Am Stadtrand von Moskau arbeitet Transgender-Ornithologin Lydia an der Erfüllung ihres Traumes: Das Universum von „Twin Peaks“ soll sich mehr und mehr in ihrem Leben manifestieren.
Ein blaues Holzhaus am Waldrand, einsam steht es, doch nicht friedlich und still. Lydia lebt hier, eine Transgender-Ornithologin, die sich mal in High Heels und Perlenkette präsentiert, dann wieder in Cargohose und Funktionskleidung. Als dokumentarisches Märchen bezeichnet Regisseurin Sasha Kulak ihren Film. Und tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, denn Lydia liebt das Spiel, die Inszenierung, das Unheimliche – und David Lynch.
Über dreißig Mal hat Lydia „Twin Peaks“ gesehen, Charaktere und Handlung sind längst nach Schtscherbinka, eine kleine Stadt im Süden von Moskau, geschwappt. Sie behauptet, auf Leichen im Unterholz zu stoßen, und sogar Lynchs „roter Raum“ findet sich als Nachbau unterm Dach ihres Hauses. Jetzt steht sie vor einer neuen Herausforderung: der Erschaffung von Lara, einer lebensecht wirkenden Silikonpuppe, die mit ihrer Stimme auch durch Kulaks Filmerzählung geleitet. Lydia arbeitet hart an der Erfüllung ihrer Träume, widmet sich aber ebenso passioniert der Erforschung von Vögeln und den sogenannten Neschuljas, scheuen Wesen ohne Augen, die überaus kuschelbedürftig sind und über tantrisches Potenzial verfügen. „A Hawk as Big as a Horse“ macht sich zum Vehikel von Lydias Visionen. Mittels dreidimensionaler Animationen und verschiedener Filmpraktiken öffnet sich das Portal zu einer sehr spezifischen Fantasie.
Carolin Weidner
Credits
Regie
Sasha Kulak
Kamera
Sasha Kulak
Schnitt
Sasha Kulak
Produktion
Louis Beaudemont
Ton
Andrei Dergatchev
Musik
Iakov Mironchev
Animation
Elizaveta Federmesser
Ausgezeichnet mit:
Special Mention (Internationaler Wettbewerb)
Ein synästhetischer Essayfilm: Dystopische und anonyme Geschichten fügen sich zu einer Collage der verstörenden sozialen und politischen Phänomene in Zeiten der Covid-19-Pandemie.
Die globale Covid-19-Pandemie hat menschliche Beziehungen verändert. Aus Archivmaterial, 360°-Aufnahmen und künstlich generierten Bildern entsteht ein synästhetischer Essayfilm über Einsamkeit, Verunsicherung und die zunehmende Verlagerung des Alltags ins Digitale. Dystopische und anonyme Geschichten verbinden sich zu einer Collage der verstörenden sozialen und politischen Phänomene unserer Zeit.
Lars Rummel
Credits
Produktion
Rodrigo Moreira
Produktionsfirma
Mundivagante Studio
Schnitt
Lui Avallos
Sprecher*in
Lui Avallos, Agnese Riaudo, Filippo Stagnini, Jessica Menezes
Eine Stimme in der aztekischen Sprache Nahuatl und ein rituelles Lied begleiten die Spiele der Kinder im Regenwald. Sie legen ihre Ohren an die Bäume, lauschen deren Geschichten.
Eine Stimme in der aztekischen Sprache Nahuatl und ein rituelles Lied begleiten die Spiele der Kinder im Regenwald der Maya. Sie legen ihre Ohren an die Bäume, die miteinander und mit dem Universum zu sprechen scheinen. Sie lauschen einer uralten Liebesgeschichte, die im Heute weitergeht. Ein Mythos der mesoamerikanischen Kultur wird vergegenwärtigt. Animierte Sequenzen und extremes Gegenlicht visualisieren das Eigenleben der Bäume. Welche Bilder mögen vor dem geistigen Auge der Kinder entstehen?
Anke Leweke
Credits
Regie
Fernando Colin Roque
Buch
Chloé Belloc
Kamera
Fernando Colin Roque
Schnitt
Fernando Colin Roque, Chloé Belloc, Mathilde Lavenne
Die Grande Dame der französischen Nouvelle Vague verbrachte den Jahreswechsel 1961/62 in Kuba. Mit einem Fotofilm voller Cha-Cha-Cha und fröhlichem Sozialismus kehrte sie nach Europa zurück.
Zum Jahreswechsel 1961/62 reiste Agnès Varda nach Kuba. Ihr zeigte sich ein Land, das Marx und Lenin in den karibischen Alltag überführte. Cha-Cha-Cha gehörte dazu, aber auch Automobile à l’américaine. An ihrem Pariser Tricktisch animierte Varda die mitgebrachten Schwarz-Weiß-Fotografien zu einem beinahe übermütig springenden Fotofilm. Chris Marker, ihr Vertrauter aus dem Rive-Gauche-Kreis der französischen Nouvelle Vague, hatte dieser filmischen Form gerade eben den Weg bereitet. Auch die Begeisterung für die Kubanische Revolution teilten sie – schließlich sogar ein bisschen Leipziger Festivalerfahrung: 1964 gewann Vardas bewegte Fotomontage die Silberne Taube. Ob trotz oder wegen der leisen Ironie, mit der sie auf diesen etwas improvisiert wirkenden Sozialismus schaut?
