Die Natur ist aus den Fugen. Es regnet Frösche. Eine junge Frau ist zurück im Haus ihrer Kindheit, fühlt sich aber nicht mehr zu Hause. Die Einsamkeit wird zur körperlichen Alptraumerfahrung.
Die Natur ist aus den Fugen. Es regnet Frösche vom Himmel. Eine junge Frau ist zurück im Haus ihrer Kindheit, fühlt sich aber nicht mehr zu Hause. Die Einsamkeit auf wenigen Quadratmetern führt sie in einen Dämmerzustand. Die Seelenqual entlädt sich in Alpträumen, die auf ihrem Körper Spuren hinterlassen. Die Vergangenheit zerrt an ihr, Insekten ergreifen von ihr Besitz, die Körperhülle löst sich auf.
Der Regisseur, ein staatenloser Filipino, kehrt in sein Heimatland zurück. Mehr als zwanzig Jahre hat er ohne Papiere in den USA gelebt und fühlt sich gefangen in einer Welt voller Grenzen.
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Wie kann sich ein Undokumentierter selber dokumentieren? Eine Frage, die sich der in Los Angeles illegal aufgewachsene philippinische Filmemacher stellt. Seine Großfamilie lebt verstreut in den USA und auf den Philippinen. Nun begibt er sich auf eine Reise in sein entfremdetes Heimatland, angetrieben vom Wunsch nach der Überwindung eines Fluches, der die Familiengeschichte über Generationen hinweg tiefgreifend stört. Die koloniale Vergangenheit lastet bis heute schwer, auch in der Diaspora. Selbst das Filipino, die Amtssprache mit ihren unzähligen Lehnwörtern aus dem Spanischen und Englischen, ist nichts als ein linguistisches Nebenergebnis der Kolonialzeit.
Durch seine Re-Lokalisierung versucht Miko Revereza, die Erfahrungen von Distanz und Identitätsverlust in einem bemerkenswert eigenständigen und kreativen Zugang aufzuarbeiten. Seine psychogeografische filmische Reise ist dicht und mäandernd, die Kamera manchmal buchstäblich wie durch den Fluch destabilisiert. Mittels Einsatz von Bildüberlagerungen und improvisierter Musik entsteht ein melancholisches, jedoch nie anklagendes Memoir, das lange nachhallt. Heute lebt der Filmemacher, der 2021 mit „The Still Side“ bei DOK Leipzig war, in Mexiko.
Annina Wettstein
Credits
Regie
Miko Revereza
Buch
Miko Revereza
Kamera
Miko Revereza
Schnitt
Miko Revereza
Produktion
Shireen Seno
Sound Design
Miko Revereza, Kevin T. Allen
Musik
Vincent Yuen Ruiz
Nominiert für:
Preis der Interreligiösen Jury,
FIPRESCI Preis