„It’s all over.“ Das schlimmstmögliche Schicksal für Regimegegner*innen, unterlegt mit einer Referenz zu „The Unknown Soldier“ von The Doors. Radikal einfach und maximal beeindruckend.
Die Illustration einer Hinrichtung aus der Perspektive des Todeskandidaten, mit einer musikalischen Referenz zum Song „The Unknown Soldier“ der Rockband The Doors. Ferenc Rófusz’ Film war zwar kein direkter Verweis auf die ungefähr 200 Todesurteile, die in Ungarn nach dem Volksaufstand gegen alle möglichen Regimegegner*innen verhängt wurden, aber die Eindringlichkeit spricht dennoch für sich.
Die Dackeldame Dede verstirbt eines Tages. Der kleine Junge trauert und weiß nicht, wohin mit diesem Gefühl. Am Ende findet er heraus, dass Dede zwar tot, aber nicht ganz verschwunden ist.
Die Dackeldame Dede ist alt geworden und verstirbt. Dass auch das geliebteste Haustier nicht ewig lebt, ahnen wir. Aber wenn es schließlich passiert, lässt es sich nur schwer verkraften. So hat auch der Junge in dieser Geschichte damit zu tun, mit seiner Trauer umzugehen. Am Ende findet er heraus, dass Dede zwar tot, aber nicht ganz verschwunden ist.
Eine junge Frau zerlegt einen hässlichen Sperrholzschrank, der sie an eine Gewalttat in ihrer Vergangenheit erinnert. Ein Artefakt des Schmerzes wird zerstört – eine kraftvolle Geste.
Ein wenig ansehnlicher, dunkler, dreigliedriger Kleiderschrank im Flur: An die zehn Jahre sind vergangen, seit Joana Claude beim Aufbau des Möbels sexuelle Gewalt erfahren musste. Jetzt ist nicht nur die Zeit für seine Demontage gekommen. Joana macht sich vielmehr daran, das Artefakt des Schmerzes vollständig zu zerstören. Die Geste geschieht voll Inbrunst, das Herausreißen von Zwischenböden und Türen wirkt wie eine nachträgliche Gegenwehr, Angestautes findet ein Ventil. Dabei ist das Ritual von einer sukzessiven Steigerung geprägt: Spricht die Regisseurin zunächst vom Verhältnis zu ihren Eltern – ein großer Schweißfleck am Rücken zeichnet sich da bereits ab –, steht zum Schluss alles in Flammen. Die Aktion ist kurz, dauert nur wenige Minuten. Und doch ermöglicht sie eine intime Einsicht, die im Vollzug der Handlung einen universellen, Kraft spendenden Charakter erhält.
Dieser Film heißt aus rechtlichen Gründen Breaking Bert
Anne Isensee
Die meisten Unfälle passieren zu Hause, manchmal in Form eines Textes von Brecht, der unerwartet an die eigene politische Verantwortung appelliert. Irgendetwas muss doch getan werden!
Dieser Film heißt aus rechtlichen Gründen Breaking Bert
Dieser Film heißt aus rechtlichen Gründen Breaking Bert
Anne Isensee
Animation Perspectives 2023
Animationsfilm
Deutschland
2020
5 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
Die meisten Unfälle passieren zu Hause. Dort ereilt eine jazzliebende Zeichenfigur unvorbereitet die Wiederbegegnung mit einem Text von Bertolt Brecht und mit ihm ein Appell an die eigene politische Verantwortung. Wenigstens irgendetwas ist zu tun, um nicht auf die falsche Seite zu geraten. Eine pointierte, aufgeräumte Betrachtung mit Verständnis für menschliches Zaudern.
André Eckardt
Credits
Regie
Anne Isensee
Buch
Anne Isensee
Schnitt
Anne Isensee
Produktion
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Lorena Junghans
Srećko, Mirza und Mejra sind Überlebende des Massakers von Srebrenica 1995. Im Kontrast von unschuldigen Alltagsmomenten und Archivbildern aus dieser Zeit erfahren wir von ihren Schicksalen.
Lastwagen fahren im Schritttempo über die Landstraße, geschmückt mit Blumengirlanden, beladen mit den sterblichen Überresten von Menschen, die bei dem Massaker von Srebrenica ermordet wurden. Die Hinterbliebenen nehmen die Särge in Empfang, um die erst vor Kurzem exhumierten und identifizierten Toten auf dem weitläufigen Friedhof der Stadt, gleichzeitig Gedenkstätte, zu bestatten. So überwältigend beginnt der Film, um sich anschließend auf drei der wenigen Überlebenden des Massenmordes zu konzentrieren, dem in der Kleinstadt in Bosnien und Herzegowina im Juli 1995 innerhalb von wenigen Tagen Tausende, hauptsächlich Männer und Jungen, zum Opfer fielen.
