Fünf junge Menschen der Maidan-Generation stellen sich gemeinsam auf der Bühne der Frage, wie der Krieg ihre Selbstentwürfe beeinflusst hat und wie ein Weiterleben möglich ist.
Fünf junge Menschen aus der Ukraine sprechen über ihr Leben nach der Maidan-Revolution 2014. Nicht alle kämpften im Russisch-Ukrainischen Krieg, aber allen zerschmetterte er Lebenspläne. Als „Generation Maidan“ stehen sie vor der Frage, wie sie Gewalterfahrungen verarbeiten, wie sie weitermachen können. Die Theaterregisseurin Roza Sarkisian inszeniert mit ihnen eine Hamlet-Adaption, in der sie sich in Shakespeares Tragödienfigur spiegeln und Traumata auf der Bühne neu begegnen.
Für sie ist Hamlets Frage nach dem „Sein oder Nichtsein“ nicht nur historischer Text, sondern ein aktuelles und existenzielles Dilemma ohne eindeutige Antwort. Der Film verfolgt den Clash der unterschiedlichen Biografien, Selbstentwürfe und politischen Haltungen bei den Proben: Ein Soldat trifft zum ersten Mal auf eine LGBT-Person, die Feministin hadert damit, dass der Krieg hart erkämpfte Emanzipationserfolge hinfällig macht. Reibungen und Differenzen treten zutage, Kompromisse werden mühsam ausgehandelt. Schließlich weitet der Film seinen Fokus und verlässt die Bühne, um die fünf auch als (mit sich ringende) Privatpersonen vorzustellen. Es entsteht ein vielschichtiges, dichtes Porträt einer zerrissenen und gleichzeitig kraftvollen ukrainischen Generation, die sich nur wenige Monate nach der Premiere des Theaterstückes durch den russischen Überfall erneut im Kriegszustand befindet.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski
Kamera
Piotr Rosołowski
Schnitt
Agata Ciernak
Produktion
Andreas Banz, Matthias Miegel, Magdalena Kaminska, Agata Szymanska, Robert Thalheim
Ton
Marcin Lenarczyk, Jaroslaw Sadowski, Andrii Nidzelskyi
Sound Design
Jonathan Schorr
Musik
John Gürtler, Jan Miserre
Filmvertrieb
Katarzyna Wilk
Broadcaster
Eva Witte-Toetzke, Beata Ryczkowska, Alicja Gancarz
Redaktion
Eva Witte-Toetzke
Nominiert für:
MDR-Filmpreis,
Filmpreis Leipziger Ring
Silvia, alleinerziehend, begeht den ersten Geburtstag ihrer Tochter. Ein nüchternes und bisweilen ernüchterndes Porträt, in dessen Zentrum eine zuversichtliche Frau steht.
Ein Jahr lebt Silvia Szuprizinski nun schon allein mit ihrer kleinen Tochter: Zeit für ein Resümee. Die junge Frau gibt Auskunft, ihre Erzählungen kommentieren Gabriele Hochneders Alltagsbilder, die von Anstrengungen künden. Über die misslungene Beziehung zum Kindsvater spricht Silvia, gelehnt an den Kachelofen, abgeklärt, auch wenn ein gewisses Bedauern mitschwingt. Immerhin ist ihre eigene Familie präsent, pünktlich zum ersten Geburtstag stehen allesamt vor der Tür. Ihre Abende jedoch verbringt Silvia wieder nur mit sich – und dem Fernsehapparat. Dass Hochneders Film trotz aller Widrigkeiten nicht zum Lamento gerät, ist auch seiner zuversichtlichen Hauptprotagonistin zu verdanken.
Beim Mittagsschlaf ihrer langweiligen Oma kommt Greta auf die Idee, Beerdigung zu spielen. Als Oma aufwacht, erkennen sie: Für gute Erinnerungen muss man schöne Momente schaffen.
Puh, ist das langweilig. Bei Oma darf man gar nichts! Nichts anfassen, nichts anmalen, immer nur leise sein. Aber als Oma ihren Mittagsschlaf hält, kommt Greta auf die Idee, mit ihr Beerdigung zu spielen. Die Kuscheltiere trauern am Sofa-Grab, Greta hält eine Rede mit bebender Stimme. Da wacht Oma wieder auf und sie beide sehen ein: Für gute Erinnerungen muss man schöne Momente miteinander schaffen.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Damaris Zielke
Kamera
Michael Throne
Schnitt
Damaris Zielke
Produktion
Jiayan Chen
Ton
Max Hartstang, Marieke Czogalla
Sound Design
Marieke Czogalla
Musik
Hannes Binder
Animation
Damaris Zielke, Lukas von Berg, Ferdinand Ehrhardt, Patrik Knittel, Sarah Schulz , Tanja Gruber, Laura Staab
Dem Wiederaufbau einer Brücke, die der Versorgung in der sowjetischen Besatzungszone dient, verleiht Eva Fritzsche mithilfe von nachgestellten Szenen dramatische Intensität.
