Mitgliederschwund, ein marodes Klubhaus, klamme Kassen: Die „Bradford Movie Makers“ haben schon bessere Zeiten gesehen. Das lustig-bewegende Porträt einer Bande von Filmnarren.
Mitgliederschwund, ein marodes Vereinshaus, klamme Kassen: Die „Bradford Movie Makers“ haben schon bessere Zeiten gesehen. Die im Klub Engagierten, hauptsächlich fortgeschrittenen Alters, sitzen inmitten seliger Erinnerungen und nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie sich bei mehreren Tassen Tee gegenseitig in ihre Filmideen reinreden. Seit 1932 treffen sich die Kinoverrückten jeden Montag und können auf eine neunzigjährige Geschichte samt unzähliger Amateurfilme aller Genres stolz sein.
Der „Club“, wie ihn die Eingeweihten nennen, ist ein typischer Filmklub der britischen Arbeiterklasse: regelmäßig gemeinsam Filme schauen und dazu jede freie Minute mit aufwendigen Dreharbeiten inklusive Reiterdouble und Greenscreen verbringen. Doch den alten Urgesteinen gehen langsam die körperlichen Kräfte aus – es gibt den einen oder anderen Todesfall zu betrauern. Und dann kommt auch noch die Pandemie hinzu, die den einzigen Lichtblick der Woche verdunkelt. Aber sie bringt auch ungeahnte Überraschungen … Kim Hopkins gelingt das Kunststück, trotz einiger tragisch-trauriger Anlässe die Tränendrüsen zu umschiffen und erstaunliche wie komische Einblicke in diesen Freizeitvertreib zu geben, der weit mehr ist als nur ein Hobby. Dieses leise, lustige und bewegende Porträt einer Bande von Filmnarren – und auch mancher -närrinnen – würdigt das Bedürfnis von uns allen, Zeit miteinander zu verbringen.
Björks Gestalt nimmt übergangslos fantastische, organische Formen an. Ihr Song macht reinen Tisch: Tabula rasa, freier Entfaltungsraum für Kinder und deren eigene Fehler.
Die Gestalt der Sängerin Björk formt sich übergangslos zu Blütenblättern, zu Unterwasserwesen mit feinen Tentakeln und anderen fantastischen, organischen Erscheinungen jenseits jeglicher Zuordnung. Zur anmutigen Computeranimation von Tobias Gremmler macht Björk im Gesang reinen Tisch: Tabula rasa, freier, unbelasteter Entfaltungsraum für nachgeborene Kinder und deren Chance auf eigene Fehler.
Ein packender dokumentarischer Thriller um eine Gruppe philippinischer Aktivisten, die illegale Rodungen im Regenwald verhindern, indem sie den Holzfällern die Kettensägen klauen.
Auf Palawan im philippinischen Inselarchipel fällt immer mehr Regenwald den Sägen zum Opfer. Die Rodungen sind zwar illegal, werden aber vom korrupten Regime unter Präsident Duterte gedeckt und sogar initiiert. Dagegen regt sich Widerstand vor Ort. Eine Gruppe mutiger Männer um einen resoluten Menschenrechtsanwalt entschließt sich zu reagieren. Sie schleichen in die Wälder, um den Rodungstrupps in unbeobachteten Momenten die Kettensägen, Autos und Boote abzunehmen. Der spannende, wie ein Thriller gebaute Film begleitet sie auf diesen gefährlichen Einsätzen, die sie „meta-legal“ nennen. Doch der Preis ist hoch: Einige Aktivisten bezahlen ihre Gegenwehr mit dem Leben.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Karl Malakunas
Kamera
Tom Bannigan
Schnitt
Michael Collins, Eric Daniel Metzgar
Produktion
Marty Syjuco, Michael Collins, Kara Magsanoc-Alikpala
Wo sind Orte für LGBTQIA2S+-Kultur in Russland? Die AR-Erfahrung eröffnet der Drag-Szene einen digitalen Schutzraum, in dem sie performen kann, ohne Gewalt fürchten zu müssen.
Die LGBTQIA2S+-Community in Russland trifft auf ein zunehmend feindliches gesellschaftliches Klima, wird tabuisiert und kriminalisiert. Die AR-Erfahrung eröffnet der lokalen Drag-Szene einen digitalen Schutzraum, in dem sie performen kann, ohne Gewalt fürchten zu müssen. Diese künstlerische Inbesitznahme heteronormativ dominierter Orte ist zugleich politische Intervention.