Srećko kehrte zurück und lebt nun in den Wäldern auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Mirza entkam, indem er tagelang durch die Berge wanderte, und bewohnt jetzt wieder mit seiner Frau das alte Haus. Mejra hat ihren Mann und ihre Söhne verloren und versorgt sich, inzwischen 85-jährig, immer noch allein von ihrem Feld. Die leise beobachteten Alltagshandlungen wechseln sich ab mit prägnantem Archivmaterial, das die Abläufe der unfassbaren Ereignisse fast minutiös darstellt. Wacklig-rauschige Videos stehen in Kontrast zu den klaren Aufnahmen von Landarbeit und berückend unschuldiger Natur. Die Vergangenheit lastet unverändert schwer, doch zeigt sich die Beharrlichkeit des menschlichen Geistes, auch schrecklichste Umstände ertragen zu wollen.
In Sankt Petersburg erinnern heute zahlreiche Mahnmale an die knapp 900-tägige Einkesselung Leningrads. Die „Straße des Lebens“ spielt dabei im kollektiven Gedächtnis eine besondere Rolle.
Alltägliches in beiläufigen Straßenszenen im Leningrader Frühling in den 1960er Jahren. Unvermittelt erinnert sich ein Taxifahrer an seine Transporteinsätze auf der sogenannten „Straße des Lebens“ während der 900-tägigen Einkesselung durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ikonografische Bilder aus der Zeit der Leningrader Blockade geben Einblick in den Alltag der Menschen damals.
Eine beschwingte Umsturzfantasie, die ihr subversives Potenzial im Polen des Jahres 1979 hinter witzigen Figuren und fröhlicher Musik verbirgt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Es geht bergab. Für wen? Das überlässt Marian Cholerek dem Publikum. Eindeutig konnte er seine Geschichte über einen gemeinschaftlichen Akt vermeintlich oppositioneller Kräfte im Jahr 1979 auch nicht erzählen. Unverhohlen zeigen sich dafür seine langjährige Arbeit an Animationsserien für Kinder und seine Vorliebe für erotisch aufgeladenen Humor. Ein fröhlich-subversiver Kinderfilm für Erwachsene.
Maremoto ist eine junge mexikanische Illustratorin und Visual Creator, vor allem aber eine einfühlsame Künstlerin. Wir begleiten sie in ihrem täglichen Kampf gegen Sexismus, Angst und Unbehagen.
Femizide sind in Mexiko alltäglich. Wir begleiten Maremoto in ihrem Kampf gegen Sexismus, Angst und Unbehagen. Sie ist Illustratorin und Visual Creator, vor allem aber eine einfühlsame Künstlerin. Diese VR-Erfahrung ist inspiriert von ihrer Kunst, ihrer Suche nach Identität, ihrer Selbstermächtigung, ihrer Art, sich und anderen den eigenen Körper bewusst zu machen und Verbündete für das Ringen um Veränderung zu gewinnen.
Lars Rummel
Credits
Konzept
Mariana Cadenas Sangronis
Produktion
Evelien De Graef, Hanne Phlypo, Michel Denis, Kris De Boeck, Patrick Vandenbroeck
Produktionsfirma
Clin d’oeil films, Castar, Benuts Flanders
Animation
Camille Chailloux, Eline Mollet, Daaf Wouters
VR Entwicklung
Nicolas Corson, Jonathan Massin, Milan Gerard, Pierre Lacasse
Eine eingeschlafene Paarbeziehung, nackt unter sengender Sonne und orientierungslos auf dem weiten Urlaubsmeer. Auf der Suche nach lustigen Delphinen paddeln Aurora und Jeremy um ihr Leben.
Sie und er, nackt bei strahlender Sonne auf dem Urlaubsmeer. So idyllisch es klingt, für Aurora und Jeremy ist es die Hölle. Auf der Suche nach lustigen Delphinen paddeln die beiden orientierungslos in der unendlichen Weite des Wassers, ohne Land in Sicht. Mit Gefahren von oben und unten in Form von Hitze und Hai. Und im Zentrum der Ereignisse eine eingeschlafene Paarbeziehung. Die Rollen sind über die Zeit eingespielt und nerven, die verklemmte Lust erfüllt sich nur solo.
Anstatt tosender Wellen ist es vor allem die erbarmungslose Stille des Meeres, die beide umgibt und die die Spannung des Films ausmacht. Sie entlädt sich manchmal in brillanten Miniaturen, zum Beispiel als witziges Wortgefecht, oder in unbeholfener Körperkomik. Ein anderes Mal schocken actionreiche Horrormomente, die absurde Kettenreaktionen auslösen. Ob das gleißende Licht auf dem brutal ruhigen Wasser und dem ratlosen Paar, visuell fast riechbare Verwesungsdämpfe oder ein superdynamischer Tauchgang – Levi Stoops’ inszeniert grandios und mit höchstpräzisem Timing.
André Eckardt
Credits
Regie
Levi Stoops
Buch
Levi Stoops
Kamera
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Levi Stoops
Schnitt
Levi Stoops
Produktion
Annemie Degryse
Ton
Paulo Rietjens, Arnout Colaert
Sound Design
Paulo Rietjens
Musik
Mick Lemaire
Animation
Camiel Hermans, Sarah Menheere, Karolien Raeymaekers, Levi Stoops