Der bulgarische Ort Kjustendil wurde von Covid schwer getroffen. Im Hospital versuchen Ärzte, Patienten und Filmcrew, der Krankheit mit Galgenhumor ihren Schrecken zu nehmen.
Kjustendil, eine Stadt in den bulgarischen Bergen, wurde von Covid schwer getroffen. Das dortige Krankenhaus ist wohl ein einigermaßen repräsentativer Mikrokosmos dafür, wie das medizinische Personal mit den schlimmsten Folgen der Pandemie umging. Zehn Jahre nach seinem Debüt „Sofia’s Last Ambulance“ (DOK Leipzig 2012) kehrt Ilian Metev mit einem weiteren Film über das nationale Gesundheitssystem zurück, das dem Virus Galgenhumor und individuelles Engagement entgegensetzt.
Metev selbst saß während des Drehs in London fest und überwachte aus der Ferne, wie Co-Regisseurin Teneva und ihr Kollege Chertov Material sammelten und die Aufnahmen im Alleingang bearbeiteten. Die Krankenhausbelegschaft steht im Fokus. Und wenn es bei all den unzähligen Mitwirkenden einen Hauptprotagonisten gibt, so ist das Dr. Popov. Warmherzig und immer zu einem Spruch aufgelegt, sehen wir ihn oft sogar ohne Maske – die anderen Mitarbeitenden sind meist hinter Schutzausrüstungen verborgen. Sie alle teilen einen knallharten Humor, um durch den Tag und die Nacht zu kommen. Auch die logistischen Herausforderungen einer derartigen Filmunternehmung bleiben nicht verborgen: Die Leute mit den Kameras werden immer wieder erwähnt und angesprochen. In dieser Notgemeinschaft von Patienten, Ärzten und Filmcrew scheint man stets zu Scherzen aufgelegt. Doch der Tod, oben auf der Intensivstation, ist ganz nah.
Eine Collage, deren Töne undefinierbar und doch organisch wirken. Pauline Oliveros’ Stück bedarf keiner Bilder. Intuitiv erscheinen sie von selbst vor unserem geistigen Auge.
Eine rein akustische Collage, deren Töne in ihrer Natur undefinierbar und doch irgendwie organisch wirken. Sie ziehen uns in ihren Bann, lassen uns zuweilen vor etwas Unbekanntem erschauern. Die Schwerkraft scheint auszusetzten. Dieses Stück bedarf keiner Bilder, denn intuitiv werden sie sich ganz von selbst wie Tausende von Halluzinationen vor unserem geistigen Auge materialisieren.
Vier Jahre verbringt Corine Shawis Vater in Krankenhäusern – eine Zeit, in der der Ausnahmezustand zum Alltag wird. Eine Zustandsbeschreibung, die vom Abfinden und Neufinden zeugt.
Vier Jahre verbringt Corine Shawis Vater infolge einer plötzlichen Lähmung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen in Beirut – eine Zeit, in der der Ausnahmezustand zum Alltag und das Filmen zur Strategie wird: auf der Suche nach der richtigen Balance von Nähe und Distanz, auf der Suche nach der eigenen Position im Gefüge. Shawi macht sich zur Aufgabe zu dokumentieren, sich selbst ins Bild zu rücken, die Familie zusammenzuhalten und gleichzeitig Bewegung und Veränderung festzuhalten.
Das Familienleben verlagert sich in die Krankenzimmer. Es läuft das Radio, die Mutter raucht auf dem Balkon unzählige Zigaretten, streift mit Blicken und Fingern über Heiligenbilder, besucht in den wechselnden Einrichtungen die heilige Messe und teilt mit ihrem Mann und ihrer Tochter die Sorge um einen erwachsenen Sohn. Es wird gestritten, gelacht und manchmal ums Krankenbett getanzt. Zwischen die Familienkapsel und das Driften durch die Stadt – Beirut, Nacht, Friedhöfe, Sinnlichkeiten – montiert die Filmemacherin auf der Rückbank im fahrenden Auto inszenierte Interviewsequenzen mit ihren Geschwistern. Bewältigungs- und Abgrenzungsversuche, Einsamkeit in Gemeinschaft. Kurzzeitig übersetzen sich Wünsche und Projektionen von Mobilität experimentell in den virtuellen Raum – ein Vermessen von Möglichkeiten. Eine berührende Zustandsbeschreibung, die vom Abfinden und Neufinden zeugt.
