Animierter Dokumentarfilm über weibliche Körperbehaarung, gesellschaftliche Trugbilder und Selbstliebe. Ein Plädoyer für kreative (Haar-)Kunst an Bein, Bauch und Arm: Let it grow!
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Wie geht frau mit den Haaren um, die jenseits des Kopfes sprießen? Eine junge Frau erzählt von ihrem Weg zwischen ersten Enthaarungsversuchen, wiederkehrendem Frust und langsam, aber stetig wachsendem Stolz auf den eigenen Körper. Dieser kurze animierte Dokumentarfilm setzt mit Schwung, Humor und Ehrlichkeit ein Thema ins Bild, das viel zu oft totgeschwiegen oder wegrasiert wird. Starker Auftritt, großes Kino!
Seit Jahren befindet er sich im Rechtsstreit mit den Behörden und harrt in seinem baufälligen Haus aus, im noblen St. Moritz. Porträt eines zufriedenen Zynikers und Querdenkers.
Ist er wahnsinnig oder ein Genie? Ein verarmter Messie oder Millionär? Viele Legenden ranken sich um den über achtzigjährigen Adolf Haeberli. Inmitten des Luxuskurorts St. Moritz lebt er in seinem baufälligen und vollgestellten Haus: Schandfleck für die einen, kreativer Ort des Widerstands für die anderen. Haeberli selbst sieht sich als Sonntagskind. In diesem humorvollen, jedoch nie bloßstellenden Porträt eines Querdenkers kommen die verschiedenen Stimmen ausgewogen zu Wort.
Annina Wettstein
Credits
Regie
Moritz Mueller-Preisser
Buch
Moritz Mueller-Preisser
Kamera
Holger Jungnickel
Schnitt
Hauke von Stietencron
Produktion
Elena Erbenich, Hochschule für Fernsehen und Film München
Gelb lacht die Banane im Obstkorb, schnell ist sie geschält und beinahe schon im Mund. Doch der kleine Elefant möchte auch etwas abhaben: Ein Stück für dich, ein Stück für mich.
Gelb lacht die Banane im Obstkorb, schnell ist sie geschält und verschwindet fast schon im Mund. Doch halt! Bis endlich abgebissen werden kann, heißt es erstmal: abgeben. Die Banane wird kleiner und kleiner. Auch der Elefant möchte noch etwas von der süßen Frucht. Ein Stück für dich, ein Stück für mich … Ein kleiner Film über die Freuden des Teilens.
Filmische Versuchsanordnung in Form eines Manuals, die mittels Rekonstruktionen auf bedrückende Art spürbar macht, wie das von Gewalt geprägte System Lukaschenko funktioniert.
Eine gelungene und gleichzeitig kaum zu ertragende filmische Versuchsanordnung, die mit dokumentarischen Mitteln zeigt, wie die belarussische Realität hinter den Nachrichtenmeldungen aussieht. Basierend auf Augenzeugenberichten, stellt Pavel Mozhar das perfide, auf Unterdrückung fußende Machtsystem Lukaschenko nach. Die Gewalt bleibt in Form detaillierter Rekonstruktionen zwar auf den ersten Blick abstrakt, bohrt sich im Verlaufe des Films dafür aber umso nachhaltiger ins Bewusstsein.
Akribisch malt Johannes Kloosterhuis mit Pinsel und Schablone seine Miniaturhäuser. Dabei sinniert der zurückgezogen lebende Künstler über verschiedene Formen von Wohnen und Sein.
Wohin man auch schaut, hängen großflächige Gemälde mit Ansichten von Häusern. Jedes Haus ist akribisch konturiert, auf den ersten Blick sieht eines aus wie das andere. Manchmal halten sie Abstand voneinander, manchmal scheinen sie in der Leere zu schweben. Seltsam unverortet wirken diese in immer neuen Anordnungen kombinierten Häuser. Mit Schablone und Pinsel sitzt Johannes Kloosterhuis bereits am nächsten Bild. Jedes Haus beherberge seine eigene Geschichte, doch vielleicht sei die Idee des Eigenheims auch ein Ideal von gestern, überlegt er laut. Beim Zeichnen sinniert Kloosterhuis über verschiedene Lebens- und Wohnformen. Er selbst betrachtet die Welt bevorzugt vom Fenster aus, genießt die Aussicht auf Parkhausdächer, Gärten und Bäume. Seine meist monochromen Tableaus hingegen kennen keinen Horizont. Kloosterhuis’ künstlerische Visionen sind womöglich deshalb so faszinierend, weil sie ein unergründliches Eigenleben entwickeln. Mit der Kamera dürfen wir zusehen, wie sie Gestalt annehmen, wie mit jedem Pinselstrich ein neues Miniaturhaus, ein neues Miniaturschicksal entsteht.
