Ein von der Wehrmacht zerstörtes Dorf in Litauen ersteht in Form eines Skulpturenwaldes wieder auf. Das filmische Poem erinnert an die Ermordeten und gemahnt an den Frieden.
Vom litauischen Dorf Ablinga ist nichts mehr übrig. 1941 durch Soldaten der Wehrmacht zerstört, gemahnt seit 1972 ein Skulpturenwald an jene, die einst dort lebten. Überlebensgroß ragen sie als geschnitzte Denkmäler in den Himmel. Im Poem des Nationaldichters Justinas Marcinkevičius erwachen sie erneut, teilen letzte Geheimnisse und werden zu Bindegliedern auf einer Zeitachse, die von Gewalt weiß und von Frieden träumt. Dagnija Osite-Krügers Montage ist kühn, verspielt und bisweilen brutal, ihr Anliegen glaubhaft und kraftvoll. In nur wenigen Minuten zieht „Ablinga“ in seinen Bann, wird zum Dokument deutscher Schuld und zur Erinnerung an die Ermordeten.
Welcher kluge Kopf steckt eigentlich hinter „AIVA”, der absolut unglaublichen KI-Novität, von der alle Welt spricht? Ein Avatar mit weiblicher Stimme stellt sich als Erfinder vor.
Welcher kluge Kopf steckt eigentlich hinter „AIVA”, der absolut unglaublichen KI-Novität, von der alle Welt spricht und die alle haben wollen? Ein Avatar mit weiblicher Stimme, zweidimensional auseinandergefaltet wie ein Schnittmusterbogen, preist sein erfolgreiches Multimillionen-Pfund-Projekt an. Eine Antwort gibt es nicht, aber eine schaurige, weitere Feedbackschleife der Künstlichkeit.
Der Besuch an einer für orthodoxe Juden heiligen Stätte führt die säkulare Regisseurin in eine neue Welt: Kann man als liberale, queere Frau in dieser Religion einen Platz finden?
Maya Steinberg ist säkulare Israelin. Ihr Vater jedoch hatte ein spätes religiöses Erwachen. In ihrem Film wird er nicht vorkommen. Stattdessen nähert sich die junge Regisseurin seinem Glauben und ihrem Unverständnis dafür durch einen Besuch an der Grabstätte des Rabbi Schimon bar Jochai in Galiläa. Einige Wochen verbringt sie dort, beobachtet Gläubige, orthodoxe und ultraorthodoxe, und fragt sich: Gibt es hier einen Platz für Frauen? Und kann es einen Platz für queere Frauen geben?
AIVA ist Künstlerin, belebt durch Algorithmen. Vor allem aber ist sie die ernüchternd beschränkte männliche Tech-Vision davon, wie mehr Diversität im Kunstbetrieb aussehen könnte.
AIVA ist Künstlerin, belebt durch Algorithmen. Vor allem aber ist sie eine Tech-Vision männlichen IT-Engagements für mehr Diversität im Kunstbetrieb. In ihrer Malerei bevorzugt AIVA folglich das „Hochformat“. Eine „Kunst-Doku“ lässt an ihrem Schaffen teilhaben und nimmt jedes Klischee mit. Mit zielsicherem Witz reflektiert Veneta Androva in ihrer computeranimierten Zukunftsfiktion einen Istzustand.
In einer menschenleeren Stadt schweben Textfragmente über einem Meer aus Blumen: die Geschichte einer Frau, die sich weigerte, ihre Heimat nach einer Katastrophe zu verlassen.
Mitten in einer menschenleeren Stadt aus Beton und Nebel schweben Textfragmente über einem Meer aus Blumen. Es ist die Geschichte einer Frau, die sich weigerte, ihre Heimat nach einer Katastrophe zu verlassen. Das Spiel aus Spannung und Unwissenheit, Andeutung und Konkretheit lässt Raum für Projektionen: Wir werden mit unseren eigenen Ängsten konfrontiert, bevor sich der Plot auflöst.
Das Porträt einer jungen, queeren Generation im von Gewalt und Repression geprägten Kolumbien, erzählt als ganz reale Geistergeschichte in stimmungsvoll morbiden Bildern.
Aus verworfenen Casting-Aufnahmen, melancholischen Alltagsbeobachtungen und dekadenten Party-Impressionen seines Freundeskreises schöpft Theo Montoya das morbide und doch zärtliche Porträt einer jungen, queeren Generation in Kolumbien. In dem von Gewalt und Repression geprägten Land vermag sie sich eine eigene Zukunft kaum auszumalen, pflegt zum Tod indes ein enges, fast liebevolles Verhältnis.
Eigentlich hätte es ein fiktionaler Film werden sollen: eine Geistergeschichte, in der die Toten keinen Platz mehr auf den Friedhöfen finden, fortan mit den Lebenden koexistieren und auch sexuelle Beziehungen zu ihnen eingehen – was der Staat rigoros verbietet und verfolgt. Es bildet sich eine klandestine nächtliche Subkultur, in der erotische Begierden ausgelebt werden können, für die das Tageslicht die Vernichtung bedeutet. Eine Woche nachdem Montoya seinen Hauptdarsteller für das Projekt gefunden hat, stirbt dieser an einer Überdosis Heroin. Weitere Todesfälle im Freundeskreis folgen. Sie sind die Geister, die durch den Film wandeln, der letztlich entstanden ist. Dieser bewahrt sich einen dystopischen Charakter, doch die Gefahren, von denen er erzählt, sind ganz real: Sie gehören für diese jungen Leute zum Alltag in einem Medellín, das immer noch tief im Schatten von Pablo Escobar steht, und in dem die Suche nach Lebenslust und menschlicher Wärme durch labyrinthische Abgründe führt.
