2014 zerstörten russische Separatisten im ostukrainische Torezk Häuser und Familien. Nach der Kohle grub sich der Krieg in Landschaft und Alltag ein – und wurde zur Normalität.
Torezk in der Ostukraine ist gezeichnet vom Niedergang der Kohleindustrie: Brachen, Schutt, Schrott. 2014 brachten russische Separatisten den Krieg in die Gegend, zerstörten Häuser und Familien, auch die von Nastja. Das Mädchen und ihre Freunde, alle an der Schwelle zum Erwachsenwerden, nehmen die unter Bedrohung und Depression verwahrlosenden Stadtränder als Normalität hin. Taras Tomenko beobachtet ihre kleinen getanzten oder gesungenen Fluchten, ihre Selbstvergessenheiten, manchmal auch ihre Tränen.
Sylvia Görke
Credits
Regie
Taras Tomenko
Kamera
Misha Lubarskyi
Schnitt
Viktor Malyarenko
Produktion
Volodymyr Filippov, Andriy Suyarko, Alla Ovsyannikova
Am 9. Februar 2022 besprechen vier Freunde in Kyjiw die Situation: An der Grenze harren 120.000 russische Soldat*innen – was wird geschehen? Ein gleichsam historischer wie privater Moment.
Am Abend des 9. Februar 2022 sitzen vier junge Männer in Kyjiw um einen Tisch. Die Freunde besprechen die Lage: 120.000 russische Militärs befinden sich vor der ukrainischen Grenze. Was wird geschehen? Regisseur und Kameramann Leo Dzhyshyashvili fängt in „The Birds Are Silent“ einen gleichermaßen privaten wie historischen Moment ein. Bezeichnend dabei ist die Klarsicht, mit der Andriy, Olexandr, Ivan und Sasha die Konsequenzen des bevorstehenden Angriffs einschätzen: Potenzielle Entscheidungen ob der eigenen Zukunft vermischen sich mit Sorgen um Angehörige sowie der Fassungslosigkeit, in eine Situation geworfen zu sein, die sowohl Hilflosigkeit als auch Ekel auslöst. Aber eine kleine Hoffnung ist noch zu vernehmen – möglicherweise sind die ausgemalten Horrorszenarien nichts weiter als Energieverschwendung? Schnitt. Aus den Diskutierenden sind teils Soldaten geworden; einer hat sich mit einer schmalen Matratze und einer Mahlzeit im Bad verschanzt. Binnen acht Minuten hat Dzhyshyashvili ein Davor und ein Danach zusammengezurrt, das schaudern macht.