Heises letzter Film befasst sich mit dem Archiv seiner Familie und holt Widersprüche von über 100 Jahren deutscher Geschichte ins Sichtfeld. Eine monumentale Anordnung von Bruchstücken.
Thomas Heises letzter Film setzt sich mit dem Archiv seiner Familie auseinander, initiiert durch den Tod der Mutter und des Bruders. Suggestiv kommentiert, in gegenwärtige Bilder eingesetzt, eignet er sich den Heimat-Begriff an, indem er die Widersprüche von über hundert Jahren deutscher Geschichte ins Sichtfeld holt. In einem Schlager von Marika Rökk wird auch das Gegenprogramm formuliert: „Schau nicht hin, schau nicht her, schau nur geradeaus.“ Heises monumentale Anordnung von Bruchstücken ist offen und insistierend zugleich, verwüstet und lebenshungrig, niemals geradeaus. Geschichtsschreibung und Selbstbeobachtung, nirgendwo ganz dazugehörend: eine Berührung im dunklen Kino, ein Riss durch die Autobahn, Listen, Lebensläufe, Après-Ski. Zusehen, was (damit) geschieht.
Jan Künemund
Credits
Regie
Thomas Heise
Buch
Thomas Heise
Kamera
Stefan Neuberger, Börres Weiffenbach, Peter Badel
Schnitt
Chris Wright
Produktion
Heino Deckert, Johannes Rosenberger, Constantin Wulff, Johannes Holzhausen
Wie ist das Leben als Schulkind in Deutschland? Vor allem, wenn man aus einem anderen Land hierher flüchten musste? Drei Kinder erzählen, animierte Zeichnungen liefern die Bilder.
Drei Kinder sind mit ihren Familien aus Krisengebieten geflüchtet und haben in Deutschland ein neues Zuhause gefunden. Welche Wünsche für die Zukunft, welche Träume haben sie? Aus den Gesprächen mit den dreien sind animierte Kinderzeichnungen geworden. Wir sehen das Leben als Schulkind aus ihrer Perspektive.
Nach dem Verlust des familieneigenen Hofs bleiben nur digitale Besuche via 3D-Onlinekarten. Diese erzählen aber nur ungenau. Bildmanipulationen holen den erinnerten Ort zurück.
Einfach Luft anhalten. Vielleicht hilft das gegen den Abschiedsschmerz genauso wie gegen das Brennnessel-Stechen in der Kindheit. Sheila ist an Heustaub in den Lungen gestorben, und mit dem Pferd starb scheinbar auch der familieneigene Hof. Nach dessen Verkauf besucht ihn der lakonische Erzähler digital in 3D-Onlinekarten. Aber selbst die detaillierteste Ansicht sagt rein gar nichts über das Grab der dreibeinigen Hofkatze. Mit Animation und Bildeingriffen holt er sich den erinnerten Ort zurück.
Mit dem Pferd Sheila starb auch der familieneigene Bauernhof. Der Erzähler sucht den Ort seiner Kindheit und Jugend in 3D-Onlinekarten auf. Die ungenauen Bilder benötigen digitale Nachhilfe.
Sheila starb an Heustaub in den Lungen, und gleichzeitig mit dem Pferd starb irgendwie auch der familieneigene Bauernhof. Nach dessen Verkauf besucht ihn der Erzähler digital in 3D-Onlinekarten. Aber selbst die detaillierteste Ansicht sagt rein gar nichts über das Grab der dreibeinigen Hofkatze aus. Mit Animation und Bildeingriffen holt er sich den erinnerten Ort der Kindheit und Jugend zurück.
Aufgeschreckt geht eine verängstigte Frau zur Tür … Darstellerinnen solcher klassischen Hollywood-Szenen werden im Zusammenschnitt eins: eine ewige Gefange ihres Heims und ihrer Rolle.
