Zwei südsudanesische Kinder berichten rückblickend von ihren Erlebnissen in der Sklaverei. Die authentische Tonaufnahme von 2003 greift aus in den Kinderwelt-farben animierten Raum.
Die neunjährige Abuk und der fünfzehnjährige Machiek haben ein Martyrium überstanden. Wie viele südsudanesische Kinder wurden sie von Milizen geraubt und versklavt. 2003, nach der Befreiung, besuchen sie Schweden und berichten von ihren Erlebnissen. Die authentische Tonaufnahme greift aus in den animierten Raum und legt sich als Voiceover über Kinderwelt-farbene Angst- und Erinnerungsbilder.
Eine wilde Ironisierung und Dekonstruktion des alten sowjetischen Pathos vom Sieg des technischen Fortschritts – wie der beschleunigte Herzschlag kurz vor dem Infarkt.
Übermalungen und Einritzungen in Szenen aus dem russischen Science-Fiction-Film „Silver Heads“ von Jewgeni Jufit. Ist dieses Werk selbst schon eine hanebüchene Dekonstruktion des alten sowjetischen Pathos vom unausweichlichen Sieg des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, so muss „Stakes“ als dessen drogeninduzierte Übersteigerung ins Unübertreffliche gelten.
Ralph Eue
Credits
Regie
Boris Kazakov
Buch
Boris Kazakov
Kamera
Boris Kazakov
Schnitt
Boris Kazakov
Produktion
Saint Petersburg International Film Festival of Festivals
Mama, Papa und kleine Tochter in einem Dramolett zwischen Küche und Badewanne: Die ganz normale Familie probt den Feierabend-Ernstfall in einem genial hingestrichelten Kammerspiel.
Ein genial hingestricheltes Kammerspiel zur nervenzehrenden Stunde vor dem Abendbrot: Die Mutter schält Gemüse, während der Vater versucht, die kleine Tochter von einem Bad zu überzeugen. Die Protagonisten sind hübsche Karikaturen ihrer jeweiligen Natur, mehr aber noch der ihnen auferlegten Rollen. Eine ganz normale Familie – auf wenig Gedeih und viel Verderb aneinander geschweißt.
Ralph Eue
Credits
Regie
Florence Henrard
Buch
Florence Henrard
Schnitt
Huguette Van Volsem
Produktion
L’École nationale supérieure des arts visuels de La Cambre (ENSAV)
Von friedlichem Zusammenleben keine Spur: Eine faule Katze, ein nervöser Mensch und eine schlaue Maus. Die lässt sich zwar nicht blicken, erzwingt aber höchste Aufmerksamkeit.
Ach, wenn die Katze sich doch aufraffen könnte, das zu tun, was ihrer Art entspricht, nämlich Mäuse zu fangen! Doch diese Katze taugt zu gar nichts, liegt bloß faul herum und ist zu träge, auch nur die Pfoten zu heben. Mehr Energie bringt die schlaue Maus auf. Zwar lässt sie sich nicht blicken, schafft es jedoch, dass sich alles nur um sie dreht, ja dass Mensch und Katze gar das Haus verlassen …
100 Kilo Selbstzweifel: Ein Hüne nutzt Slam-Poetry zur Überwindung seiner Ängste. Der kleine Schritt für die Menschheit ist ein großer Sprung für einen schüchternen Riesen.
Diese verdammten Zweifel! Und ist nicht ein 100 Kilo schwerer Hüne, der feine Lyrik auf einer Bühne vorträgt, sowieso schon ein Widerspruch in sich selbst? Fast wäre er verstummt. Aber dann besiegte er die dröhnende Stille und machte die eigenen Ängste zum Gegenstand seiner Slam-Poetry-Performances. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Sprung für einen schüchternen Riesen.
Ralph Eue
Credits
Regie
Marcin Podolec
Buch
Marcin Podolec
Kamera
Marcin Gierbisz
Schnitt
Marcin Podolec
Produktion
Państwowa Wyższa Szkoła Filmowa, Telewizyjna i Teatralna, Fumi Studio
Einander verschlingende Zeichnungen fragiler Mädchenkörper, aus denen sich Silhouetten massiver Männer herausschälen – nie mehr zu tilgende innere Bilder einer Vergewaltigung.
Emanationen eines Albtraums. Einander verschlingende Zeichnungen zerbrechlicher Mädchenkörper, aus denen sich Silhouetten massiver Männer herausschälen. Obsessive Bilder aus dem inneren Blick einer Nackttänzerin während ihres Auftritts. Fetzen akustischer Erinnerungen an einen Missbrauch. Und immer wiederkehrend: der Vergewaltiger mit Hut, die nie mehr zu tilgende irreale Wirklichkeit.
Der große Sandmann betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind.
Der Tag geht zur Neige und die Welt ist erschöpft. Die Stunde des großen Sandmanns hat geschlagen. Er betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind. Irgendwann spürt dann vielleicht ein jeder Mensch, dass es mehr Ding’ zwischen Nacht und Tag gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt.
Empathie in Knete: Ein Onkel, von dem man nicht weiß, ob man ihn selber würde haben wollen, und über den man doch heiße Tränen vergießt, wenn er am Ende gestorben sein wird.
Ein Onkel, von dem man nicht weiß, ob man ihn selber würde haben wollen, und über den man doch heiße Tränen vergießt, wenn er am Ende gestorben sein wird. Das wesentliche Material dieser anrührenden Geschichte – abgesehen von der Knete, aus der die Figuren gemacht sind – heißt Empathie. Dieser melancholische Abschied von einem verschrobenen Kauz verhandelt ein kleines Sujet. Doch es geht ums Ganze.
Ralph Eue
Credits
Regie
Adam Elliot
Buch
Adam Elliot
Schnitt
Adam Elliot
Produktion
Victorian College of the Arts University of Melbourne
Das Meer teilt Welten: am einen Ufer ein junger Marokkaner mit einem großen Traum, am anderen eine dekadente Hochzeitsgesellschaft, der die Träume längst abhandengekommen sind.
Es war einmal ein junger Marokkaner, der hatte einen Traum, einen großen Traum. Und der sollte in Erfüllung gehen, so schwebte ihm vor, irgendwo hinter dem großen Meer, vielleicht in Estland. Unterdessen wurde hinter dem Meer, vielleicht in Estland, in der Villa Antropoff eine dekadente Hochzeit gefeiert. Die Gäste sehen nach Mafia und Geldwäsche aus.
Ralph Eue
Credits
Regie
Vladimir Leschiov, Kaspar Jancis
Buch
Kaspar Jancis, Vladimir Leschiov
Kamera
Līga Skirmane, Ere Tött
Schnitt
Kaspar Jancis, Vladimir Leschiov
Produktion
Vladimir Leschiov, Kalev Tamm
Ton
Horret Kuus
Musik
Kaspar Jancis
Animation
Marje Ale, Vladimir Leschiov, Tarmo Vaarmets, Karina Golovin, Ülle Metsur, Kristīne Zvirbule, Līga Skirmane