Mal verwirrender Echoschwarm, mal stachelbewehrter Punk – immaterielle Masken an der Grenze zwischen Mode und Kunst verhüllen ebenso viel, wie sie über die Maskierten verraten.
Malerei, virtuelle Skulpturen, technophile Kreuzungen aus Wirklichkeit und Illusion – seit 2018 kreiert Aaron Jablonski für Social-Media-Kanäle mobile Face-Filter. Mal bilden sie einen verwirrenden Echoschwarm um den Kopf, mal sind sie stachelbewehrter digitaler Punk. Die immateriellen Masken an der Grenze zwischen Mode und Kunst verhüllen ebenso viel, wie sie über die Maskierten verraten.
Bei einem Streifzug durch den Wald durchbrechen Videofarbsäume die Schatten des Blätterdachs. Halluzinogene Datenfehler ziehen wie Rakel über eine verworfene Malschicht.
Bei einem Streifzug durch den Wald durchbrechen Videofarbsäume die Schatten des Blätterdachs. Wettergrollen und Vogelzwitschern breiten sich intensiv rot als Pixelmoosteppich aus. Aus der Ferne schleichen sich Ambient-Klänge heran und filtern die Bildwelt. Halluzinogene Datenfehler ziehen wie Rakel über eine verworfene Malschicht. Der Wald wird zu einer Kathedrale für Augen und Ohren.
Die faszinierenden virtuellen Skulpturen eines Tiefenscans werden zu elektronischen Beats modelliert und pulverisiert: Wellen von Millionen farbig leuchtenden Mikrokörpern.
Ein infrarotes Punktmuster ertastet Körperformen und liefert die Systeminformationen für faszinierende Volumenbilder. Die Raumabdrücke sind virtuelle Skulpturen, modellierbar, mit instabilen Aggregatzuständen. Zu den Beats von Mëhills Track „Through Withdrawals“ wird DJ Dixons „Transmoderna“-Auftritt pulverisiert: Wellen von Millionen farbig leuchtenden Mikrokörpern vor schwarzer Unendlichkeit.
Der Kameraflug um einen freistehenden Felsen verfängt sich in der Bildbewegung. Datenschlieren und Artefakte lagern sich als Sedimentschichten ab und bilden neue Formationen.
Im Schwebeflug umkreist der Blick einen freistehenden Felsen in weiter Ebene. Die Aufnahme verfängt sich. In immer kürzeren Abständen bricht sich das Gesteinsmassiv aus dem erstarrenden Hintergrund heraus, bis sich Datenschlieren und Artefakte als feine digitale Sedimentschichten ablagern und zu neuen Formationen verfestigen. Die Videosignalstörung wirkt wie eine Urkraft der Erdgeschichte.
Eine Lebensanleitung aus dem Nichts: „Holen Sie tief Luft, sagen Sie JAAA!“ Doch der anonyme Guru wird zum schwatzhaften Flaneur durch das eigene psychedelische Problem-Universum.
Eine Stimme aus dem Nichts verkündet eine Anleitung zum Leben: „Holen Sie tief Luft, sagen Sie JAAA! … und hören Sie auf, langweilig zu sein!“ Allerdings entgleiten dem anonymen Lehrmeister Regeln und Autorität. Er wird zum schwatzhaften, widersprüchlichen Flaneur durch das Universum seiner problembehafteten Privatheiten. Das Design der Therapieeinheiten hat es faustdick hinter den Ohren.
André Eckardt
Credits
Regie
Patrick Buhr
Buch
Patrick Buhr
Schnitt
Patrick Buhr
Produktion
Ute Dilger
Ton
Marvin Horsch, Donghee Nam, Jonathan Kastl
Animation
Patrick Buhr
Sprecher*in
Erik Hansen
Performer
Vanja Smiljanić, Sina Seifee, Lia Sudermann, Matthias Conrady
Ein Hochspannungsmast wedelt mit seinen Tentakeln. Der Blick versucht, ein Linienwirrwarr zu ordnen, und skizziert neu, was sich aus den Resten der Wahrnehmung zusammenfügen lässt.
Der Blick schweift an Bäumen entlang und versucht, nahe und ferne Zweige optisch zu ordnen. Ein Linienwirrwarr lässt skizzenhaft zurück, was ist, und hält skizzenhaft fest, was aus den Resten der Wahrnehmung zusammengefügt werden kann. Mit digitalem Knacksen erobern handgezeichnete Striche die dritte Dimension. Ein Hochspannungsmast wedelt mit seinen Tentakeln.
Eine Instagram-Nutzeroberfläche kräuselt sich, wird anmutiger Feedback-Wirbel und macht sich virtuell interessant. Ihr Bildmotiv: die Abwesenheit eines fotografischen Objekts.
Eine Instagram-Nutzeroberfläche kräuselt sich, wird Feedback-Wirbel und macht sich virtuell interessant. Jedes Segment ist eine ästhetisch arrangierte Wiederholung. Kurz erhascht der Blick den vermeintlichen Bildinhalt: In einem Filmstudio lauern Equipment und ein weißer Hintergrund auf ihr fotografisches Objekt. Sie inszenieren Abwesenheit als Motiv, das den eitlen Social-Media-Kanal füttert.