Filmarchiv

Filmstill Karpotrotter

Karpotrotter

Karpopotnik
Matjaž Ivanišin
Fokus: Slowenische Dokumentarfilme nach 1991 2023
Dokumentarfilm
Slowenien
2013
48 Minuten
Slowenisch
Untertitel: 
Englisch
Karpo Godina, damals 28 Jahre alt, nahm 1971 seine Kamera mit auf eine Reise durch das Flachland der Vojvodina und drehte ein ungewöhnliches Roadmovie. Nur Fragmente jener Aufnahmen sind bis heute erhalten geblieben. Vierzig Jahre später unternimmt eine andere Kamera die gleiche Reise, schreitet die Wege des jungen Godina erneut ab und imaginiert dessen Eindrücke vom Leben der einfachen Leute in dieser ländlichen Region. Ein neues ungewöhnliches Roadmovie entsteht. Es handelt von Orten, Zeiten und Erinnerungen. Es ist auch eine Hommage an Karpo Godina, dessen Werk in der Zeit der sogenannten Schwarzen Welle des jugoslawischen Kinos zur Blüte gelangte.
Simon Popek

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Matjaž Ivanišin
Kamera
Marko Brdar
Schnitt
Uja Irgolič
Produktion
Djordje Legen
Co-Produktion
RTV
Sound Design
Branko Rožman, Tom Lemajič, Julij Zornik
Filmstill Kathy and Teresa

Kathy and Teresa

Kathy and Teresa
Marie Zrenner
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Deutschland,
Kanada
2023
14 Minuten
Englisch,
Inuktitut
Untertitel: 
Deutsch, Englisch
Zwei junge Mädchen in einem Schwimmbad lassen sich im Wasser treiben. Der Film übernimmt dieses driftende Lebensgefühl, wenn er sich mit ihnen durch das nächtliche Montreal und ihren Alltag bewegt. Manchmal sprechen die beiden Englisch, manchmal Inuktitut. Kathy und Teresa kommen aus einer kleinen Inuit-Siedlung im Norden Kanadas. Sie zeigen sich Handyfotos von Robben und Bären, die sie selbst erlegt haben. In Büchern lesen sie vom besonderen Verhältnis zwischen den Inuit und ihren Schlittenhunden, das heute an Bedeutung verloren hat. In einem Park werden die Hausaufgaben erledigt – der Duft der Bäume erinnert die beiden ein wenig an zu Hause. Sie schließen die Augen. Mit großer Zartheit fängt die Kamera die tiefe Verbundenheit dieser besten Freundinnen ein, die eine gemeinsame Herkunft und Sprache teilen. Kathy hat einen bewegenden Song in Inuktitut geschrieben. Mit einfachen, klaren Worten singt sie von den Gefühlen und Sehnsüchten einer jungen indigenen Frau.
Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Marie Zrenner
Buch
Marie Zrenner, Kathy Snowball
Kamera
Youssef Nassar
Schnitt
Ulrike Tortora
Produktion
Sabrina Kleder
Co-Produktion
Caroline Bergoin
Ton
Teresa Annanack, Sabrina Kleder, Youssef Nassar
Sound Design
Cornelia Böhm
Musik
Kathy Snowball
Deutscher Filmverleih
Hochschule für Fernsehen und Film München
Kids DOK 2023

Keep

Andrei Câmpan, Ramona Kristo
Unzählige Steinbrocken liegen herum. Ein Junge mit roten Haaren setzt sie zusammen und baut aus ihnen viele beeindruckende Türme. Ein Turm nach dem anderen wird wieder zum Leuchten gebracht.
Filmstill Keep
Filmstill Keep

