Auf den Spuren des Großvaters Leonid Burlako, einst gefeierter Kameramann, entfaltet sich Zeit- und Familiengeschichte: fünfzig Jahre sowjetisches Kino und ein Leben in der UdSSR.
Der sowjetische Kameramann Leonid Burlaka arbeitete in den 1960er Jahren in seiner Geburtsstadt Odesa für das Odesskaja kinostudija in der damaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik an Filmen, die um die Welt gingen. Heute ist er achtzig Jahre alt, und mit der Diagnose Alzheimer verblasst sein Gedächtnis zusehends. Der Filmemacher Igor Ivanko folgt den Spuren, die sein Großvater hinterließ, und entdeckt in der Garage ein Archiv von immensem Wert.
Zwischen Gartengeräten und Werkzeug finden sich Dutzende Rollen Fotofilm, die allerdings schon fast zerstört sind. Der Enkel scannt das Material ein und führt es den Großeltern vor. Bei den bekannten Gesichtern hellt sich Burlakas Miene auf, doch an vieles kann er sich nicht erinnern. Ivanko erkennt, dass er einen Schatz von historischer Aussagekraft in den Händen hält. Leonid Burlaka begann seine Karriere, als viele sowjetische Kulturschaffende mit der Zensur zu kämpfen hatten. Als Mitte der 1960er Jahre die staatliche Repression nachließ, war er beruflich längst etabliert. Der politische Wandel aber schlug sich in seinen Werken nieder. Ivankos Versuch, die Erinnerungen des Großvaters aufzuzeichnen, bevor sie für immer verschwinden, kommt zu spät. Doch ihm ist ein Film gelungen, der auf fünfzig Jahre Kino und Leben in der UdSSR zurückblickt: ein mitreißendes Zeit- und Familienporträt zwischen Emotion und Information.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Igor Ivanko
Kamera
Igor Ivanko, Illia Yehorov
Schnitt
Igor Kosenko
Produktion
Mariia Ponomarova, Alexandra Bratyshchenko, Igor Ivanko, Peter Kerekes