Frühjahr 2022, Russland: Wie ist Protest gegen den Ukraine-Krieg möglich? Kann ein Film trotz Zensur Widerstand leisten? Ja, zum Beispiel in einer Detailbetrachtung der Kremlmauer.
Im Frühjahr 2022 ist das Sicherheitspersonal in Moskau angespannt. Unter dem Deckmantel eines Filmwettbewerbs zur Architektur der Stadt dürfen Yana Osman und Anton Khamchishkin, wenn zwar sonst nichts, immerhin die Zinnen der Kremlmauer aufnehmen. Aber wie vom Überfall sprechen, wenn man „militärische Spezialoperation“ sagen muss? Wie Bilder des Widerstands machen, wenn das Filmen von Protesten untersagt ist? Zum Beispiel, indem man über Schwalben und die mathematische Katastrophentheorie sinniert.
Animieren heißt zum Leben erwecken, doch genau das gelingt in diesem Architekturfilm mit maschineller Hilfe. Was geschieht, wenn eine KI mit der Erschaffung von Kunst betraut wird?
Als ihren „Artificial Assistant“ bezeichnet Claudia Larcher die KI, die ihre analoge Collageserie „Baumeister“ digital analysierte und daraus diesen Film generierte. Ob Urheber oder dienstbarer Geist – die Maschine lässt Architekturskizzen biomorph wabern und belebt (d.h. animiert) starre Formen. Die japanischen Metabolisten, die die fließende Erneuerung ihrer Bauten, das organische Wachsen, Verformen und Vergehen von Architektur forderten, hätten an „The Artist in the Machine“ Gefallen gefunden.
Eine junge Frau bittet eine Hyäne, ihren Platz bei einem ihr zu Ehren ausgerichteten Dinner mit anschließendem Tanz einzunehmen. Das Vorhaben erfordert Kunstfertigkeit und Gewalt.
Eine junge Frau bittet eine Hyäne, ihren Platz bei einem ihr zu Ehren ausgerichteten Dinner mit anschließendem Tanz einzunehmen. Das Vorhaben erfordert Kunstfertigkeit und auch Gewalt. Kräftige Pinselstriche kalligrafieren die noble Gesellschaft, die pulsierende Animation übernimmt das Temperament der Heldin. Die schadenfrohe Farce konfrontiert eine in Traditionen und Etiketten erstarrte Klasse mit einem aasfressenden Tier, das ausgelassen die Anarchie feiert.
Nazario, Begründer der spanischen Underground-Comic-Bewegung und Pionier der schwulen Graphic Novel, lässt sein bewegtes Leben, sein schrilles und explizites Werk Revue passieren.
Nazario, Begründer der spanischen Underground-Comic-Bewegung und Pionier der schwulen Graphic Novel, lässt sein bewegtes Leben, sein schrilles und explizites Werk Revue passieren. 16mm-Filme, Fotografien, Illustrationen und Gemälde dokumentieren den Aufbruchsgeist einer Gegenkultur, erzählen aber auch von Nazarios großer Liebe zu Alejandro, mit dem er bis zu dessen Tod zusammenblieb. Bei diesem Künstler gehen Profession und Leidenschaft ineinander über.
Incel-Kultur ist Ausdruck eines aktuellen Männlichkeitsverständnisses. López’ Essay untersucht den Echokammereffekt im Netz und das Gefühl von Einsamkeit in Zeiten von Algorithmen.
2018 veröffentlichte ein User namens AnathematicAnarchist einen Abschiedsbrief in einem Online-Forum für Incels – eine Subkultur heterosexueller Männer, deren Selbstmitleid, Frauenhass und Gewaltfantasien vielerorts das Internet bestimmen und mancherorts offline Taten auslösen. Nahm er sich wirklich das Leben? Ist Amerika verantwortlich für seinen Tod, wie er in seinem Text behauptet? Eine Spurensuche in finsteren Ecken des Netzes, ein Essay über Schmerz und Einsamkeit in Zeiten von Algorithmen.
Marie Kloos
Credits
Regie
Gala Hernández López
Buch
Gala Hernández López
Kamera
A. Pol Camprubí
Schnitt
Gala Hernández López, Alberto Dexeus
Produktion
Lucas Le Postec, Thibault de Gantes, Ninon Chapuis
Das Videotagebuch einer Kyjiwer Künstlerin, die angesichts des Kriegsalltags zwischen Angst, Agonie und Aktionismus schwankt. Dafür findet sie berührende Worte und Bilder.
Mit diesem persönlichen Videotagebuch aus Kyjiw gelingt es der Künstlerin Hanna Trofimova, ein Stück weit nachvollziehbar zu machen, wie der Krieg das Leben und den Alltag infiltriert und zerstört – selbst dann, wenn die eigene Wohnung noch nicht durch eine Bombe getroffen wurde. Bilder aus der beklemmenden „Normalität“ zwischen Sirenenalarm und Explosionen verbinden sich mit den berührenden Worten einer jungen Frau, die versucht, sich und ihr Dasein nicht ganz an die neue Realität zu verlieren.
Eine Mutter, eine Tochter, ihre enge Verbindung und die Frage, weshalb Sex seltsame Dinge mit Menschen macht. Die filmische Aufarbeitung eines Traumas: mit Showeinlagen.
„Sex macht seltsame Dinge mit den Menschen!“ Dieser Satz aus der Kindheit hallt nach. Was meinte ihre Mutter damit? Welche Ängste hat sie an Emma weitergegeben? Die angehende Filmemacherin stellt die Kamera in der Wohnung der Mutter auf, lädt deren Freundinnen ein, schafft eine offene Gesprächsatmosphäre. Mehr und mehr öffnet sich Coby, spricht ein verdrängtes Thema an. Gleichzeitig kann sie sich vor dem Objektiv der Tochter in Show- und Tanzeinlagen auch von einer ganz anderen Seite zeigen.
Der Lebensentwurf eines jungen Filmemachers prallt auf die Erwartungen der Mutter und der chinesischen Gesellschaft. Eine filmische Auseinandersetzung in leuchtenden Super-8-Bildern.
Der Sommer nach Abschluss der Uni: Eigene Lebensentwürfe und Erwartungen der Elterngeneration prallen aufeinander. Während Shuli seine Freunde mit einer Super-8-Kamera filmt, wünscht sich seine Mutter nichts sehnlicher, als dass er heiratet. Dass ihr Sohn Männer liebt und seit Jahren in Beijing mit seinem Freund zusammenlebt, darüber schweigt sie beharrlich. Ein ohrenbetäubendes Schweigen. Über beschauliche Familienbilder legt sich eine längst überfällige Auseinandersetzung.