Wie wirkt sich die Klimakrise auf die Psyche aus? Wie weiterleben in der Katastrophe? Ein persönlicher Essay über „Climate Anxiety“, Schuld-Wut-Spiralen und radikale Selbstfürsorge.
Hitzeperioden, schmelzende Polkappen, steigende Meeresspiegel, massenhaftes Artensterben. Die Klimakrise bedroht das Leben auf der Erde und gleichzeitig unseren Seelenfrieden. Denn wer sich bewusst macht, wo wir stehen, kann nur noch schwer ruhig schlafen. Auch Sindha Agha leidet unter „Climate Anxiety“, der alles überwältigenden Angst vor den Folgen des Klimanotstands, und sucht eine Klimapsychologin auf, um zu lernen, damit zurechtzukommen. Das filmische Porträt zeigt, wie sie – stellvertretend für unzählige andere – zwischen Panik, Hilflosigkeit, Schuld und Wut hin und her geworfen wird und dennoch Wege findet, die Schockstarre zu überwinden, um aktiv gegen die Klimakrise angehen zu können.
Ein nackter Körper: Seine Hauthülle breitet sich aus und sehnt sich nach Berührung. Die Musik fragt, wie sich Begehren anfühlt. Betörende computergenerierte Bilder antworten.
Ein nackter Körper verflüssigt sich und wird schwerelos. Übrig bleibt eine Hauthülle, die sich endlos ausbreitet und nach jeder kleinsten Berührung sehnt. Die zunehmend formlose Gestalt pulsiert in Farben, Fragmente blitzen auf, bis die Videospur versagt. Der sinnliche Track von FKA twigs fragt in Zeitlupe, wie sich Begehren anfühlt. Jesse Kanda antwortet mit betörenden computergenerierten Bildern.
Ein Haus an den Klippen, ein Vater, ein Sohn und ein Geschäft mit dem Eis. João Gonzalez’ atmosphärischer Animationsfilm entwickelt sich stilsicher zu einer Metapher über Familie.
An schweren Seilen, fest verankert im Stein des Felses, hängt ein Haus. Hoch oben in den Klippen, weit über der Stadt im Tal. Dort, in der Kälte, lebt ein Vater mit seinem Sohn. Regisseur João Gonzalez kommt in seiner 2D-Animation mit wenigen Farben aus. Umso atmosphärischer wirken seine Zeichnungen, mit den strengen Schatten und den extremen Kameraperspektiven. Ihm gelingt eine metaphorische Erzählung, die sich ohne Dialoge ganz auf ihren Sound und ihre Bilder verlassen kann.
In den Tiefen und an den Peripherien von überwältigenden Panoramaaufnahmen tauchen wie kleine Punkte Personen auf. Die kolossale Landschaft wird zu einem unendlichen Raum der Angst.
Überwältigende Panoramaaufnahmen von Naturlandschaften werden von Verkehrsschneisen durchschnitten. In den Tiefen und an den Peripherien tauchen wie kleine Punkte Personen auf. Erst allmählich wird erkennbar, dass es sich dabei um Fliehende handelt. Aus der Mikrowelt erwachsen große Dramen, die kolossale Landschaft wirkt zunehmend erbarmungslos und wie ein unendlicher Raum der Angst.
Mike Brett, Steve Jamison, Pierre Zandrowicz, Arnaud Colinart
Die atomare Bedrohung wurde für 1,4 Millionen Menschen auf Hawaii real. Am 13. Januar 2018 warnte sie eine Textnachricht vor einer Rakete. Die Nachricht war falsch, aber folgenschwer.
Mike Brett, Steve Jamison, Pierre Zandrowicz, Arnaud Colinart
Extended Reality 2022
XR
Frankreich,
UK,
USA
2022
42 Minuten
Englisch,
Französisch,
Deutsch,
Koreanisch,
Japanisch,
Norwegisch
Untertitel: 
Englisch
Der Friede der Großmächte fußt auf einem „Gleichgewicht des Schreckens“. Mit ihren Waffenarsenalen können sich Staaten gegenseitig komplett auslöschen. Am 13. Januar 2018 bekamen das 1,4 Millionen Menschen auf Hawaii zu spüren: Eine falsche Raketenwarnung per Textnachricht brachte den Alltag für 38 Minuten zum Erliegen, Panik brach aus und die atomare Bedrohung wurde plötzlich real.
