Ein Kaninchen hoppelt nichtsahnend durch Kinderland. Es ist das Wirtstier eines zaubermächtigen Kobolds, der den lieben Kleinen Tugenden wie Gier, Neid und Habsucht nahebringt.
Fernes Idyll, darin artige Kinder spielen: eine hübsch illustrierte und gut beschriftete Welt. Nichtsahnend hoppelt hier ein Kaninchen, welches zwar niedlich ist, aber auch gequält und geschlachtet werden kann. Und wenn aus dem Leichnam ein Kobold springt, der Insekten in blinkende Diamanten wandelt, dann wären es doch dumme Kinder, die darin kein Geschäft witterten. Gute Kinder! Böse Kinder!
Ralph Eue
Credits
Regie
Run Wrake
Buch
Run Wrake
Schnitt
Rich White
Produktion
Run Wrake
Musik
Howie B, Craig Richards
Animation
Run Wrake, Martin Morris, Murray John, Barnaby Hewlett
Mitreißende und dennoch komplexe Auseinandersetzung mit „Extinction Rebellion“, die auch interne Kontroversen der Gruppe über politische Strategien nicht ausspart.
„Extinction Rebellion“ (XR), bekannt für kreativen zivilen Ungehorsam, Blockaden und Performances, will die Politik unter Druck setzen, endlich wirksame Maßnahmen gegen die Klimakrise zu beschließen. Je größer die Aufmerksamkeit, desto größer der Effekt, so die Hoffnung. Doch geht diese Gleichung auf? Und wie kann eine so heterogen zusammengesetzte Bewegung gemeinsame Entscheidungen treffen? „Rebellion“ begleitet die Entwicklung der ersten XR-Gruppe in Großbritannien aus nächster Nähe, zeigt euphorische Momente genauso wie hitzige Debatten. Zur Diskussion steht schließlich, ob Wandel möglich ist, ohne Machtstrukturen zu hinterfragen – die der Gesellschaft, aber auch die in den eigenen Reihen.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Maia Kenworthy, Elena Sánchez Bellot
Kamera
Amy Newstead, Maia Kenworthy, Elena Sánchez Bellot, Tom Swindell
Eine Spiegelskulptur an der St.-Pauls-Kathedrale in London: Dort scheint nichts zu sein. Oder doch? Die Grenzen unserer Vorstellungskraft werden zur eigentlichen Erzählung.
In einem digitalen Zwischenmoment trifft Nichts auf Alles. Wir befinden uns mitten in einer Spiegelskulptur an der St.-Pauls-Kathedrale in London. Dort scheint nichts zu sein, doch man fordert uns immer wieder auf, mehr zu sehen. Die Grenzen unserer Vorstellungskraft und Orientierung werden zur eigentlichen Erzählung. Wir könnten uns ihr jederzeit entziehen. Aber was entginge uns dann?
Zwei Filmschaffende – Bruder und Schwerster – heuern einen Koch an, ihren Vater zu spielen. Die Grenzen zwischen Film und Lebenswirklichkeit des alleinerziehenden Vaters verschwimmen zusehend.
Krakelige Kugelschreiberlinien auf weißem Papier. Alles wirkt wie eine eilig hingeworfene Kritzelei – eher eine Ideenskizze denn ein fertiger Film, womöglich nur ein schnelles Storyboard. Die ruckelig verbundenen Bilder zeigen einen Imbiss, irgendwo im Nirgendwo. Hier ereignet sich etwas Außergewöhnliches: Zwei Filmschaffende – Bruder und Schwester – heuern den Koch als Hauptdarsteller für ihr Projekt an. Sie planen ein Biopic über ihren Vater. Der Fast-Food-Experte sieht dem berühmten Mann nicht nur zum Verwechseln ähnlich, er ist wie er! Eine bessere Besetzung sei gar nicht vorstellbar, lässt sich der Filmbusiness-Neuling überzeugen. Doch die Aufgabe erweist sich als schwierig. Obwohl der Koch alles daransetzt, die anspruchsvolle Rolle auszufüllen, scheint er von Tag zu Tag weniger passend für den Job. Von den Vorbereitungen auf seinen Einsatz völlig eingenommen, entfernt er sich immer mehr von seinen eigenen Kindern. Die Grenzen zwischen Film und Lebenswirklichkeit des Alleinerziehenden verschwimmen. Haben die Dreharbeiten vielleicht schon längst begonnen?