Werktätige rekonstruieren eine Eisenbahnbrücke, und Eva Fritzsche rekonstruiert den Prozess dahinter – indem sie nachstellt, was sie nicht filmen konnte, unterstützt von den Beteiligten, die sich noch einmal selbst spielen. Der Film stimmt besonders auf jene unter ihnen ein Loblied an, deren Einsatzbereitschaft gering geschätzt wurde: Jugendliche, die sogar auf den Fußball verzichten, und Frauen, die auf einmal in der Fabrik stehen. „Frauen als Grobschmiede, ist ja ’n Witz!“, höhnt da ein Mann vom Arbeitsamt. Darin hallt wider, was sich Eva Fritzsche bei der DEFA anhören musste: „Frauen machen keine Filme!“ Doch sie machte – und schuf so eines der eindrücklichsten Zeugnisse der Aufbaujahre.
An der Straßenecke Sperlingsberg im thüringischen Oberdorla trifft Welt- auf Lokalgeschichte. 1945 wurde hier ein amerikanischer Soldat erschossen. Ein Foto von ihm kursiert Jahrzehnte später im Internet. Dieses Bild stellt die Regisseurin Christa Pfafferott an den Anfang ihrer Recherche.
An der Straßenecke Sperlingsberg im thüringischen Oberdorla trifft Welt- auf Lokalgeschichte. 1945 wurde hier ein amerikanischer Soldat erschossen. Ein Foto von ihm erlangte Berühmtheit und kursiert, Jahrzehnte später, im Internet. Dieses Bild stellt die Regisseurin Christa Pfafferott an den Anfang ihrer Recherche.
Die farbenfrohen Malereien von Güler Yücel erzählen vom ländlichen Alltag auf der türkischen Halbinsel Datça und von ihrer Ehe mit Can, einem politisch verfolgten Dichter.
Man fühlt sich willkommen auf der Terrasse von Güler Yücel. Die temperamentvolle Künstlerin präsentiert farbenfrohe Malereien eines Alltags, den sie aus nächster Nähe kennt. Yücel lebt und malt auf der türkischen Halbinsel Datça. Ihre Gemälde sind chronistische Erzählungen. Sie fangen die Ausgelassenheit einer Hochzeit ein, begleiten Arbeiter während der Olivenernte, zeigen eine Ziegenherde. Sie erzählen auch von ihrer Ehe mit Can, einem politisch verfolgten, mittlerweile verstorbenen Dichter.
Wenn es Güler Yücel zu heiß wird, spritzt sie sich lachend mit einem Schlauch ab. Sogar ihre neuesten Arbeiten müssen sich einem Wassertest unterziehen. Wir lernen eine unkonventionelle Frau kennen, die auch als Betagte mit schöner Lebenslust ihre Umgebung erkundet. Angeregt von den Gesprächen und Yücels Werk geht die Filmkamera auf Entdeckungsreise. Ihr Blick verweilt auf anderen Frauen, die selbstbewusst ins Objektiv schauen und sprechen, wie etwa die Ziegenhirtin von ihrer Zeit in der Stadt, wo sie sich fremdbestimmt fühlte. Nun ist sie bei sich selbst angekommen. Später, auf einer Hochzeitsgesellschaft, schreitet die junge Braut stolzen Schrittes in die Zukunft. Auch Güler Yücel hat ihr Leben und ihre Liebe gelebt. Auf einem ihrer Bilder sieht man Can und sie nackt in der Sonne sitzen. Sie erinnert sich an ihren Ehemann, an die gemeinsam ausgefochtenen politischen Kämpfe.
Anke Leweke
Credits
Regie
Helke Misselwitz
Buch
Helke Misselwitz
Kamera
Ferhat Yunus Topraklar, Yunus Roy Imer, Thomas Plenert
Die Welt ist ein Haus und es gibt Regeln in diesem Haus
Felix Leffrank
Eine durchaus kreative Reflexion der unkreativen Phasen: Ein Geschichtenerzähler kämpft mit Depressionen und Schreibblockaden, unter den wachsamen Augen innerer wie äußerer Dämonen.
