, ausgehaucht mit dem letzten Atem eines Sterbenden, wird von einem Mann aufgeschnappt, der in den Straßen Tokios nach dem kürzesten aller Dinge sucht. Die Silbe wirbelt durch seine Gedanken und löst eine Suada voller Überlegungen zur japanischen Sprache aus, in die er sich zunehmend hineinsteigert. Die „da“-Wörter fliegen uns in dadaistischer Manier wie Noten im Jazz um die Ohren. Kräftige Tuschezeichnungen bewegen sich mal fließend, mal explosiv über den weißen Hintergrund. Ein letztes „da“ vollendet die Betrachtung und bringt zum Stillstand, was zuvor energisch kreisend und vibrierend das Bild dominierte. Der Sterbende schließt die Augen. Doch nach dem Ende folgt ein neuer Anfang. „Extremely Short“ bildet den Auftakt der Reihe „Bungaku Bideo“ – Literaturvideos –, die im Auftrag der Yanai Initiative zeitgenössische japanische Literatur und internationale Animationskunst zu innovativen Komplizinnen macht. Hier begegnet Koji Yamamura einem Prosatext von Hideo Furukawa, lauscht dem vom Autor selbst gelesenen Monolog und übersetzt dessen Sprachfuror in eine aufregende visuelle Form.