Djamila Grandits
Credits
Regie
Corine Shawi
Kamera
Corine Shawi
Schnitt
Halim Sabbagh, Corine Shawi
Produktion
Myriam Sassine, Corine Shawi
Co-Produktion
Jana Wehbe
Ton
Lama Sawaya
Musik
Joh Dagher
Nominiert für:
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis
Surrealer Bodyhorror: Eine junge Frau schlüpft in eine zweite Haut und ein seltsamer Auflösungsprozess beginnt. Augen, Münder und noch vieles mehr geraten außer Kontrolle.
Handy, Handy in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Eine junge Frau schlüpft in eine zweite Haut. Sie geht aus, trinkt Bubbletea mit ihren Freundinnen. Selfies werden geschossen. Die Stimmung ist aufgekratzt. Doch wieder daheim verschmelzen sie und die äußere Hülle miteinander, ein Ich löst sich auf. Das eigene Spiegelbild wird zur Schimäre. Eine surreale Body-Horror-Animation über Schönheitsideale und den Zwang, ins Bild zu passen.
Anke Leweke
Credits
Regie
Sujin Moon
Kamera
Sujin Moon
Schnitt
Sujin Moon
Produktion
Sujin Moon
Ton
Sujin Moon
Musik
Sujin Moon
Ausgezeichnet mit:
Silberne Taube für den besten Film einer Nachwuchsregie (Internationaler Wettbewerb Kurzfilm)
Akkurat notiert Petra die Ereignisse dieses besonderen Tages, unterrichtet über Schnitzeljagd und Segelbootfahrt. Eines der ersten Filmhochschulerzeugnisse, reibungslos inszeniert.
Hinter Petra liegt ein ereignisreicher Tag: Gemeinsam mit anderen Kindern hat sie eine Schnitzeljagd absolviert, kleine Aufgaben gelöst, sich mit ihrem zugewiesenen Partner koordinieren müssen. Abenteuerliches war darunter, aber auch eine auf einer Wiese installierte Klassenzimmersituation, bei der es galt, das eigene Wissen über die heimische Flora unter Beweis zu stellen. Zum Abschluss besteigen alle Segelboote und gleiten in einen stimmungsvollen Abend. Ein Protokoll in Briefform, akkurat aufgesetzt im Pionierhaus Potsdam, fungiert dabei als Rahmen für einen der ersten vorgelegten Filme der gerade neu gegründeten Deutschen Hochschule für Filmkunst in Babelsberg.
Eine investigative Untersuchung in den Farbräumen des 100-Yuan-Scheins kommt einem Paradigmenwechsel auf die Spur. Was besagt ein pinkes Mao-Porträt über das heutige China?
Eine investigative Untersuchung in den Farbräumen des 100-Yuan-Scheins kommt einem Paradigmenwechsel auf die Spur. Von der staatlichen Notenbank offiziell als rot deklariert, ist der Geldschein mit Mao-Porträt physikalisch genau genommen pink. Das hat Konsequenzen für Chinas politisches Narrativ, wie Tang Hans filmische Versuchsanordnung kompromisslos präzise und erfrischend klug erzählt.
Eine Familie, die in den Bergen täglichen Ritualen nachgeht, unbehelligt von der Außenwelt. Doch auch dieses vermeintlich ruhige Leben ist vom Krieg in der Ostukraine bestimmt.
