2014 zerstörten russische Separatisten im ostukrainische Torezk Häuser und Familien. Nach der Kohle grub sich der Krieg in Landschaft und Alltag ein – und wurde zur Normalität.
Torezk in der Ostukraine ist gezeichnet vom Niedergang der Kohleindustrie: Brachen, Schutt, Schrott. 2014 brachten russische Separatisten den Krieg in die Gegend, zerstörten Häuser und Familien, auch die von Nastja. Das Mädchen und ihre Freunde, alle an der Schwelle zum Erwachsenwerden, nehmen die unter Bedrohung und Depression verwahrlosenden Stadtränder als Normalität hin. Taras Tomenko beobachtet ihre kleinen getanzten oder gesungenen Fluchten, ihre Selbstvergessenheiten, manchmal auch ihre Tränen.
Sylvia Görke
Credits
Regie
Taras Tomenko
Kamera
Misha Lubarskyi
Schnitt
Viktor Malyarenko
Produktion
Volodymyr Filippov, Andriy Suyarko, Alla Ovsyannikova
Auf den Spuren des Großvaters Leonid Burlako, einst gefeierter Kameramann, entfaltet sich Zeit- und Familiengeschichte: fünfzig Jahre sowjetisches Kino und ein Leben in der UdSSR.
Der sowjetische Kameramann Leonid Burlaka arbeitete in den 1960er Jahren in seiner Geburtsstadt Odesa für das Odesskaja kinostudija in der damaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik an Filmen, die um die Welt gingen. Heute ist er achtzig Jahre alt, und mit der Diagnose Alzheimer verblasst sein Gedächtnis zusehends. Der Filmemacher Igor Ivanko folgt den Spuren, die sein Großvater hinterließ, und entdeckt in der Garage ein Archiv von immensem Wert.
Zwischen Gartengeräten und Werkzeug finden sich Dutzende Rollen Fotofilm, die allerdings schon fast zerstört sind. Der Enkel scannt das Material ein und führt es den Großeltern vor. Bei den bekannten Gesichtern hellt sich Burlakas Miene auf, doch an vieles kann er sich nicht erinnern. Ivanko erkennt, dass er einen Schatz von historischer Aussagekraft in den Händen hält. Leonid Burlaka begann seine Karriere, als viele sowjetische Kulturschaffende mit der Zensur zu kämpfen hatten. Als Mitte der 1960er Jahre die staatliche Repression nachließ, war er beruflich längst etabliert. Der politische Wandel aber schlug sich in seinen Werken nieder. Ivankos Versuch, die Erinnerungen des Großvaters aufzuzeichnen, bevor sie für immer verschwinden, kommt zu spät. Doch ihm ist ein Film gelungen, der auf fünfzig Jahre Kino und Leben in der UdSSR zurückblickt: ein mitreißendes Zeit- und Familienporträt zwischen Emotion und Information.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Igor Ivanko
Kamera
Igor Ivanko, Illia Yehorov
Schnitt
Igor Kosenko
Produktion
Mariia Ponomarova, Alexandra Bratyshchenko, Igor Ivanko, Peter Kerekes
Das brisanteste Thema im Vorkriegs-Kyjiw: die Macht der Bauunternehmer. Florian Jurjews Architekturvisionen, kontrastiert mit der Sturheit eines Geschäftsmannes à la Donald Trump.
Das brisanteste Thema im Vorkriegs-Kyjiw: die Macht der Bauunternehmer. Oleksiy Radynski erforscht den Gegensatz zwischen einem Architekten, der eines der bedeutendsten Gebäude in Kyjiw entwarf, und dem kapitalistischen Zynismus, der die Einzigartigkeit der Stadt ruiniert. Florian Jurjews Philosophie der Sterblichkeit einer Galaxie, der „schönen Null“, zu der wir alle zurückkehren werden, kontrastiert mit der lächerlichen und gefährlichen Sturheit eines Geschäftsmannes à la Donald Trump.
Vier Sanitäter gehen in einem Bergdorf zu Beginn der Covid-Pandemie von Haus zu Haus. Sie bilden den emotionalen Kern dieses kaleidoskopischen Blicks auf Geschichten und Tragödien.
Vier Sanitäter gehen in einem abgelegenen Bergdorf zu Beginn der Covid-Pandemie von einem Haus zum anderen, von Messungen zu Diagnosen, von müden älteren Frauen zu betrunkenen Männern mittleren Alters. Hreshko beobachtet sie genau: Sie werden getauft, verheiratet, beerdigt. Doch das Ambulanzteam bleibt das gleiche, macht seine Arbeit und bildet schließlich den emotionalen Kern dieses kaleidoskopischen Blicks auf die Geschichten und Tragödien der Menschen.
Eine Familie, die in den Bergen täglichen Ritualen nachgeht, unbehelligt von der Außenwelt. Doch auch dieses vermeintlich ruhige Leben ist vom Krieg in der Ostukraine bestimmt.
Eva Dzhyshyashvili zeigt uns eine Familie, die in den Bergen ihren täglichen Ritualen nachgeht. Auf den ersten Blick ist dieses Leben einfach und ruhig, unbehelligt von der Außenwelt. Doch als sich der Blick weitet, sehen wir, dass der Großvater in der Ostukraine verwundet wurde, und hören unzählige Gespräche über diesen Krieg. Das Gefühl, dass es keinen Ort gibt, an dem man sich vor der militärischen Aggression verstecken kann, ist unübersehbar. Aber das Ende gibt einen Funken Hoffnung.
Eine sentimentale Reise über den größten Markt von Odessa. Der Prywos ist Herz dieser historisch komplizierten Stadt, die seit Februar 2022 unter russischem Beschuss steht.
Eine sentimentale Reise über den größten Markt von Odesa. Um den Prywos ranken sich Mythen. Er wird in Liedern und Büchern erwähnt, ist Herz dieser verwirrenden Stadt mit komplizierter Geschichte. Neymann betrachtet die dort Wohnenden mit Empathie: verlorene Seelen in den Körpern von Menschen, Hunden oder Katzen. Der Opernsoundtrack verleiht dem alten, lebendigen Prywos ein Gefühl von Untergang, das Realität werden wird. Seit Februar 2022 steht Odesa unter russischem Beschuss.
Das Videotagebuch einer Kyjiwer Künstlerin, die angesichts des Kriegsalltags zwischen Angst, Agonie und Aktionismus schwankt. Dafür findet sie berührende Worte und Bilder.
Mit diesem persönlichen Videotagebuch aus Kyjiw gelingt es der Künstlerin Hanna Trofimova, ein Stück weit nachvollziehbar zu machen, wie der Krieg das Leben und den Alltag infiltriert und zerstört – selbst dann, wenn die eigene Wohnung noch nicht durch eine Bombe getroffen wurde. Bilder aus der beklemmenden „Normalität“ zwischen Sirenenalarm und Explosionen verbinden sich mit den berührenden Worten einer jungen Frau, die versucht, sich und ihr Dasein nicht ganz an die neue Realität zu verlieren.