Die Welt ist ein Haus und es gibt Regeln in diesem Haus
Die Welt ist ein Haus und es gibt Regeln in diesem Haus
Felix Leffrank
Deutscher Wettbewerb Kurzfilm 2022
Animationsfilm
Deutschland
2022
13 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
In farbenfrohen computeranimierten Bildern verhandelt Felix Leffrank die Höhen und Tiefen eines Künstleralltags. Auf dem Leidensweg zwischen Depressionen, Schreibblockaden, Wut und großstädtischer Einsamkeit wird ein Geschichtenerzähler von drei schrägen Vögeln begleitet, die mal als nervige Nachbarn, mal als innere Dämonen auftreten. Jung, Freud und die Psychologin Dr. Breuer in Gestalt einer grauen Katze fördern die Selbstreflexion, doch am meisten hilft wohl ein gemeinsames Bier mit Freunden.
Liebesbedürftig wirkt das kleine Wesen. Bis es um die Ecke faucht. Auf seinen kurzen Beinchen spurtet es dir durch die leere Vorstadt hinterher. Unbehagen macht sich breit.
Klein und niedl… Nein, nicht niedlich, eher liebesbedürftig und schüchtern wirkt dieses kniehohe Wesen. Bis es um die Ecke faucht. Auf seinen kurzen Beinen spurtet es dir durch die leere Vorstadt hinterher. Unbehagliches Lauern macht sich breit. Malte Stein legt mit gezeichneter Kargheit, gemeinen Geräuschmotiven und nicht so freundlichen Charakteren chirurgisches Besteck für das Kopfkino bereit.
Ein Dorfporträt in den Karpaten: Anhand der Begegnungen mit drei selbstbestimmten Frauen dokumentiert Maksym Melnyk das Landleben im ukrainischen Stuschyzja nahe der EU-Grenze.
In einem abgeschiedenen Dorf, dessen Name sinngemäß „kalter Ort“ bedeutet, sucht dieser Film nach Wärme in der Begegnung. Das ukrainische Stuschyzja liegt in den Karpaten im Dreiländereck zwischen Polen und der Slowakei. Wo 2019, im Jahr von Selenskyjs Wahlerfolg, kaum noch junge Menschen leben, sind die drei älteren Protagonistinnen – Landwirtin, Postbeamtin und Biologin – fest verwurzelt. Mit der Zeit wird auch das Filmteam, zumindest temporär, zu einem geschätzten Teil der Dorfgemeinschaft.
Zwischen Horoskop-Lesungen im Postamt, Hofarbeit mit der Mistgabel und kirchlichen Segnungen reparaturbedürftiger Pkws nähert sich Maksym Melnyk, selbst gebürtig aus der Oblast Transkarpatien, den drei Frauen an. Sein dokumentarischer Stil ergibt sich aus der Interaktion: Stellt er zu Beginn wie ein Reporter Fragen aus dem Off, rückt er mit zunehmender Nähe zu den Menschen selbst ins Bild. Als „Fliege an der Wand“ begreifen sich heute die wenigsten Dokumentarfilmschaffenden. Aber der Protagonistin vor laufender Kamera ein Schwein zu schenken, sich von ihr die Haare schneiden zu lassen? Das ist dann doch eher ungewöhnlich. Am Beispiel der alleinstehenden Bäuerin Hanna, die Melnyk und Kameramann Florian Baumgarten – ihn nennt sie „der Deutsche“ – wie Söhne behandelt, porträtiert der Film ein entbehrungsreiches Landleben, das in der Bergregion nahe der EU-Grenze im Niedergang begriffen scheint.
Jan-Philipp Kohlmann
Credits
Regie
Maksym Melnyk
Kamera
Florian Baumgarten, Meret Madörin
Schnitt
Jannik Eckenstaler
Produktion
Maksym Melnyk, Andrea Wohlfeil
Ton
Roman Pogorzelski
Musik
Maksym Melnyk
Ausgezeichnet mit:
DEFA Förderpreis,
Goldene Taube (Publikumswettbewerb)
Eine kurzweilige Vision zum Internationalen Frauentag als Mahnung, Inspiration und Kommentar zu den Geschlechterverhältnissen im Alltag der DDR in Form eines Puppentrickfilms.
Das Ehepaar Angelika und Horst Butter resümiert Erfolge und Rückschläge des gemeinsamen Amateurfilmschaffens. Inzwischen produzieren sie unter teils widrigen Umständen aufwendige Puppentrickfilme in ihren Privaträumen. Dabei setzen sie Stoffe aus der Märchen- und Fantasiewelt um, greifen aber auch aktuelle gesellschaftliche Themen auf, etwa in einer kurzweiligen Vision zum Internationalen Frauentag.
Die Jugendbrigade der Volkswerft Stralsund leistet, trotz ideologischer Mängel, Hervorragendes. Dennoch wird die Stadt zum Brennpunkt sozialistischer Wertschöpfungsverhältnisse.