Carolin Weidner
Credits
Regie
Theo Montoya
Buch
Theo Montoya
Kamera
Theo Montoya
Schnitt
Matthieu Taponier, Delia Oniga, Theo Montoya
Produktion
Theo Montoya, Juan Pablo Castrillón, Bianca Oana, David Hurst
Ein liebevoll gestaltetes Dramolett um ein drolliges Puppenkerlchen mit Stupsnase und abstehenden Ohren in bedrohlichen Situationen, die wir alle aus unserer Kindheit kennen.
Ein liebevoll gestaltetes Dramolett um ein drolliges Puppenkerlchen mit Stupsnase und abstehenden Ohren in bedrohlichen Situationen, die wir alle aus unserer Kindheit kennen. Das Entsetzen auf dem Einmeterbrett, unter dem sich unendliche Tiefen auftun. Die Panik, wenn sich die Tür einer öffentlichen Toilette nicht mehr öffnen lässt. Jede Szene veranschaulicht Kinderängste. Hier lacht man nicht über einen kleinen Menschen in Nöten, sondern über sich selbst.
Das warmherzige Porträt einer von Überschwemmung betroffenen Ortschaft in Bangladesch eröffnete vor zehn Jahren DOK Leipzig und hat nichts von seiner bitteren Aktualität verloren.
Zehn Jahre nach seiner Premiere hat Kamar Ahmad Simons Film nichts von seiner bitteren Aktualität verloren. Auch 2022 fliehen in Bangladesch nach Starkregen wieder Millionen Menschen vor dem Hochwasser, Hunderte Ortschaften sind überflutet oder gänzlich abgeschnitten. Am 27. Mai 2009 traf der Zyklon Aila die Küste des Landes. Die Gemeinschaft, die „Are You Listening!“ begleitet, hat sich notdürftig auf einem alten Deich eingerichtet und wartet beharrlich darauf, dass der neue gebaut wird. Mit einem guten Gespür für absurde Situationen dokumentiert der Filmemacher einen Alltag, der von der Entschlossenheit geprägt ist, eines Tages entgegen aller Wahrscheinlichkeit zurückkehren zu können.
Eine junge Schweizerin sucht nach ihren armenischen Wurzeln. Ihrer kritisch-weiblichen Familiengeschichtsschreibung dient ein durchs Nachtblaue reisender Holzschrank als Leitmotiv.
Eine junge Schweizerin sucht nach ihren armenischen Wurzeln. Liebevoll animiert, öffnen sich diverse Schubladen des gleichzeitig entstehenden Familienarchivs. Diese sehr persönliche Auseinandersetzung mit kollektiven Traumata post-migrantischer Communitys findet Bilder und Worte für Rassismus und die Schwierigkeit, mit männlichen Familienmitgliedern über Gefühle zu sprechen. Leitmotiv ist ein durch nachtblaue Landschaften wandernder Schrank, der – den Rissen zum Trotz – alle(s) zusammenhält.
Eigentlich als Dokumentation über die „Informelle Malerei“ von Tadeusz Kantor angelegt, entwickelt dieser Film ein Eigenleben: Die abstrakte Formfindung selbst wird zum Kinostar.
Als Dokumentation über die „Informelle Malerei“ des polnischen Künstlers und Theatermachers Tadeusz Kantor angelegt, entwickelt Mieczysław Waśkowskis Film ein hektisch-experimentelles Eigenleben. Der gestische Farbauftrag wird auf wechselnden Raumebenen mittels Glasplatten, Kamerabewegung und Beleuchtung inszeniert. Nicht der Maler, sondern die abstrakte Formfindung selbst avanciert zum Kinostar.
Beim Mittagsschlaf ihrer langweiligen Oma kommt Greta auf die Idee, Beerdigung zu spielen. Als Oma aufwacht, erkennen sie: Für gute Erinnerungen muss man schöne Momente schaffen.
Puh, ist das langweilig. Bei Oma darf man gar nichts! Nichts anfassen, nichts anmalen, immer nur leise sein. Aber als Oma ihren Mittagsschlaf hält, kommt Greta auf die Idee, mit ihr Beerdigung zu spielen. Die Kuscheltiere trauern am Sofa-Grab, Greta hält eine Rede mit bebender Stimme. Da wacht Oma wieder auf und sie beide sehen ein: Für gute Erinnerungen muss man schöne Momente miteinander schaffen.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Damaris Zielke
Kamera
Michael Throne
Schnitt
Damaris Zielke
Produktion
Jiayan Chen
Ton
Max Hartstang, Marieke Czogalla
Sound Design
Marieke Czogalla
Musik
Hannes Binder
Animation
Damaris Zielke, Lukas von Berg, Ferdinand Ehrhardt, Patrik Knittel, Sarah Schulz , Tanja Gruber, Laura Staab
Animieren heißt zum Leben erwecken, doch genau das gelingt in diesem Architekturfilm mit maschineller Hilfe. Was geschieht, wenn eine KI mit der Erschaffung von Kunst betraut wird?
Als ihren „Artificial Assistant“ bezeichnet Claudia Larcher die KI, die ihre analoge Collageserie „Baumeister“ digital analysierte und daraus diesen Film generierte. Ob Urheber oder dienstbarer Geist – die Maschine lässt Architekturskizzen biomorph wabern und belebt (d.h. animiert) starre Formen. Die japanischen Metabolisten, die die fließende Erneuerung ihrer Bauten, das organische Wachsen, Verformen und Vergehen von Architektur forderten, hätten an „The Artist in the Machine“ Gefallen gefunden.