Explodierende Tomaten, durchlöcherte Wände, Schnecken auf der Suche nach Häusern. Rückkehr in eine Kindheit während des Bosnienkriegs, in der schöne Erinnerungen neben traumatischen liegen.
In das Paradies kann man nicht zurück. Zwischen dem Jetzt und dem Damals liegt der Bruch, die Erkenntnis: Es gibt diesen Ort nicht mehr. Das muss auch unsere Protagonistin erfahren, als sie das Grün der Landkarte unter sich wie eine Decke anhebt, um mit einem Paradeiser in der Hand darunter zu kriechen – zurück nach Sarajevo, nach Jugoslawien. Die Fremdheit des Rückflugs mit obligatorischem Tomatensaft ist erst so nostalgisch-aufregend wie die Smiley-Sticker, die überall kleben. Aber spätestens im Elternhaus holt die Vergangenheit sie in Gänze ein: In der verlassenen Wohnung werfen die Einschusslöcher Lichtkegel auf alte Familienfotografien im Flur, und als sie den Kühlschrank öffnet, löst der Anblick einer einzelnen Tomate plötzlich Erinnerungen an Bomben und Explosionen in ihr aus. Mit eindrücklichen und originellen Bildern visualisiert Matea Radic ihr eigenes traumatisches Erleben des Bosnienkrieges und dessen verwirrendes Verwoben-Sein mit haptisch-sinnlichen Kindheitserinnerungen – dadaistische Šipad-Möbel-Reklame und bosnische Melodien inklusive. Ihr großzügiger und doch aufs Wesentliche reduzierter Animationsstil hebt das kindliche Staunen ihrer Protagonistin wunderbar hervor. Mit aufgeschlagenen Knien und Babydoll-Kleid stakst sie durch die Welt. Und sie lernt, dass es okay ist, auch mal keinen Smiley-Sticker drüberzukleben, sondern vielleicht lieber ein Pflaster.
Wie fühlt sich das an, wenn der Körper ein anderer wird? Über die Wechseljahre wird viel zu selten positiv gesprochen. Hier geht es um den feierlichen Abschied dieser großen Transformation.
Wie fühlt sich das an, wenn der Körper ein anderer wird? Milla Cummings und Geneviève Tremblay erkunden die (Peri-)Menopause auf leiblich-konkrete Art: Die von ihnen gezeigten Wechseljahre sind ein lebender Stop-Motion-Organismus, eine Höhle mit pulsierenden Außenwänden, in der eine nackte, ältere Frau ihre letzten Eizellen behutsam zu Grabe trägt. Dabei berichten uns verschiedene reife Frauen aus dem Off von ihren Erfahrungen – von der trockenen Haut, besonders im Vaginalbereich, von der Wut auf den allseits behaupteten Sex Appeal alternder Männer und vom zunehmenden Verlust der eigenen gesellschaftlichen Sichtbarkeit. Für jeden negativ erlebten Aspekt formulieren diese lebensklugen Erzählerinnen in authentischen Tondokumenten eine Kehrseite oder eine konstruktive Handlungsoption. Und sie berichten auch von den positiven Seiten dieser einschneidenden Transformation: Die Energie, die der Körper mit den Eizellen für das Kinderkriegen zurückgehalten hätte, würde nun frei für ganz neue Projekte! Passend dazu öffnet sich im On ein Vorhang und gibt den Blick auf gleißend-glitzernden Möglichkeitsschaum frei. Am Schluss verlässt unsere Protagonistin die Höhle und erklimmt den nächsten Berg. Dieser Film beschreibt mehr als nur beschwerliche Durchgänge, durch die man irgendwie durchmuss: Die „Passageways“ können ebenso gut auch Übergänge in ein neues Leben sein.