Hoch im Norden, in der Volkswerft Stralsund, trifft Gitta Nickel eine Jugendbrigade, deren Mitglieder sich unverblümt äußern: „Ich bin jetzt 27 Jahre alt. An meinem eigenen Beispiel kann ich sagen: außer Arbeit nichts gewesen, wirklich nichts. Das kann ich wirklich von mir stock und steif behaupten.“ Stralsund als Brennpunkt sozialistischer Wertschöpfungsverhältnisse: Zwar wird alle zwei Wochen ein Schiff fertiggestellt, jedoch keine Wohnungen, und an Freizeitangeboten mangelt es gleich ganz. Der Befund: Lebensqualität und Leistung stehen in keiner guten Relation zueinander. Der Zusammenhalt in der Brigade ist dennoch groß, auch wenn es, wie einige befinden, auf „ideologischem Gebiet“ noch hapert.
Nervös vibriert die Kamera, ein Quietscheentchen wird von der Algebra geköpft. Kurz und mit voller Wucht entzündet David Lynch ein Fanal gegen den verschulten Blick auf die Welt.
Nervös vibriert die Kamera, ein Quietscheentchen wird von der Algebra geköpft. In nur einer Minute und mit voller Wucht entzündet David Lynch ein Fanal gegen den verschulten Blick auf die Welt. Reading, wRiting, aRithmetic – die drei Grunddisziplinen der kulturtechnischen „Abrichtung“ entpuppen sich als Trauma der Kindheit und Gegner des nicht Vermessbaren, des Rätselhaften und Unbeschreiblichen.
Animieren heißt zum Leben erwecken, doch genau das gelingt in diesem Architekturfilm mit maschineller Hilfe. Was geschieht, wenn eine KI mit der Erschaffung von Kunst betraut wird?
Als ihren „Artificial Assistant“ bezeichnet Claudia Larcher die KI, die ihre analoge Collageserie „Baumeister“ digital analysierte und daraus diesen Film generierte. Ob Urheber oder dienstbarer Geist – die Maschine lässt Architekturskizzen biomorph wabern und belebt (d.h. animiert) starre Formen. Die japanischen Metabolisten, die die fließende Erneuerung ihrer Bauten, das organische Wachsen, Verformen und Vergehen von Architektur forderten, hätten an „The Artist in the Machine“ Gefallen gefunden.
Die Bizgeci sind gefiederte, aber wenig flugtaugliche Kreaturen. Mit dem Sommer kommt ihr Appetit auf Kirschen. Aber wie herankommen, wenn einen die Evolution am Boden hält?
Die Bizgeci sind gefiederte, aber wenig flugtaugliche Kreaturen, in der Evolutionskette irgendwo zwischen Primaten und Vögeln angesiedelt. Kaum hat der Sommer begonnen, wächst ihr Appetit auf Kirschen. Allerdings hängen diese so hoch in den Bäumen, dass kein Herankommen ist. Unbeirrt versuchen die Bizgeci, die Grenzen ihrer biologischen Entwicklungsstufe zu überwinden – eine quietschbunte Angelegenheit.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Grega Mastnak
Buch
Grega Mastnak, Peter Povh
Schnitt
Istok Jan Simončič
Produktion
Igor Pediček
Ton
Vojko Sfiligoj
Musik
Vojko Sfiligoj, Ana Pupedan
Animation
Grega Mastnak, Vladimir Leben, Boštjan Franc Avguštin, Tina Avšič
Eine Parabel vom Über-sich-Hinauswachsen: Mit seiner Horror-affinen, durchgestalteten Ästhetik definierte Dušan Kastelic neue Qualitätsstandards für die 3D-Computeranimation.
Das Leben in der Box ist erbärmlich – bis ein Wesen zu wachsen beginnt, das sich von den flachköpfigen Mitbewohnern unterscheidet: Es singt und begeistert sich. Eine Nervensäge, meinen die anderen. Doch der Junge wächst weiter und überragt sie bald alle … Mit der Horror-affinen, durchgestalteten Ästhetik seiner Parabel definierte Dušan Kastelic neue Qualitätsstandards für die 3D-Computeranimation.
Die Lehrerin stellt den neuen Mitschüler vor. Huch, der Junge hat ja einen Elefantenkopf! Obwohl alle tuscheln, fängt ein Kind an, mit ihm zu spielen. Sie entdecken Gemeinsamkeiten.
Die Lehrerin stellt den neuen Mitschüler vor. Keiner nimmt Notiz. Doch huch, der Junge hat ja einen Elefantenkopf! Sofort geht das Getuschel los, Bildchen werden gekritzelt, keiner möchte neben dem Neuen sitzen. Nur einer der Schüler scheint von dem Elefantenkind fasziniert zu sein. Auf dem Schulhof spielen sie zusammen und entdecken Gemeinsamkeiten. Wird der Spott der anderen sie wieder trennen?