Keep

Hou
Andrei Câmpan, Ramona Kristo
Kids DOK 2023
Animationsfilm
Rumänien,
Belgien
2023
9 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
So viele Steine liegen herum. Sie gehörten einmal zu einem Ganzen, das nun zerbrochen ist. Ein Junge mit roten Haaren macht sich daran, sie zu sortieren, sie an- und aufeinanderzusetzen. Nach und nach werden aus den unzähligen Brocken viele beeindruckende Türme. Wir folgen dem Weg des Jungen, auf dem er einen Turm nach dem anderen wieder zum Leuchten bringt.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Andrei Câmpan, Ramona Kristo
Buch
Ramona Kristo
Kamera
Andrei Câmpan
Schnitt
Adèle Coulloudon, Horia Manolache
Produktion
Anca Elena Manolache
Co-Produktion
Ramona Kristo
Ton
Victor Mihailescu
Sound Design
Victor Mihailescu
Musik
Victor Mihailescu
Animation
Adèle Coulloudon, Andrei Câmpan, Andrei Berculescu, Ana-Maria Trăistaru, Geo Dibu
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023

Knit’s Island

Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Ein Dokumentarfilmteam verbringt 963 Stunden in einem Videogame und interviewt dort die Spieler*innen. Nach und nach lassen diese ihre Masken fallen und geben Einblicke in ihr „echtes” Leben.
Filmstill Knit’s Island
Filmstill Knit’s Island

Knit’s Island

Knit’s Island
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Frankreich
2023
95 Minuten
Französisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Rennen. Schnelles Atmen. In der Stille ein Schuss. Der Auftakt schlägt die Grundtöne an: Vorsicht, Neugier, Nervenkitzel. Ein Dokumentarfilmteam verbringt 963 Stunden auf dem Abenteuerspielplatz des Videogames DayZ. Online-Spieler*innen erkunden das Areal einer postsowjetischen Katastrophenprovinz und setzen sich permanent der Gefahr aus, von feindlich gesinnten Gamer*innen getötet zu werden. Guilhem, Ekiem und Quentin sind als Avatare trotz „Presse“-Kennzeichnung den gleichen Regeln unterworfen, wenn sie die Spieler*innen in ihrer virtuellen Welt interviewen. Die Community ist heterogen: marodierende Banden, Cowboys mit Samariter-Ethos, neugierige Wandernde.

Die Realität ist nie ganz fern. Spielerin „Feesh“ wird im Interview von ihrer Konsole fortgerissen, denn ihr IRL(in real life)-Kind weint. „Iris“ erschießt im Gesprächsverlauf vor den Augen der geschockten Dokumentarfilmer, ihr „Spielzeug“, einen Gefangenen – ein Konflikt dokumentarischen Arbeitens tut sich auf. „Knit’s Island“ ist eine beunruhigende, melancholische bis herzerwärmende Tour durch Zufallsbegegnungen und -freundschaften von schlaflosen Menschen in der künstlichen Welt. Einige Avatare zucken ständig nervös und grotesk, weil sie dunkelste Wünsche ausleben. Andere „trick the game“ und dringen in faszinierende techno-psychedelische Sphären vor. Spielende und gespielte Persona – manchmal sind sie eins, manchmal zwei.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Buch
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Kamera
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Schnitt
Nicolas Bancilhon
Produktion
Boris Garavini
Sound Design
Mathieu Farnarier
Musik
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Marc Siffert
Filmvertrieb
Wouter Jansen
Doc Alliance Award 2023

Kristina

Nikola Spasić
Transfrau Kristina verdient ihr Geld als Sexarbeiterin. Sie gestaltet ihr Leben heiter und wohlarrangiert, unabhängig von den Besonderheiten des Berufs. Ein halb-fiktionaler Dokumentarfilm.
Filmstill Kristina
Filmstill Kristina