Zuhause im Unheimlichen: Aufgeschreckt schaltet eine Frau das Licht an, zögert, lauscht und geht mit dunkler Vorahnung zur Tür … In dem Zusammenschnitt von sich ähnelnden Szenen aus Hollywood-Melodramen der 1950er und 1960er Jahre verschmelzen die diversen Darstellerinnen zur Meta-Protagonistin, die immer denselben Horror erlebt: Sie ist gefangen in ihrem Heim und in ihrer klassischen Filmrolle.
Alte Super-8-Filme zeigen Familienglück, westdeutsches Wirtschaftswunder, Eigenheimidylle, Großmutter Rose als junge Frau mittendrin. Die Gewalt in Roses Ehe zeigen sie nicht. Oder doch?
Rose und Rolf in der noch jungen BRD. Er, 13 Jahre älter, war im Zweiten Weltkrieg. Sie, die viele Kinder haben möchte, nimmt seinen Heiratsantrag an und geht von der Schule ab. Mit ihrer Enkelin Annika Mayer, der Regisseurin von „Home Sweet Home“, schaut sich Rose Super-8-Familienfilme der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre an: ihre zwei Jungs in kurzen Lederhosen, ein Eigenheim mit gepflegtem Vorgarten, Papa kommt von der Arbeit, Mama kocht Suppe mit Würstcheneinlage. In diesen Idealbildern des deutschen Wirtschaftswunders erkennt sich Rose nicht wieder. Die junge hübsche Frau ist ihr fremd.
Annika beginnt, Fragen zu stellen. Sie geht gemeinsam mit ihrer Großmutter auf Spurensuche nach der häuslichen Gewalt in deren Ehe, die in den Aufnahmen jedoch nicht sichtbar ist. Durch die offenen Erzählungen von Rose wird das Erlebte aber allmählich spürbar. Welche biografischen Abgründe mögen hinter Rolfs stolzem Lächeln lauern? Mit Bedacht eingesetzte Zeitlupeneffekte sezieren das vermeintliche Familienglück. Die verfremdete Tonspur ist mit atonalen und hyperrealistischen Klängen unterlegt. Allzu fröhlich zwitschern die Vögel, die Idylle wirkt plötzlich trügerisch.
Anke Leweke
Credits
Regie
Annika Mayer
Buch
Annika Mayer
Kamera
Jakob Krese
Schnitt
Annika Mayer
Produktion
Annika Mayer, Jakob Krese
Sound Design
Gaston Ibarroule
Musik
Gaston Ibarroule
Nominiert für:
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
DEFA Förderpreis
Das Hotel Astoria war der Hotspot Leipzigs. Champagner und Schildkrötensuppe wurden den Gästen serviert – die Stasi hörte mit. Animierte Erinnerungen aus einer anderen Zeit.
Alle Leipziger kennen es: das Hotel Astoria, welches seit 1996 leer steht. Der Film wirft einen Blick in die Zeit, als das Haus der Hotspot der Messestadt war. Mit dem für die DDR größtmöglichen Prunk wurden hier Geschäftsleute, Politiker und Gäste aus aller Welt empfangen und bewirtet. Aber auch die Stasi ging im Hotel ein und aus. Anhand von Archivmaterial und Berichten des Personals sowie mit den unverkennbaren Animationen von Falk Schuster wird ein spannendes Kapitel Stadtgeschichte erzählt.
Kim Busch
Credits
Regie
Falk Schuster, Alina Cyranek
Buch
Alina Cyranek
Schnitt
Alina Cyranek, Falk Schuster
Produktion
Alina Cyranek, Falk Schuster
Co-Produktion
MDR Mitteldeutscher Rundfunk
Ton
Florian Marquardt
Musik
Florian Marquardt
Animation
Falk Schuster, Tim Romanowsky, Alexander Schmidt, Julian Quitsch
Zeichnungen, Performance-Aufnahmen der queeren Tänzerin Tsuki sowie pluckernde Klänge und Drones von Oval werden in einem farbgewaltigen und organischen Tableau reorganisiert.
Der Begriff Hysterese beschreibt nüchtern ein Prozessverhalten, bei dem die Vorgeschichte ebenso auf das Ergebnis einwirkt wie neue Veränderungen. Robert Seidel speist analoge Zeichnungen, Performance-Aufnahmen der queeren Tänzerin Tsuki sowie pluckernde Klänge und Drones von Oval in ein Feedbacksystem ein, das Zeit und Bewegung in einem farbgewaltigen und sinnlich-organischen Tableau reorganisiert.
Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal
Betina Kuntzsch
Zehn filmische Perspektiven auf einen historischen Ort: der Ernst-Thälmann-Park in Ostberlin. 1986 weicht ein altes Gaswerk einer Wohnsiedlung – und einem umstrittenen Denkmal.
Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal
Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal
Betina Kuntzsch
Deutscher Wettbewerb 2021
Dokumentarfilm
Deutschland
2021
47 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch
Aus technischen Gründen – zu massiv! – wurde der 50 Tonnen schwere Koloss aus Bronze 1993 nicht abgerissen. Inzwischen steht er gemeinsam mit der dazugehörigen Wohnsiedlung unter Denkmalschutz. Ein Relikt aus alten Zeiten: Die erhobene Faust des ehemaligen KPD-Führers und einstigen DDR-Helden Ernst Thälmann auf der Parkanlage in Prenzlauer Berg trotzt heute dem kollektiven Vergessen einer gar nicht so lange zurückliegenden Vergangenheit, statt den Sieg des Kommunismus anzukündigen.
Eine alte städtische Gaswerkanlage in Ostberlin weicht 1986 einer Wohnsiedlung – und einem bereits damals umstrittenen Denkmal. Zum Teil imaginiert, zum Teil erinnert und durchgehend aufwendig recherchiert, setzt Betina Kuntzsch im Rahmen des Projekts „Vom Sockel Denken“ zur künstlerischen Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals eine komplexe Erzählung zusammen: über einen Ort voller Geschichte, betrachtet aus zehn unterschiedlichen Perspektiven. Dabei bedient sie sich in ihrem Omnibusfilm gekonnt diverser ästhetischer wie forschender Mittel. Durch die gelungene Kombination aus eigenen Aufnahmen, Animation, Archivmaterial und Oral History entsteht in einer Art Kaleidoskop ein Glanzstück des historiografischen Dokumentarismus und ein Parcours durch eine ganze Reihe dokumentarischer Filmgenres.
Portrait sechs albanischer „Burrneshas“, die als Frauen in der sozialen Rolle von Männern, seit Jahrzehnten die patriarchalen Strukturen des Landes mit Witz und Mut gegen den Strich bürsten.
Selbst entscheiden, wie sie leben, das wollen die sechs albanischen Burrneshas, die hier ihre Geschichte erzählen. Sie merkten früh, dass die patriarchale Gesellschaft ihre Freiheit stark beschränkt. So wurden sie zu Burrneshas und schlüpften in die soziale Rolle von Männern, um wie sie handlungsfähig, unabhängig zu sein und ihre Familie wirtschaftlich unterstützen zu können, um sich Zwangsehen und Übergriffen zu entziehen. Und dabei haben sie – ganz nebenbei – auch eine Menge Spaß. Doch das Durchbrechen der Geschlechterschranken gibt es nicht umsonst. Burrnesha bleibt man lebenslänglich, besiegelt durch einen Schwur. Der Preis der Freiheit ist meist der Verzicht auf eine offen gelebte Sexualität, auf Kinder und Familie. Die beeindruckenden Protagonist*innen in diesem großartig fotografierten Film zeigen, wie viel Kraft es braucht, maskuline Geschlechterstereotypen einzuüben. Nicht bei allen reicht die Energie, um Klischees und männlichen Machtanspruch gleichzeitig zu behaupten und zu unterlaufen. Für die neue Generation von Feminist*innen in Albanien sind die Burrneshas Vorbilder, aber auch Mahnung. Denn der Weg zur Gleichberechtigung ist längst nicht geschafft, nur weil es einer Avantgarde mutiger Frauen gelingt, sich durch einen Sprung ins Herz des Patriarchats zu schummeln. Wer dem System an den Kragen will, darf die Strukturen nicht kopieren, sondern muss sie abschaffen.
Luc-Carolin Ziemann
Credits
Regie
Kristine Nrecaj, Birthe Templin
Kamera
Alfred Nrecaj
Schnitt
Evelyn Rack
Produktion
Katrin Springer
Ton
Adrian Guri, Arne Herrmann
Sound Design
Anders Wasserfall
Musik
Nico Pavlovic, André Feldhaus, Alfred Nrecaj, Arne Herrmann