Lars Rummel
Credits
Produktion
Arnaud Colinart, Jo-Jo Ellison, Mike Brett, Steve Jamison
Ausführende Produktion
Paul Mezier, Susanna Pollack
Produktionsfirma
Atlas V, Archer’s Mark
Animation
Alan Sorio
3D-Künstler*in
Renaud de Bellefon, Anthony Rubier
VFX Artist
Yasuyuki Otsuki
Buch
Dr. Jamaica Heolimeleikalani Osorio
Musik
Bobby Krlic
Key Collaborator
Games for Change, Princeton University, British Film Institute, VR for Good, ARTE France, CNC
Regie
Mike Brett, Steve Jamison, Pierre Zandrowicz, Arnaud Colinart
Ein beunruhigender Videoschnitt versetzt den dösenden Körper von Val Kilmer in Zuckungen. Aus dem Inneren machen sich eine aufgewühlte Seele und ruhelose Erinnerungen bemerkbar.
Eine geisterhafte Stimme singt über Vergänglichkeit, die Kamera schwebt an geschlossenen Vorhängen vorbei. Sie fängt das ausdrucksstarke, vom Leben gezeichnete Gesicht von Val Kilmer im Halbschlaf ein. Rick Alversons beunruhigender stroboskopischer Videoschnitt versetzt den dösenden Körper in Zuckungen. Die inneren Erschütterungen einer aufgewühlten Seele und ruhelose Erinnerungen treten nach außen.
Mitreißende und dennoch komplexe Auseinandersetzung mit „Extinction Rebellion“, die auch interne Kontroversen der Gruppe über politische Strategien nicht ausspart.
„Extinction Rebellion“ (XR), bekannt für kreativen zivilen Ungehorsam, Blockaden und Performances, will die Politik unter Druck setzen, endlich wirksame Maßnahmen gegen die Klimakrise zu beschließen. Je größer die Aufmerksamkeit, desto größer der Effekt, so die Hoffnung. Doch geht diese Gleichung auf? Und wie kann eine so heterogen zusammengesetzte Bewegung gemeinsame Entscheidungen treffen? „Rebellion“ begleitet die Entwicklung der ersten XR-Gruppe in Großbritannien aus nächster Nähe, zeigt euphorische Momente genauso wie hitzige Debatten. Zur Diskussion steht schließlich, ob Wandel möglich ist, ohne Machtstrukturen zu hinterfragen – die der Gesellschaft, aber auch die in den eigenen Reihen.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Maia Kenworthy, Elena Sánchez Bellot
Kamera
Amy Newstead, Maia Kenworthy, Elena Sánchez Bellot, Tom Swindell
Smartphones sind aus dem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber welche natürlichen und menschlichen Ressourcen braucht die Tech-Industrie für diese Innovation?
Smartphones sind aus dem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit befinden sich mehr als fünf Milliarden solcher Geräte in Umlauf. Jedes davon wird sogar mehr als 2.600 Mal am Tag berührt. Die AR-Erfahrung führt uns in die ungesehene Geschichte dieser Technologie und damit in die Demokratische Republik Kongo. Welche natürlichen und menschlichen Ressourcen braucht die Tech-Industrie für ihre Innovationen?
Eine junge Frau bittet eine Hyäne, ihren Platz bei einem ihr zu Ehren ausgerichteten Dinner mit anschließendem Tanz einzunehmen. Das Vorhaben erfordert Kunstfertigkeit und Gewalt.
Eine junge Frau bittet eine Hyäne, ihren Platz bei einem ihr zu Ehren ausgerichteten Dinner mit anschließendem Tanz einzunehmen. Das Vorhaben erfordert Kunstfertigkeit und auch Gewalt. Kräftige Pinselstriche kalligrafieren die noble Gesellschaft, die pulsierende Animation übernimmt das Temperament der Heldin. Die schadenfrohe Farce konfrontiert eine in Traditionen und Etiketten erstarrte Klasse mit einem aasfressenden Tier, das ausgelassen die Anarchie feiert.
Eine Mutter, eine Tochter, ihre enge Verbindung und die Frage, weshalb Sex seltsame Dinge mit Menschen macht. Die filmische Aufarbeitung eines Traumas: mit Showeinlagen.
„Sex macht seltsame Dinge mit den Menschen!“ Dieser Satz aus der Kindheit hallt nach. Was meinte ihre Mutter damit? Welche Ängste hat sie an Emma weitergegeben? Die angehende Filmemacherin stellt die Kamera in der Wohnung der Mutter auf, lädt deren Freundinnen ein, schafft eine offene Gesprächsatmosphäre. Mehr und mehr öffnet sich Coby, spricht ein verdrängtes Thema an. Gleichzeitig kann sie sich vor dem Objektiv der Tochter in Show- und Tanzeinlagen auch von einer ganz anderen Seite zeigen.