Sie betreut für fünf Euro Stundenlohn Senioren zu Hause. Am Bett der Pflegefälle zählt das Ticken der Uhr den Arbeitstag herunter und stolpert beängstigend, wenn der Tod kommt.
Zwischen Kommen und Gehen erstreckt sich eine bleierne Zeit, ein Halbleben im linolschnittartigen Hell-Dunkel. Die Mutter der Erzählstimme betreut für fünf Euro Stundenlohn Senioren zu Hause. Am Bett der Pflegefälle zählt das Ticken der Uhr den Arbeitstag herunter, eingeklemmt zwischen dem beängstigenden Geräusch des schweren Atems vor dem nahen Tod und dem Dröhnen des Versprechungen machenden Fernsehgeräts. Die Sterbenden sind Mutters Lebensunterhalt.
Zwei Freunde, die wie Brüder aufwachsen, retten 1940 auf Sardinien Pferde, die zum Kriegseinsatz vorgesehen sind. Nur einer wird überleben. Eine düstere wie auch poetische Animation.
Sardinien, 1940. Das lockere geflügelte Wort vom gemeinsamen „Pferde stehlen“ bekommt für den 14-jährigen Michele und seinen 11-jährigen Freund Ventura eine sehr ernste und am Ende tragische Bedeutung. Als sie erfahren, dass die Bauern ihre besten Pferde für gutes Geld an den Staat und damit ans Militär für den nahenden Krieg verkauft haben, treffen die Jungs eine so naive wie intuitive Entscheidung: Sie schenken der Herde in einer heiklen Nacht- und Nebelaktion die Freiheit. Ihr Glücksgefühl aber währt nur kurz. Verraten von einem Dorfbewohner, fängt man sie schon auf dem Heimweg ab, und Ventura wird erschossen. Ein sinnloser Tod? Oder Zeichen besonderer Tapferkeit, wie der doppeldeutige sardische Filmtitel suggeriert? Regisseur Giovanni Columbu, selbst Sarde, widmet sein spätes Animationsdebüt seiner Großmutter, die ihm einst diese Geschichte erzählte. Er war so frei, sie mit Pinselzeichnungen auf Papier zu adaptieren, und beruft sich stilistisch vor allem auf den Charme historischer Malereischulen, Tricktechniken und Filmgenres. Columbus assoziative Bildsprache, geprägt von Schwarz-, Weiß- und Grautönen, lebt von impulsiven Schraffuren, unzähligen Tupfern und großzügigen Auslassungen. Auch die Tonspur setzt eher sparsame Nuancen, die nur dezent illustrieren, sich sardischer Kulturtraditionen bedienen und zugleich den Raum für universelle Metaphern öffnen.
Andreas Körner
Credits
Regie
Giovanni Columbu
Buch
Giovanni Columbu
Schnitt
Giovanni Columbu
Produktion
Giovanni Columbu
Co-Produktion
Flavia Oertwig
Musik
André Feldhaus, Filippo Ripamonti, Alessandro Olla, Hans Zeller, Pietro Mascagni