Kristina

Kristina
Nikola Spasić
Doc Alliance Award 2023
Dokumentarfilm
Serbien
2022
90 Minuten
Serbisch
Untertitel: 
Englisch
Ihm sei es mit diesem Film um die fließenden Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion gegangen, erläutert Regisseur Nikola Spasić in einem Interview, und mit Kristina habe er dafür die perfekte Protagonistin gefunden: jemand mit einer interessanten persönlichen Geschichte, der darüber hinaus auch schauspielern kann. Und so spielt sie sich selbst, Kristina, eine transsexuelle Sexarbeiterin in Serbien. Sie wohnt allein mit ihrer Katze in einem schönen alten Haus, sammelt Antiquitäten und praktiziert Ikebana auf der Terrasse ihres Gartens. Sie trifft sich mit Freund*innen, besucht ein Kloster, lebt ihre Religiosität, arrangiert ein Kruzifix.

Unterbrochen wird diese Idylle immer wieder vom aufdringlichen Klingelton ihres Diensthandys. Aber auch das Treffen mit dem Kunden, der kurze Zeit später vor ihrer Tür steht, ist wohldurchdacht und steht nicht im Widerspruch zu Kristinas elegantem, anmutigem und heiterem Dasein, das sie selbstbestimmt nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltet. Insgesamt haben die makellos kadrierten und komponierten Tableaus etwas Überhöhtes. Doch Spasić betont mit seiner ästhetischen Inszenierung die unumstößliche Freiheit dieser modernen Frau, die er hier in einem intimen wie gewagten Porträt festhält.
Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nikola Spasić
Buch
Milanka Gvoic
Kamera
Igor Lazić
Schnitt
Nikola Spasić
Produktion
Nikola Spasić, Milanka Gvoic
Co-Produktion
Igor Lazić
Ton
Đorđe Stevanović
Sound Design
Đorđe Stevanović
Musik
Đorđe Stevanović
Animation
Milanka Gvoic
Filmstill Kumva – Which Comes from Silence

Kumva – Which Comes from Silence

Kumva – Ce qui vient du silence
Sarah Mallégol
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2023
Dokumentarfilm
Frankreich
2022
108 Minuten
Französisch,
Kinyarwanda
Untertitel: 
Englisch

Ruhig und zurückhaltend begleitet die französische Regisseurin Sarah Mallégol um die dreißigjährige Protagonist*innen, die als Kinder den Völkermord in Ruanda 1994 überlebten. An die Ereignisse von damals können sie sich nicht erinnern – weder diejenigen, deren Väter ermordet wurden, noch die, deren Eltern dafür verantwortlich waren. Eine Auseinandersetzung beginnt: konzentrierte Gespräche zwischen Generationen, die, festgehalten von einer behutsamen Kamera, nun vorsichtig die langjährige Stille brechen sollen – um verstehen, verarbeiten und trauern zu können.

Sarah Mallégol ist selbst in Ruanda aufgewachsen, vor dem Genozid. Auch sie hat keine eigenen Erinnerungen an ihre Kindheit. Aber es gibt mit Super-8-Kamera aufgenommene Familienvideos, die unbeschwerte Tage in der noch friedlichen Landschaft zeigen – und ihre Nanny von damals, Christine. Sie starb 1994. Mehr weiß die Regisseurin nicht. Ihre Motivation für diese filmische Suche ist also eine persönliche. Doch nach dem kurzen Intro überlässt sie den Raum gänzlich denjenigen, die in Ruanda heute mit dem Trauma leben, das sich wie ein Schleier über das Land gebreitet hat. Die Trauer steht im Vordergrund und die Filmarbeit leistet einen Beitrag zur notwendigen Aufarbeitung – begleitet von Gesängen und Landschaftsaufnahmen, die zusätzlich zu Erinnerungen der Überlebenden eine andere Form von Zeugnis ablegen.

Borjana Gaković

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Sarah Mallégol
Kamera
Arnaud Alain
Schnitt
Marie Beaune
Produktion
Louise Hentgen
Ton
Eugène Safali, Pierre George, Jocelyn Robert
-
Ugo Casabianca
Ausgezeichnet mit: Preis der Interreligiösen Jury