Cabrera nimmt Abschied von ihrem schwerkranken Freund, dem ehemaligen Chefredakteur der "Cahiers du cinéma". Man spricht über Leben, Tod und Liebe, vor allem aber über die Liebe zum Kino.
Die Rosen im Garten soll sie filmen, bittet Monsieur Comolli. Doch die blühen erst im Mai, und viel Zeit bleibt dem schwer kranken 80-Jährigen nicht mehr. Einige seiner letzten Tage verbringt Autor, Filmkritiker und Filmemacher Jean-Louis Comolli im Frühjahr 2022 mit seiner langjährigen Freundin Dominique Cabrera und mit der Filmwissenschaftlerin Isabelle Le Corff. Sie philosophieren, sie fantasieren, sie genießen, kurz: sie leben, im Angesicht des nahen Abschieds. Dabei entsteht das Porträt eines gewitzten, klugen und höchst gebildeten Menschen, der nicht müde wird, über das Kino zu sprechen – jene Kunst, die es uns ermöglicht, an den Emotionen anderer teilzuhaben, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen, die ihnen blühen.
Nach einem Überfall mit einem Messer, das Omid in die Brust trifft, stellt sich heraus, dass er gar kein Herz hat: eine animierte Komödie über das, was in der Heimat zurückbleibt.
Omid ist mit seiner Familie vor einer Weile aus dem Iran nach Frankreich gekommen. Er bekommt oft zu spüren, dass er nicht so richtig dazu gehört. Sogar seine Tochter verbessert ständig sein Französisch. Als er überfallen wird, trifft das Messer ihn ins Herz. Nein, er hat gar kein Herz, wie sich im Krankenhaus herausstellt … Eine animierte schwarze Komödie über das, was in der Heimat zurückbleibt.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Sarah Saidan
Schnitt
Manon Dubois
Produktion
Camille Condemi, Daniel Sauvage, Jérôme Barthélemy
Eine Begegnung mit dem König des Chaos: Hun Tun treibt dich an, Hun Tun gibt dir Kraft für unzählige Überstunden und durchtanzte Nächte – und raubt dir dafür den Schlaf und verändert dich.
In einem fantastischen Raum, irgendwo zwischen Animation, Realfilm und Performance, entfaltet sich eine Erzählung über Hun Tun, den König des Chaos. Hun Tun feuert dich an, Hun Tun treibt dich voran, Hun Tun hält dich wach. Er gibt dir Kraft für unzählige Überstunden und endlose Freizeitaktivitäten. Doch Hun Tun raubt dir dafür den Schlaf und verwandelt dich. Bruchstücke des alltäglichen Lebens – Tassen, Kronkorken, Tablettenpackungen – künden von durchgemachten Nächten und völliger Erschöpfung, vom Schlafen-Wollen und vom Nicht-Können. Überlagerungen aus elegant animierten, zarten Sandelementen erzeugen Rhythmus und Textur. Vertanzte Erzählmomente in expressiven Kostümen schaffen Leichtigkeit und transportieren gleichzeitig eine intensive Stimmung. Über allem liegt eine präzise Tongestaltung, die die Ebenen zur spannungsvollen Reflexion eines sehr persönlichen Konflikts verwebt.
Franka Sachse
Credits
Regie
Magdalena Hejzlarová
Buch
Magdalena Hejzlarová
Kamera
Zdena Sýkorová
Schnitt
Alexander Kashcheev
Produktion
Karolína Davidová
Co-Produktion
Romain Bent
Ton
Alexander Kashcheev
Sound Design
Alexander Kashcheev
Musik
Gosheven
Animation
Eliška Kerbachová, Magdalena Hejzlarová, Anna Belova
Das Bier ist alle an einem Imbissstand in Prag. Dauerkunde Hurikán nimmt die Sache in die Hand. Ein abenteuerlicher Parcours in den dösenden, aber steilen Seitenstraßen der Stadt beginnt.
Das Bier ist alle in Prag … also eigentlich nur an einem Imbissstand abseits der touristischen Altstadt. Aber das Röcheln des Zapfhahns ist deswegen nicht weniger dramatisch für Hurikán, einen Dauerkunden, der seinen Tag und viel von der Nacht an diesen Treffpunkten der verlorenen Seelen verbringt. Verknallt in die Budenbetreiberin, nimmt Hurikán die Sache in die Hand. Sie kommt ins Rollen, genau wie das leere Fass, das er befüllen lassen will. Ein abenteuerlicher Parcours nimmt seinen Lauf. Er beginnt mit kleinen spöttischen Gesten und weitet sich schnell zu einer rasanten Jagd in den dösenden, aber steilen Seitenstraßen des Prager Stadtviertels Žižkov aus. Jan Saska verwebt mit großartigem Timing und Augenzwinkern Genretypisches aus Comic und Actionkino. Und mittendrin ein Typ, dem das Leben nicht leichtfällt. Hier muss ihm das Glück helfen, um nicht zu verdursten.
André Eckardt
Credits
Regie
Jan Saska
Buch
Jan Saska, Václav Hašek
Schnitt
Jan Saska
Produktion
Kamila Dohnalová, Martin Vandas
Co-Produktion
Antoine Lietout, Ivan Zuber, Juraj Krasnohorsky, Mladen Đukić, Alena Vandasová
Sound Design
Jiří Gráf
Animation
Marek Pokorný, Michaela Večerková, Jan Saska, Camille Chao, Hugo de Faucompret, David Štumpf, Jean-Christophe Lie, Félicia Gillibert, Delphine Grelet