Eva Dzhyshyashvili zeigt uns eine Familie, die in den Bergen ihren täglichen Ritualen nachgeht. Auf den ersten Blick ist dieses Leben einfach und ruhig, unbehelligt von der Außenwelt. Doch als sich der Blick weitet, sehen wir, dass der Großvater in der Ostukraine verwundet wurde, und hören unzählige Gespräche über diesen Krieg. Das Gefühl, dass es keinen Ort gibt, an dem man sich vor der militärischen Aggression verstecken kann, ist unübersehbar. Aber das Ende gibt einen Funken Hoffnung.
Langweilig sind die Tage im Krankenhaus, lustlos liegt das Mädchen im Bett und starrt stundenlang aus dem Fenster. Eines Tages jedoch erhält sie ein ganz besonderes Geschenk.
Langweilig sind die Tage im Krankenhaus, die Eintönigkeit wird nur unterbrochen durch Besuche der Eltern. Lustlos liegt das Mädchen im Bett und starrt stundenlang aus dem Fenster. Eines Tages jedoch erhält sie ein ganz besonderes Geschenk. Langsam erholt sie sich und ihre Verletzungen heilen … Die in weichen, hellen Farben animierte Geschichte erzählt davon, dass der Glaube bei der Genesung hilft.
Eine sentimentale Reise über den größten Markt von Odessa. Der Prywos ist Herz dieser historisch komplizierten Stadt, die seit Februar 2022 unter russischem Beschuss steht.
Eine sentimentale Reise über den größten Markt von Odesa. Um den Prywos ranken sich Mythen. Er wird in Liedern und Büchern erwähnt, ist Herz dieser verwirrenden Stadt mit komplizierter Geschichte. Neymann betrachtet die dort Wohnenden mit Empathie: verlorene Seelen in den Körpern von Menschen, Hunden oder Katzen. Der Opernsoundtrack verleiht dem alten, lebendigen Prywos ein Gefühl von Untergang, das Realität werden wird. Seit Februar 2022 steht Odesa unter russischem Beschuss.
Dem einst sehr erfolgreichen Pfandhaus im polnischen Bytom droht der Bankrott. Was kann helfen? Tränen trocknen, Suppe verteilen, Marketing ertüchtigen, Geschenke machen?
Die Gegend um Bytom war einst bekannt für ihre Steinkohlereviere. Doch der Strukturwandel machte auch hier nicht halt. Anschaulich wird der Niedergang der Region im Pfandhaus der schlesischen Großstadt. Wohl der größte seiner Art in Polen, hat der Laden die besten Tage hinter sich. Jola und Wiesiek, das eigenwillige Betreiberpärchen versucht auf je eigene Weise, der Krise zu begegnen und dem Geschäft wieder auf die Sprünge zu helfen.
Die Schließung der Minen und die daraus resultierende Arbeitslosigkeit ließ all jene in Bytom zurück, die den Anschluss an die neue Zeit nicht finden konnten. Sie legen zunehmend absurde und wertlose Gegenstände auf den Tresen der riesigen Halle. Der einst lukrative Handel mit Schmuck, Elektrogeräten und Möbeln ist heute heruntergekommen. Egal, wie sehr sich das Personal anstrengt: Die Kasse bleibt leer. Die Leitungen sind marode, die Nerven liegen blank und der Ton untereinander wird rauer. Unversehens verwandelt sich das Kleinunternehmen in eine Art Seelsorgezentrum: Tränen trocknen, Suppe verteilen und statt Waren verkaufen sie verschenken. Jola im voluminösen Pelzmantel hält immer ein offenes Ohr oder eine warme Decke bereit. Wiesiek kommt mit einer Marketingidee nach der anderen um die Ecke. Aber reicht das, um das Geschäft zu retten? Ein dokumentarischer Bericht aus dem „polnischen Detroit“: fein und mit rabenschwarzem Humor beobachtet.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Łukasz Kowalski
Buch
Łukasz Kowalski
Kamera
Stanislaw Cuske
Schnitt
Adriana Fernández Castellanos, Filip Kowalski, Jakub Darewski, Kosma Kowalczyk